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Schaden in Milliardenhöhe: US-Fahnder fassen Dutzende Finanzbetrüger

Mehr als 120.000 Menschen sind betroffen, der Schaden beträgt mehr als zehn Milliarden Dollar. In den USA sind Fahndern der "Operation Gebrochenes Vertrauen" gleich mehrere Schläge gegen Anlagebetrüger gelungen - Justizminister Holder spricht von Verbrechen in atemraubendem Ausmaß.

Justizminister Holder: "Atemberaubende Zahlen" Zur Großansicht
AFP

Justizminister Holder: "Atemberaubende Zahlen"

Washington - US-Fahnder haben bei den bislang umfangreichsten Ermittlungsaktionen gegen Anlagebetrüger Hunderte Verdächtige dingfest gemacht. Durch Schneeballsysteme und andere Gaunereien hätten sie in vielen Fällen mehr als 120.000 Menschen Schäden von mehr als zehn Milliarden Dollar (7,6 Milliarden Euro) zugefügt, teilte das US- Justizministerium am Montag mit.

Justizminister Eric Holder sprach von "atemraubenden Zahlen". Die "Operation Broken Trust" ("Operation Gebrochenes Vertrauen") sei die erste landesweite Aktion gewesen, die sich gegen ein breites Spektrum von Betrügereien gerichtet habe.

Die Fahnder hätten dreieinhalb Monate ermittelt und bislang in mehr als 340 Fällen strafrechtliche Verfahren eingeleitet, in rund 190 Fällen zivilrechtliche. 87 Betrüger seien bisher zu Haftstrafen verurteilt worden, in einigen Fällen zu mehr als 20 Jahren.

"Viele der Kriminellen haben mit dem Geld der Investoren einen großzügigen Lebensstil finanziert", sagte Minister Holder. Einige der Fälle wurden von den Ermittlern auch genauer beschrieben:

  • Ein Betrüger mit Sitz in Florida habe seine Anleger um 880 Millionen Dollar gebracht und damit seine Privatyacht, sein Strandhaus und seinen Mercedes bezahlt. Ebenfalls in Florida habe ein Betrüger vor allem Opfer unter der aus Haiti eingewanderten Bevölkerung gefunden.
  • In Texas seien 7700 Anleger mit einem Schneeballsystem bei Öl- und Gasinvestments um mehr als 485 Millionen Dollar geprellt worden.
  • In Ohio habe ein früherer Polizist unter pensionierten Ermittlern und Feuerwehrleuten Kasse gemacht.
  • In Chicago habe ein Betrüger Hunderte arglose Anleger abgezockt, darunter viele ältere Einwanderer aus Italien. Er soll ihnen jährliche Gewinne von zehn bis 15 Prozent versprochen haben.

Verantwortlich für den Ermittlungserfolg war eine von Präsident Barack Obama ins Leben gerufene Task Force für den Kampf gegen Anlagebetrügereien, an der auch die Börsenaufsicht SEC und die US-Bundespolizei FBI beteiligt sind. "Die Operation unterstreicht die Ausmaße des Problems und die Folgen für Menschen aus allen Lebensbereichen", sagte FBI-Vizedirektor Shawn Henry. "Betrug durch bekannte Firmen oder Manager machen die meisten Schlagzeilen, aber andere Gaunereien sind für hart arbeitende Familien und Rentner genauso verheerend", sagte SEC-Chefermittler Robert Khuzami.

Der bislang größte Betrugsfall der Finanzgeschichte war der des Milliardenbetrügers Bernard Madoff: Der heute 72-Jährige war im Juni 2009 von einem Gericht in New York zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Ex-Broker hatte von zahlreichen Anlegern insgesamt rund 65 Milliarden Dollar ergaunert.

hut/dpa/AP

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1. Das ging aber schnell. Ratz Fatz. Hmm
katanga1 06.12.2010
"Die Fahnder hätten dreieinhalb Monate ermittelt und bislang in mehr als 340 Fällen strafrechtliche Verfahren eingeleitet, in rund 190 Fällen zivilrechtliche. 87 Betrüger seien bisher zu Haftstrafen verurteilt worden, in einigen Fällen zu mehr als 20 Jahren." Erstaunlich, das man davon erst gar nichts erfährt und dann gleich mit einem Ergebnis bei dem schon 87 Betrüger verurteilt worden sind. Wie geht so was überhaupt in so kurzer Zeit? Kann mir das mal jemand etwas näher erklären ?
2. SUPER !!!! Nachahmenswert !!!
weltbetrachter 06.12.2010
Da sollten die deutschen Behörden mal die Drähte Richtung USA zum glühen bringen und sich bei den Amerikanern erkundigen, wie die das gemacht haben. Eine solche Aktion wäre für ganz Europa auch angebracht !!!
3. What for?
akrisios 06.12.2010
Zitat von weltbetrachterDa sollten die deutschen Behörden mal die Drähte Richtung USA zum glühen bringen und sich bei den Amerikanern erkundigen, wie die das gemacht haben. Eine solche Aktion wäre für ganz Europa auch angebracht !!!
In Amerika gibts 150 Jahre, in China (vor der Erschießung = chin. Entsorgung) 150 Peitschenhiebe. Hier in Deutschland bekäme der Angeklagte ein Dududu & 2 Jahre Luxusknast, danach Freiheit unter Bewährungsauflagen. Verbrechen lohnt sich nicht. In Deutschland schon.
4. Das Problem ist:
luckyfrank 06.12.2010
Das Problem ist: die Leute wollen betrogen werden. Wirklich! Ich war ungefaehr um 1995 selbstaendig im Allfinanzbereich/Beratung taetig. Wenn man die Leute serioes beraet verkauft man: nichts. Der Verkaeufer/Berater, der den Kunden jeden Scheiss verspricht (hohe Renditen), hat den groestten Verdienst. Die Leute unterschreiben dann jeden Mist. Ich konnte zwar gut verkaufen, fuer mich war das trotzdem nichts. Wenn man ehrlich und serioes den Menschen wirklich helfen will, verdient man sich selbst nicht einmal das Salz in die Suppe....
5. Stammtischmeinung!
luckyfrank 06.12.2010
Zitat von akrisiosIn Amerika gibts 150 Jahre, in China (vor der Erschießung = chin. Entsorgung) 150 Peitschenhiebe. Hier in Deutschland bekäme der Angeklagte ein Dududu & 2 Jahre Luxusknast, danach Freiheit unter Bewährungsauflagen. Verbrechen lohnt sich nicht. In Deutschland schon.
Das ist doch Unsinn! Waren Sie schon mal selber im deutschen "Luxusknast"? btw, es gibt solche Faelle, ueber die man sich aufregen mag. Das sind dann genau die, die in den Medien aufgebauscht werden, aber nicht die Regel...
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