Schadensersatzprozess: Middelhoff wirft Klägern Kampagne vor

Für Ex-Arcandor-Chef Middelhoff wird es ernst: Er muss sich wegen einer Schadensersatzklage des Insolvenzverwalters vor Gericht verantworten. Zu Prozessbeginn ging der Manager auf seinen Kläger los - allerdings per Interview.

Ex-Arcandor-Vorstandschef Middelhoff: "Diese Klage ist ohne Substanz" Zur Großansicht
dapd

Ex-Arcandor-Vorstandschef Middelhoff: "Diese Klage ist ohne Substanz"

Essen/Hamburg - Es ist einer der spektakulärsten Schadensersatzprozesse der deutschen Wirtschaftsgeschichte: Der Insolvenzverwalter des pleitegegangenen Handelskonzerns Arcandor, Klaus Hubert Görg, hat den früheren Vorstandschef Thomas Middelhoff und zehn weitere Ex-Top-Manager auf 175 Millionen Euro Schadensersatz verklagt.

Den Beginn des Prozesses vor dem Essener Landgericht nutzte Middelhoff, um mit Görg abzurechnen. Allerdings nicht vor den Richtern, sondern per Interview in der "Zeit". "Herr Görg hat eine Theorie, die jeden Wirklichkeitsbezug vermissen lässt", sagte Middelhoff über die Vorwürfe. Die Theorie "besteht darin, dass ich mit dem Bauunternehmer und Vermögensverwalter Josef Esch sowie mit der Bank Sal. Oppenheim zum Nachteil von Karstadt zusammengearbeitet haben soll - und zwar aus Eigennutz".

Insolvenzverwalter Görg wirft den Managern vor, wirtschaftlich nachteilige Mietverträge für fünf Karstadt-Warenhäuser ohne die erforderliche rechtliche Prüfung abgeschlossen zu haben. Dadurch soll dem Unternehmen ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden sein.

"Ich habe den Eindruck, dass er das selber nicht ernst meint", sagte Middelhoff über Görgs Schadensersatzforderung. "Diese Klage ist ohne Substanz und damit verbunden auch die Kampagne, die ich zwei Jahre über mich ergehen lassen musste."

"Ich bin ja wie Hans im Glück"

Karstadt hatte kurz nach der Jahrtausendwende fünf Warenhäuser in Karlsruhe, Leipzig, München, Potsdam und Wiesbaden an die Oppenheim-Esch-Gruppe verkauft. Diese gehört dem Unternehmer Josef Esch und der Bank Sal. Oppenheim. Nach umfangreicher Sanierung hatte Karstadt die Immobilien zurückgemietet. Nach Görgs Ansicht geschah dies zu denkbar ungünstigen Konditionen für die Warenhauskette. Die Immobilien seien deutlich unter Marktwert verkauft worden. Dennoch hätten die Mieten signifikant über den marktüblichen Sätzen gelegen.

Am ersten Prozesstag erschienen weder Middelhoff noch Görg im Gerichtssaal. Dass die beiden aufeinandertreffen, ist aber wahrscheinlich. Denn Middelhoffs Anwälte haben bereits zum Gegenschlag ausgeholt und verklagten den Insolvenzverwalter wegen Prozessbetrugs. Sie werfen Görg vor, bei seiner Schadensersatzklage wichtige entlastende Indizien bewusst zurückgehalten zu haben.

In dem Prozess wird es auch um die Beziehung von Middelhoff zu seinem früheren Vermögensverwalter Josef Esch gehen. Unter anderem hatte Middelhoff, bevor er zu Arcandor ging, in geschlossene Immobilienfonds investiert, die die fünf Karstadt-Warenhäuser übernommen hatten. Über das erste Treffen mit Esch zu Vermögensfragen sagte Middelhoff: "Dann hat er mir die Dinge erklärt, die ich, offen gestanden, nicht sofort verstanden habe. Und er hat gesagt, er mache rundum Gesamtvermögensverwaltung."

Esch droht Ärger mit Quelle-Erbin

Er habe in den geschlossenen Oppenheim-Esch-Fonds investiert, "weil immer die Bank Sal. Oppenheim mit investiert hat", sagte der Manager. "Ich habe hier gesessen und gesagt, wo ist das Problem, ich bin ja wie Hans im Glück." Esch habe ihm die gesamte Vermögensverwaltung abgenommen: "Da werden Sie ja fast schon lebensuntüchtig", sagte Middelhoff.

Auch die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz hatte sich von Esch beraten lassen und bereitet nach SPIEGEL-Informationen eine Klage gegen den Vermögensberater vor. Esch wiederum wies Vorwürfe gegen ihn im SPIEGEL-Interview mit barschen Worten zurück.

Arcandors Untergang im Sommer 2009 war die größte Insolvenz in der deutschen Nachkriegsgeschichte und riss auch das Versandhaus-Imperium Quelle in die Pleite. Der Arcandor-Konzern wurde aufgeteilt, Quelle abgewickelt, das Kaufhaus Karstadt ging an den Investor Nicolas Berggruen.

mmq/dapd

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Wie dumm muss man sein
rmuekno 13.04.2011
um diese Aussage des Herrn Middelhof zu glauben. Der mann hat offensichtlich zu seiner eigenen Bereicherung krumme Geschäfte gemacht und gehört nicht nur zum Schadenersatz verpflichtet sondern für lange Zeit hinter Schloss und Riegel. Bleibt zu hoffen dass, das unsere Gerichte auch so sehen.
2. Hans im Glück
maipiu 13.04.2011
wenn mich meine Märchenkenntnisse nicht täuschen, hat Hans im Glück nur seinen eigenen Kram durchgebracht, nicht das Geld anderer Leute.
3. Armer unschuldiger Herr Middelhoff ... ! :-(
stefanaugsburg 13.04.2011
Ja, der hat es schon schwer, der Herr Middelhoff, was man ihn nicht alles geheissen hat und welche schlimmen 'Kampagnen' gegen ihn gestartet wurden, es ist zum Heulen. Dabei entbehren alle Vorwürfe jeglicher Grundlage, Herr Middelhoff hat immer und ausschließlich zum Wohle des von ihm kreierten Konzerns gehandelt. Auch seine privaten Beteiligungen dienten natürlich NUR dem Gemein- und nicht dem Eigenwohl, also alles erstunken und erlogen. Ja, man hat es schwer als ehrlicher und wohlwollender Manager heutzutage, davon können z.B. ihm ein Herr Esser oder ein Herr Claassen sicherlich ein Lied singen.
4. Leistungsträger
Knackeule 13.04.2011
Wieder ein Leistungsträger, der völlig ungerechtfertigt verfolgt wird, obwohl er nur das Beste wollte und zumindest für sich selbst auch erreicht hat. Middelhoff steht also vor Gericht. Mal sehen, wie das ausgeht (vermutlich mit einem der berühmt-berüchtigten "Deals"). Und wo bleiben Funke (Hypo Real Estate), Schmidt (Bayern LB), Nonnenmacher und all die anderen Vollpfosten, die Milliardenwerte vernichtet haben ? Na klar, die verzehren ihre wohlverdienten Pensionen und Abfindungen. Da kann mach leider nichts machen, das ist einfach nur alternativlos. Ich bin immer mehr begeistert von der deutschen Politik und der deutschen Justiz ! Einfach nur toll.
5. Ja der arme Herr
lauterbachheiner 13.04.2011
[Satire] Er hat von nichts gewusst und nichts verstanden, aber unterschrieben hat er? Der arme Herr Middelhoff! Der pöse Pursche hat ihn hintergangen? Jetzt geht mir auch auf warum Herr Middelhoff nun doziert, damit andere von seiner Dummheit etwas lernen können und nicht solche Fehler machen. Das ist natürlich hoch anständig. Aber hat er denn vorher nichts von seiner Beschränktheit gewusst? Hat er denn keine Freunde die ihm mal sagen: Junge, du bist strohdoof, in dem Job kriegste zwar massig Schotter, aber wenn du es versaust biste dran und die Wahrscheinlichkeit ist verdammt hoch! Armer Onkel Middelhoff. Mein Beileid. [/Satire]
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Arcandor
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 19 Kommentare
  • Zur Startseite

Arcandor: Chronik einer Krise
Der frühere KarstadtQuelle- und heutige Arcandor-Konzern steckt seit Jahren in einer schweren Krise. Mehrere Wechsel auf dem Chefposten des Handels- und Touristikunternehmens änderten daran wenig - eine Chronik.
20. Juli 2000
KarstadtQuelle-Vorstandschef Walter Deuss legt sein Amt nach wachsender Kritik nieder. Nachfolger wird der bisherige Vorstandschef der Karstadt-Warenhaus AG, Wolfgang Urban.
13. Januar 2001
Karstadt kündigt den Abbau von bis zu 7000 der 52.000 Stellen im Warenhausbereich an.
17. Mai 2004
Vorstandschef Urban muss wegen der schlechten Ertragslage gehen.
1. Juni 2004
Quelle-Neckermann-Chef Christoph Achenbach übernimmt den Posten.
14. Oktober 2004
Konzernspitze und Arbeitnehmer einigen sich auf einen Sanierungsplan. 5500 Stellen sollen sozialverträglich abgebaut, 77 kleinere Häuser in den nächsten drei Jahren verkauft werden.
7. April 2005
Achenbach tritt zurück.
12. Mai 2005
Thomas Middelhoff wird neuer Vorstandschef von KarstadtQuelle.
24. Mai 2005
Der Aktienpool um die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz sichert sich die Mehrheit an KarstadtQuelle.
15. Juli 2005
Der Konzern verkauft die Modekette Wehmeyer.
3. August 2005
KarstadtQuelle trennt sich von 75 kleineren Warenhäusern und den Fachmarktketten SinnLeffers und Runners Point.
27. März 2006
KarstadtQuelle verkauft für 4,5 Milliarden Euro seine gesamte Warenhaus-Immobilien. Der Konzern mietet die Gebäude zurück, darunter auch das Berliner KaDeWe und das Alsterhaus.
22. Dezember 2006
KarstadtQuelle übernimmt für 800 Millionen Euro den 50-Prozent-Anteil der Lufthansa an dem Reiseunternehmen Thomas Cook.
12. Februar 2007
Middelhoff kündigt die Fusion von Thomas Cook mit der Nummer drei in Europa, dem britischen Konkurrenten MyTravel, an. Die Touristiksparte wird zum mit Abstand wichtigsten Geschäftsfeld des Traditionskonzerns.
29. März 2007
Middelhoff setzt die Umbenennung der Konzernholding KarstadtQuelle in Arcandor durch.
12. Dezember 2007
Arcandor trennt sich von seinen verbliebenen Immobilienbeteiligungen und der Versandhaustochter neckermann.de.
29. September 2007
Die Privatbank Sal. Oppenheim greift Arcandor unter die Arme. Das Kölner Geldinstitut übernimmt Anteile der bisherigen Mehrheitsaktionärin, Quelle-Erbin Schickedanz.
15. Dezember 2007
Im Geschäftsjahr 2007/2008 machte der Handelsriese einen Verlust von 746 Millionen Euro.
12. Februar 2009
Middelhoff verabschiedet sich mit roten Zahlen.
1. März 2009
Der langjährige Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick übernimmt das Ruder.
20. April 2009
Arcandor kündigt ein drastisches Sparprogramm an. Der Konzern will sich auf die profitablen Kernbereiche der Versandhandelstochter Primondo (Quelle) und der Warenhauskette Karstadt sowie auf die Touristiktochter Thomas Cook konzentrieren. Die Premium-Häuser KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger sollen verkauft werden.
15. Mai 2009
Der Konzern kündigt an, Staatbürgschaften in Höhe von 650 Millionen Euro beantragen zu wollen.
17. Mai 2009
Die Metro-Gruppe signalisiert Interesse am Kaufhaus-Segment.
20. Mai 2009
Arcandor schickt seine Bitte um eine Staatsbürgschaft nach Berlin. Zahlreiche Politiker äußern sich kritisch.

21. Mai 2009
Die konkurrierenden Warenhausketten Kaufhof und Karstadt prüfen nach eigenen Angaben die Bildung einer gemeinsamen Deutschen Warenhaus AG.
22. Mai 2009
Arcandor macht Finanzhilfen des Bundes zur Bedingung für eine Fusion seiner Karstadt-Häuser mit der Kaufhof-Kette.

3. Juni 2009
Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sieht angesichts massiver Bedenken der EU kaum noch Chancen auf Staatshilfen für den Konzern. Arcandor bleiben nach eigenen Angaben noch neun Tage, um einen Ausweg zu finden.
5. Juni 2009
Arcandor stellt Antrag auf Rettungsbeihilfe in Höhe von 437 Millionen Euro. Ein Krisengipfel zur Rettung des Konzerns endet in Berlin ohne Ergebnis.
6. Juni 2009
Das von Insolvenz bedrohte Unternehmen stellt die Mietzahlungen für die Karstadt-Filialen ein.
7. Juni 2009
Ein Spitzengespräch der Handelsriesen über eine Fusion ihrer Kaufhausketten geht ohne Durchbruch zu Ende.
8. Juni 2009
Die Bundesregierung lehnt die Anträge auf Staatsbürgschaften und Notkredite ab und stellt den Eigentümern von Arcandor ein Ultimatum. Nur wenn sie ihren Sanierungsbeitrag deutlich aufstocken, will sich der Bund an den Rettungsbemühungen für den Handelsriesen beteiligen und damit den Konzern vor der Insolvenz retten.
9. Juni 2009
Die Arcandor-Großaktionäre sehen keine Möglichkeiten, den Antrag auf Staatshilfen nachzubessern. Der Handelskonzern meldet Insolvenz an. Gleichzeitig gibt die Staatsanwaltschaft Essen bekannt, dass ein Ermittlungsverfahren gegen Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick eingeleitet wurde. Der Vorwurf: Insolvenzverschleppung. ssu/AP
18. Juni 2009
Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg macht deutlich, dass Staatshilfe notwendig ist, um den Betrieb der Versandtochter Quelle aufrecht zu erhalten. Die Zukunft von Karstadt sieht er bis Jahresende gesichert.
30. Juni 2009
Die Finanzierung von Quelle ist vorerst gesichert, nachdem die EU die Staatshilfe genehmigt hat.
12. August 2009
Konzernchef Eick teilt mit, die Bemühungen um einen Investor für den gesamten Konzern aufzugeben. Nun geht es noch darum, Investoren für Karstadt und die Primondo-Gruppe um Quelle zu finden.
13. August 2009
Görg stellt sein grobes Sanierungskonzept vor. Bei Quelle und den Spezialversendern sollen rund 3700 der 10.500 Arbeitsplätze wegfallen. Bei Karstadt stehen 19 der 126 Waren- und Sporthäuser zur Disposition. mik/ssu/AP/Reuters