Schattenaktien Ermittler untersuchen möglichen Steuerbetrug

Eine bisher unentdeckte Masche mit sogenannten Schattenaktien könnte die deutschen Steuerzahler Millionen gekostet haben. Die Methode gleicht den Cum-Ex-Modellen.

Steuerfahnder (Illustration)
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Steuerfahnder (Illustration)


Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt einem Medienbericht zufolge in einem möglichen neuen Steuerbetrug mit Aktiengeschäften. Recherchen von WDR und "Süddeutscher Zeitung" zufolge untersuchen die Ermittler eine bisher nicht entdeckte Masche, mit der Banken und Aktienhändler Millionen deutscher Steuergelder ergaunert haben könnten. Der Trick solle auf sogenannten Schattenaktien basieren.

Die Kölner Staatsanwälte ermitteln demnach gegen mehrere Mitarbeiter einer nicht genannten deutschen Bank wegen des Verdachts auf Steuervergehen bei Aktiengeschäften mit speziellen Papieren - sogenannten ADR (Amercian Depositary Receipts). Diese werden in den USA quasi als Ersatz für Aktien ausländischer Firmen gehandelt.

ADR dienen dazu, Aktien auch im Ausland handelbar zu machen, ohne diese dort zulassen zu müssen. Das Prinzip funktioniert so: Eine Bank kauft Aktien einer Firma in deren Heimatland und lagert diese in einem Depot. In einem anderen Land werden nun nach dem jeweiligen Landesrecht Hinterlegungsscheine ausgegeben.

Wer diese kauft, erwirbt sozusagen das Recht, den Hinterlegungsschein jederzeit gegen die echte Aktie eintauschen zu können. Man könnte die Papiere daher als Schattenaktien bezeichnen. Der Handel mit ADR ist im Prinzip gängige Praxis, in den USA gibt es ihn bereits seit 1927.

Deutsche Finanzbehörden getäuscht

Normalerweise muss jedem ADR-Papier eine Aktie zugrunde liegen, oder ein Bruchteil einer Aktie. Nach Erkenntnissen von US-Ermittlern sind in zahlreichen Fällen aber solche Papiere ausgegeben worden, ohne dass die Banken die betreffenden Aktien hinterlegt hatten.

Die Inhaber dieser sogenannten Vorab-ADRs sollen dann deutsche Finanzbehörden getäuscht und Steuererstattungen kassiert haben, obwohl zuvor gar keine Steuern auf Dividenden gezahlt worden waren. Insofern ähnelt die neue Masche den Cum-Ex-Modellen. Cum-Ex steht für den Handel von Aktien mit (Cum) und ohne (Ex) Dividende, um Steuern zu sparen.

Aufmerksam gemacht auf das Problem wurden die deutschen Ermittler von der US-Börsenaufsicht SEC. Die Behörde ist wegen des Handels mit ADR bereits gegen mehrere Geldinstitute vorgegangen. Bislang haben Banken mehr als 173 Millionen Dollar an Rückzahlungen und Bußgeldern für Scheingeschäfte geleistet.

Deutsche Bank vergleicht sich in den USA

Auch die Deutsche Bank ist davon betroffen. Im Juli stimmte das größte deutsche Geldhaus einem Vergleich mit der SEC zu und überwies 75 Millionen Dollar wegen unsauberer Handhabung von ADR-Papieren in den Jahren 2011 bis 2016.

Ein Sprecher der Bank sagte, das Institut habe bereits 2014 aufgehört, Vorab-ADR um den Dividendenstichtag auszugeben. 2016 habe sich die Deutsche Bank dann ganz aus diesen Geschäften zurückgezogen. Zu dem aktuellen Bericht von "SZ" und WDR wollte die Bank keine Stellung nehmen. Das Bundesfinanzministerium sprach von einem "ernsten Vorgang", man arbeite "mit Hochdruck" an der Aufklärung.

Die bisher entstandenen Steuerschäden lägen in mindestens dreistelliger Millionenhöhe heißt es in dem Bericht. Ein Sprecher der Behörde bestätigte: "ADR-Aktien sind auffällig geworden." Man sehe sich das an. Weitere Details nannte er nicht.

brt/Reuters/dpa

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