Milliarden-Risiken BaFin-Chefin fordert mehr Kontrolle der Schattenbanken

Auf der Suche nach lukrativen Geschäften kaufen Hedgefonds den Banken riskante Altlasten ab. Der Boom ruft Aufseher auf den Plan.

BaFin-Chefin König: "Wir brauchen ein globales Regelwerk"
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BaFin-Chefin König: "Wir brauchen ein globales Regelwerk"


Frankfurt am Main - Was die etablierten Banken freut, ruft bei Finanzkontrolleuren Sorgen hervor. Sogenannte Schattenbanken, zu denen beispielsweise Hedgefonds gehören, kaufen Kreditinstituten faule Kredite und andere Altlasten ab. Angesichts der milliardenschweren Risiken will die deutsche Finanzaufsicht BaFin die umstrittenen Schattenbanken genauer durchleuchten. "Wir brauchen ein globales Regelwerk", sagte BaFin-Chefin Elke König dem "Handelsblatt". Mehr Transparenz sei nötig, um etwa die Geschäfte von Hedgefonds, Private-Equity-Firmen oder Spezialfonds besser beurteilen und entsprechende Risiken abschätzen zu können.

"Wenn man die Anforderung an regulierte Banken erhöht, muss man auch einen besseren Einblick in den schwächer oder gar nicht regulierten Sektor bekommen", sagte König. "Sonst ist nichts gewonnen, weil das Risiko ja nicht einfach verschwindet, sondern nur woanders ist, und zwar dort, wo wir als Aufsicht nichts ausrichten können."

Der Finanzstabilitätsrat (FSB), ein Zusammenschluss von Notenbanken und Aufsichtsbehörden, schätzt, dass der Markt der Schattenbanken zwischen 2002 und 2012 von 45 Billionen Dollar auf 71 Billionen Dollar angewachsen ist.

Unter Schattenbanken fasst der Finanzstabilitätsrat alle Akteure zusammen, die auf den Finanzmärkten wie Banken auftreten, aber nicht wie Banken reguliert und beaufsichtigt werden. Dazu zählen etwa Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften, aber auch Geldmarktfonds und sogenannte Zweckgesellschaften, in die Banken ihre riskanten Geschäfte auslagern. Selbst normale Investmentfonds rechnen die internationalen Finanzaufseher den Schattenbanken zu.

Dass deren Markt so wächst, hängt auch mit den Problemen der etablierten Banken zusammen. Diese müssen strengere Eigenkapitalregeln erfüllen und darum Altlasten abbauen. Zugleich wagen Schattenbanken sich auch wieder an risikoreichere Geschäfte, da die aktuellen Niedrigzinsen kaum lukrative Anklagemöglichkeiten bieten.

Trotz der Risiken kann BaFin-Chefin König dem Boom der Schattenbanken auch Positives abgewinnen. "Ich bin natürlich sehr zufrieden, dass wir uns in einer Phase befinden, in der die Banken die Geschäfte, von denen sie sich verabschiedet haben, zu hoffentlich vernünftigen Preisen verkaufen können", sagte sie dem "Handelsblatt".

mmq/dpa-AFX



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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
ambulans 02.06.2014
1. wenn
sog. schatten-"banken" die müllabfuhr für den finanzsektor spielen wollen - wo ist da das problem? man muss sie nur zwingen, auf alle risiken von vorn herein hinzuweisen, und - wenn es schief gehen sollte, gibts eben keinerlei hilfe ...
ornitologe 02.06.2014
2. Liebe Frau König,
was Sie da fordern ist ja sehr fein, ändern wird sich allerdings nichts. Das sollten Sie doch wohl schon bemerkt haben. Insofern ist Ihre Forderung mehr rhetorisch zu sehen. Banken & Versicherungen machen schon seit Jahrzehnten was sie wollen und existieren in einem Quasi-Paralleluniversum. Daran können weder Sie noch andere Politiker bzw. Instanzen etwas ändern. Allein die Absicht führt nicht zum Ergebnis.
dasdondel 02.06.2014
3. moderne geldwäsche
---Zitat--- "Ich bin natürlich sehr zufrieden, dass wir uns in einer Phase befinden, in der die Banken die Geschäfte, von denen sie sich verabschiedet haben, zu hoffentlich vernünftigen Preisen verkaufen können" ---Zitatende--- und die "Schattenbank" hat sich das Geld bei der Bank geliehen die ihr das "Finanzprodukt" verkauft. Es wird lediglich ein Ausfallrisiko gegen ein anderes getauscht.
eule_neu 02.06.2014
4. BaFin & Schattenbanken
Wenn man den Artikel gelesen hat, kommt man ins grübeln. irgendwie alles halbherzig. Das Problem mit den Risiken aus dem Kreditgeschäft (Altlasten) ist doch nicht neu und die Taschenspieler der Wirtschaft - genannt Schattenbanken - greifen doch gerne zu und die Bankbilanzen sind gesäubert. Die Schattenbanken gehören schon seit Jahren in eine jährliche Pflichtprüfung einbezogen, damit die Risiken nicht auf die Anleger so einfach abgewälzt werden dürfen und sich die Manager der Hedefonds die Hände reiben über diesen Spielgewinn. Wenn Frau König heute erst überlegt, diese Risikojünger einer ständigen Prüfung zu unterziehen, so kann man sich nur wundern. Aber es ist besser, etwas zu tun, als weiter zuzuwarten. Mal sehen wenn die entsprechenden Gesetzte und Richtlinien in die Realität umgesetzt werden ...
OlafHH 02.06.2014
5.
Zitat von ambulanssog. schatten-"banken" die müllabfuhr für den finanzsektor spielen wollen - wo ist da das problem? man muss sie nur zwingen, auf alle risiken von vorn herein hinzuweisen, und - wenn es schief gehen sollte, gibts eben keinerlei hilfe ...
Das Problem dürfte sein, dass auch diese Schattenbanken die 71 Billionen eben nicht in der Portokasse hatten, sondern dass es sich dabei um Forderungen von anderen (und das sind dann im Zweifelsfalle echte Banken) handelt. Brechen die Schattenbanken zusammen, dann bricht das System zusammen. Und zwar mit ordentlich Wumms, weil diese Schattenbanksysteme im Zweifelsfall weltweiter vernetzt sind als z.B. eine ehem. deutsche Commerzbank mit faulen Krediten in den Akten...
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