Berlin - Die deutsche Schifffahrt leidet schon länger, jetzt hilft ihr der Staat: 57,8 Millionen Euro sollen Reeder im nächsten Jahr bekommen, meldet die "Wirtschaftswoche". Dies sei zur Stärkung des maritimen Bündnisses beschlossen worden, sagte der Seefahrtsbeauftragte der Bundesregierung, Hans-Joachim Otto (FDP), der Zeitung. Reeder, Gewerkschaften und die Bundesregierung hätten sich darauf geeinigt. "Damit stärken wir die Ausbildung des maritimen Nachwuchses und sichern seemännisches Know-how am Standort Deutschland."
Zu Boomzeiten hatten viele deutsche Reeder Schiffe mit einem Bestellvolumen von 60 Milliarden Dollar geordert. In der Krise lagen dann weltweit Hunderte Schiffe im Hafen, ohne Auftrag. Inzwischen sind viele kleine und mittlere Reedereien in Deutschland in ihrer Existenz bedroht, Überkapazitäten und niedrige Frachtraten bereiten ihnen Probleme. In der Containerschifffahrt, wo die deutschen Reeder weltweit eine führende Position einnehmen, verdient nur noch jedes dritte Schiff überhaupt Geld.
Banken hatten sich aus der Schiffsfinanzierung zurückgezogen, deswegen hatten die Reeder bereits Anfang Juli Hilfen verlangt - vergeblich. Sie hatten Abwrackprämien gefordert, außerdem sollte die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Überbrückungskredite gewähren und Schiffe finanzieren. Dem erteilte Otto jetzt allerdings eine Absage: Es dürfe keine branchenspezifischen Sonderprogramme geben, sagte er. Diese Forderung hatte kürzlich auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) zurückgewiesen.
Otto stellte den Reedereien aber steuerliche Erleichterungen bei Versicherungen und Verschrottung von Schiffen in Aussicht. Entsprechende Gespräche seien bereits "erfolgreich geführt worden", sagte er der "Wirtschaftswoche". Die maritime Wirtschaft beschäftigt dem Bericht zufolge 380.000 Mitarbeiter und setzt jährlich rund 50 Milliarden Euro um.
Die schwierige Lage der Branche war im Sommer in den Fokus gerückt: Damals verkündete die Reederei Peter Deilmann, dass sie die als ZDF-"Traumschiff" bekannt gewordene "MS Deutschland" ausflaggen und aus Kostengründen unter der Flagge Maltas fahren lassen wollte. Es folgten heftige Proteste, auch die Bundesregierung mischte sich ein. Die Schiffseigner reagierten, zogen die Pläne zurück, forderten aber: Angesichts drastisch gekürzter Fördermittel müsse die Politik die Schifffahrt stärker unterstützen.
fln/afp/dpa/Reuters
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