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Schlechte Geschäftsaussichten: EnBW kürzt Investitionen in Ökostrom

Gute Zahlen, schlechte Nachrichten. EnBW hat 2010 einen Milliardengewinn erwirtschaftet, muss aber zugleich den Verlust eines Großkunden verkraften: Der Autobauer Daimler geht zur Konkurrenz. Jetzt will der Energieriese sparen - unter anderem bei Investitionen in erneuerbare Energien.

EmBW-Chef Villis: "Ich muss mich nach der Decke strecken" Zur Großansicht
dpa

EmBW-Chef Villis: "Ich muss mich nach der Decke strecken"

Karlsruhe - Deutschlands drittgrößter Stromkonzern EnBW hat im vergangenen Jahr den Gewinn kräftig gesteigert. Der Gewinn stieg um 52,4 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro. Beim Umsatz legte das Unternehmen um 12,5 Prozent auf 17,5 Milliarden Euro zu, weil die Konjunktur wieder anzog und die Industrie mehr Strom benötigte.

Trotzdem ist dem Unternehmen nicht nach Jubeln zumute. Die Strompreise sinken, und durch die Brennelementesteuer und steigende Sicherheitsanforderungen für Atomkraftwerke steigen die Ausgaben des Konzerns. "Ich muss mich nach der Decke strecken", sagte EnBW-Chef Hans-Peter Villis bei der Präsentation der Bilanz. Für 2011 rechne er mit einem um bis zu 15 Prozent geringerem operativen Ergebnis.

Obendrein verliert EnBW einen seiner größten Kunden. Der Autobauer Daimler hat sich für die kommenden zwei Jahre für einen anderen Lieferanten entschieden. Nach Meinung von Fachleuten könnten dem Stromkonzern, bei dem das Land Baden-Württemberg derzeit einsteigt, durch den Absprung von Daimler Vertriebserlöse in Millionenhöhe entgehen. "Dass uns Daimler verlassen hat, tut uns sehr, sehr leid", sagte Villis.

Villis kündigte daher Sparmaßnahmen an. EnBW werde Minderheitsbeteiligungen im Wert von 1,8 Milliarden Euro verkaufen, die Investitionen um ein Drittel kürzen und ein Sparprogramm über 300 Millionen Euro auflegen. Insgesamt werde das Unternehmen die Investitionen auf 5,1 Milliarden Euro zurückfahren. Geplant waren bis 2013 eigentlich 7,9 Milliarden Euro.

Wasser- und Windkraftprojekte auf dem Prüfstand

Vor allem bei Investitionen in Wasserkraft will EnBW sparen. Beim Bau weiterer Windkraftanlagen sucht EnBW nach Finanzierungspartnern, etwa Stadtwerken oder Pensionsfonds, wie Villis sagte. Einen Personalabbau werde es trotz des Sparkurses nicht geben, die Aufstockung der Belegschaft werde jedoch langsamer vonstattengehen als geplant.

Intensivieren will die EnBW hingegen ihr Engagement in Tschechien. Außerdem sollen die Netze instand gehalten werden. Mit dem niedersächsischen Partner EWE wollen die Karlsruher vor allem bei Windparks, im Gasgeschäft und in der Türkei zusammenarbeiten.

Im Gasgeschäft setzt Villis auf den Bau von Gasspeichern zusammen mit der EWE. Bis zum Jahresende will er zudem über neue Gaslieferverträge entscheiden. Die Option auf den Leipziger Gasimporteur VNG "steht auf dem Prüfstand", sagte Villis.

EnBW ist nach E.on und RWE der drittgrößte deutsche Energieversorger. Anfang Dezember hatte das Land Baden-Württemberg rund ein Jahrzehnt nach der Privatisierung des Versorgers einen 45-prozentigen EnBW-Anteil vom französischen Energiekonzern EdF für knapp fünf Milliarden Euro übernommen.

ssu/mmq/dpa/dapd/Reuters

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1. Es wird auch Zeit,
nitram1 08.02.2011
dass sich wieder der Realismus in der Energieversorgung durchsetzt! Die Ökoschananen und Weltuntergangspropheten sind nun hinreichend blos gestellt! Es gibt keine Co2-getriebene Erderwärmung! Global Warming ist der größte pseudowissenschaftliche Betrug der modernen Geschichte!
2. Unendliche Rohstoffe?
seyke666 08.02.2011
Selbst wenn an der menschengetriebenen globalen Erwärmung nichts dran sein sollte, schon mal daran gedacht, dass fossile Energieträger nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen?
3. Neuer Großaktionär in Nöten?
Rainer Daeschler, 08.02.2011
Nach meinen Berechnungen erhält der neue Großaktionär gerade mal so viel Dividende ausbezahlt (172 Mio. €), wie er dem Vorbesitzer im Dezember bezahlt hat (169 Mio. €). Die beiden aufgelegten Anleihen der Landes eigenen Neckarpri GmbH zur Finanzierung des Aktienkaufs genießen seit dem 17.1.11 das völlige Desinteresse der Anleger. Die EnBW ist zwar ein Renditebringer, die Zukunftsaussichten sind allerdings nicht so erfolgversprechenden, dass der Kurs jemals eine Chance hätte in nächster Zukunft den jetzt erhöhten Aufschlagskurs auch nur annähernd einmal zu erreichen, was ja Vorbedingung des geplanten Weiterverkauf der Aktien wäre. Ich fürchte, das Resümee des gewagten Einstiegs und seine Folgen, wird dem Steuerzahler des Landes erst nach der Wahl in Baden-Württemberg am 27.3. offenbart werden.
4. Ab ins Ausland mit Stromerzeugung
Ursprung 08.02.2011
1. Fall EnBW und Mappus: Kollusive Verzahnung von Energiewirtschaft und Politikern. 2. Oekostrom: der Begriff ist ohnehin Vernebelung. Wir haben mindestens 80 % Dreckstrom in den Leitungen, von Kohle und Atom. 3. Es gibt Superalternativen der Stromgewinnung. Das Kollusiv-Kartell Politiker mit den 4 Stromoligarchen verhindert die aber mit all ihrer Macht. 4. Trittin mit seinem Solarstich war fuer das Kollusiv ein nuetzlicher Idiot: nun kennt jedermann die Nichtmachbarkeit dieses Irrweges. Dasselbe gilt fuer die Offshore-Windparks. Die koennen nicht funktionieren ohne kropfartikes Supernetz. Welches es nicht gibt und hoffentlich nie geben wird, total ueberfluessig ist fuer eine effektive Stromversorgung. 5. Geld fuer die Weiterentwicklung vorhandener Superideen dezentraler Stromerzeugungen gibts deshalb nicht in D, weil jeder, der dies Abenteuer angeht, den backlash des Politiker- und Stromgigantenkollosivs fuerchten muss. 6. Deshalb werden die Stromerzeugungszukunftstechnologien erstmal im dem Ausland entstehen, welches nicht mit Deutschland verbandelt ist. Von dort koennen die Deutschen das spaeter dann einkaufen- wenn sie dann noch Geld haben.
5. Nur ne Portfolio-Umschichtung
Michael KaiRo 08.02.2011
Zitat von Rainer DaeschlerNach meinen Berechnungen erhält der neue Großaktionär gerade mal so viel Dividende ausbezahlt (172 Mio. €), wie er dem Vorbesitzer im Dezember bezahlt hat (169 Mio. €). Die beiden aufgelegten Anleihen der Landes eigenen Neckarpri GmbH zur Finanzierung des Aktienkaufs genießen seit dem 17.1.11 das völlige Desinteresse der Anleger. Die EnBW ist zwar ein Renditebringer, die Zukunftsaussichten sind allerdings nicht so erfolgversprechenden, dass der Kurs jemals eine Chance hätte in nächster Zukunft den jetzt erhöhten Aufschlagskurs auch nur annähernd einmal zu erreichen, was ja Vorbedingung des geplanten Weiterverkauf der Aktien wäre. Ich fürchte, das Resümee des gewagten Einstiegs und seine Folgen, wird dem Steuerzahler des Landes erst nach der Wahl in Baden-Württemberg am 27.3. offenbart werden.
Och, wurden/werden mal wieder ein paar Milliönchen an Steuergelder - diesmal von Mappusses BW versenkt? Das ist doch in diesem Ländle seit Jahren üblich - oder sollen nur zu erwartende (Privat-)Gewinne aus Stuttgart21 woanders generiert werden? Wie nennt man das nochmals im Unternehmensspeech: *Portfolio-Umschichtung*, oder?
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Energie-Oligopol in Deutschland
Konzerne Anteil Kraft- werks- kapa- zität Anteil erzeugte Strom- menge Anteil Groß- kunden- markt
RWE, E.on, Vattenfall, EnBW 82% 89% 60%
Quellen: IZES, BEE; Werte aus dem Jahr 2009

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