SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

04. Juni 2012, 08:20 Uhr

Pleitekette

Schlecker-Betriebsrat will Auskunft über Familienvermögen

Besitzt die Schlecker-Familie tatsächlich noch 40 Millionen Euro? Der Betriebsrat der Pleitedrogerie will genau wissen, wie viel Geld die Gründer noch haben - und ob sie zuletzt die Hilfe für die Kette verweigerten. Das Verhalten der Schleckers sei "sozial und moralisch zutiefst verantwortungslos".

Berlin - Durch die Schlecker-Pleite verlieren 14.000 Beschäftigte ihre Jobs. Die Gründerfamilie der Drogerie fällt jedoch weich, einem Bericht zufolge besitzt sie ein Vermögen von 40 Millionen Euro. Die Arbeitnehmervertreter der insolventen Kette erheben nun schwere Vorwürfe gegen die Schleckers - und wollen wissen, wie viel Geld die Eigentümerfamilie noch besitzt. "Alle Fakten müssen jetzt auf den Tisch", sagte die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Christel Hoffmann der "Bild"-Zeitung.

Sie kritisierte scharf, dass die Eigentümerfamilie trotz ihres Finanzpolsters eine Zahlung von neun Millionen Euro an die Firma Schlecker abgelehnt hat, wie der SPIEGEL berichtet hatte. "Wenn die neuen Vorwürfe stimmen, dann ist das eine Dreistigkeit, die durch nichts zu überbieten ist", sagte Hoffmann. "Das Verhalten der Familie Schlecker gegenüber den Zehntausenden Mitarbeitern ist sozial und moralisch zutiefst verantwortungslos."

Nach monatelanger ergebnisloser Investorensuche war am Freitag das Aus für Schlecker besiegelt worden. Lediglich für die moderneren Schlecker-XL-Läden und die Tochter Ihr Platz steht mit dem Investor Dubag ein Käufer bereit.

Münchner Investor will Jobs schaffen

Der Münchner Investor kündigte an, nach dem Kauf keine Stellen zu streichen. "Im Gegenteil, wir wollen den Mitarbeiterstamm aufbauen", sagte Dubag-Vorstand Michael Schumann der Münchner Zeitung "tz". Sowohl die Ihr-Platz-Firmenzentrale in Osnabrück als auch die Filialen sollten personell gestärkt werden. Schumann rechne damit, dass die Schlecker-Gläubiger wie auch das zuständige Insolvenzgericht Ulm der Übernahme kurzfristig zustimmen werden.

Der Ihr-Platz-Insolvenzverwalter Werner Schneider hatte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag gesagt, dass er eine Zustimmung für sehr wahrscheinlich halte. Dubag wolle dann die etwa 340 Schlecker-XL-Geschäfte mit ihren rund 1110 Beschäftigten dem Ihr-Platz-Filialnetz mit 490 Läden und rund 3990 Mitarbeitern hinzufügen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde Guntram Schneider, Arbeitsminister aus Nordrhein-Westfalen, aus einem Vorabbericht der "Rheinischen Post" fälschlicherweise zitiert. Die Zeitung hat ihren Vorabbericht zurückgezogen und dies mit einer Verwechslung begründet. Verwechselt wurden NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider und der NRW-Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Bernd Jürgen Schneider.

yes/dapd/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH