Pleitekette Schlecker-Betriebsrat will Auskunft über Familienvermögen

Besitzt die Schlecker-Familie tatsächlich noch 40 Millionen Euro? Der Betriebsrat der Pleitedrogerie will genau wissen, wie viel Geld die Gründer noch haben - und ob sie zuletzt die Hilfe für die Kette verweigerten. Das Verhalten der Schleckers sei "sozial und moralisch zutiefst verantwortungslos".

Schlecker-Filiale in Berlin: NRW lehnt Hilfen ab
dapd

Schlecker-Filiale in Berlin: NRW lehnt Hilfen ab


Berlin - Durch die Schlecker-Pleite verlieren 14.000 Beschäftigte ihre Jobs. Die Gründerfamilie der Drogerie fällt jedoch weich, einem Bericht zufolge besitzt sie ein Vermögen von 40 Millionen Euro. Die Arbeitnehmervertreter der insolventen Kette erheben nun schwere Vorwürfe gegen die Schleckers - und wollen wissen, wie viel Geld die Eigentümerfamilie noch besitzt. "Alle Fakten müssen jetzt auf den Tisch", sagte die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Christel Hoffmann der "Bild"-Zeitung.

Sie kritisierte scharf, dass die Eigentümerfamilie trotz ihres Finanzpolsters eine Zahlung von neun Millionen Euro an die Firma Schlecker abgelehnt hat, wie der SPIEGEL berichtet hatte. "Wenn die neuen Vorwürfe stimmen, dann ist das eine Dreistigkeit, die durch nichts zu überbieten ist", sagte Hoffmann. "Das Verhalten der Familie Schlecker gegenüber den Zehntausenden Mitarbeitern ist sozial und moralisch zutiefst verantwortungslos."

Nach monatelanger ergebnisloser Investorensuche war am Freitag das Aus für Schlecker besiegelt worden. Lediglich für die moderneren Schlecker-XL-Läden und die Tochter Ihr Platz steht mit dem Investor Dubag ein Käufer bereit.

Münchner Investor will Jobs schaffen

Der Münchner Investor kündigte an, nach dem Kauf keine Stellen zu streichen. "Im Gegenteil, wir wollen den Mitarbeiterstamm aufbauen", sagte Dubag-Vorstand Michael Schumann der Münchner Zeitung "tz". Sowohl die Ihr-Platz-Firmenzentrale in Osnabrück als auch die Filialen sollten personell gestärkt werden. Schumann rechne damit, dass die Schlecker-Gläubiger wie auch das zuständige Insolvenzgericht Ulm der Übernahme kurzfristig zustimmen werden.

Der Ihr-Platz-Insolvenzverwalter Werner Schneider hatte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag gesagt, dass er eine Zustimmung für sehr wahrscheinlich halte. Dubag wolle dann die etwa 340 Schlecker-XL-Geschäfte mit ihren rund 1110 Beschäftigten dem Ihr-Platz-Filialnetz mit 490 Läden und rund 3990 Mitarbeitern hinzufügen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde Guntram Schneider, Arbeitsminister aus Nordrhein-Westfalen, aus einem Vorabbericht der "Rheinischen Post" fälschlicherweise zitiert. Die Zeitung hat ihren Vorabbericht zurückgezogen und dies mit einer Verwechslung begründet. Verwechselt wurden NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider und der NRW-Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Bernd Jürgen Schneider.

yes/dapd/Reuters

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Seite 1
inx_1 04.06.2012
1.
Zitat von sysopdapdBesitzt die Schlecker-Familie tatsächlich noch 40 Millionen Euro? Der Betriebsrat der Pleitedrogerie verlangt Einblick in die Vermögensverhältnisse der Gründer. Das Verhalten der Schleckers sei "sozial und moralisch zutiefst verantwortungslos". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,836753,00.html
Verstehe die aktuelle Aufregung nicht, das war es bei __den Schleckers__ doch schon immer ? Gut das dieses Konstrukt endlich den Bach runtergeht - Menschenfreundlichkeit und nachhaltiges Unternehmertum sieht anders aus. Und die Nachkommen, naja den Kommentar dazu spare ich mir jetzt.
PK2011 04.06.2012
2. .
Zitat von sysopdapdBesitzt die Schlecker-Familie tatsächlich noch 40 Millionen Euro? Der Betriebsrat der Pleitedrogerie verlangt Einblick in die Vermögensverhältnisse der Gründer. Das Verhalten der Schleckers sei "sozial und moralisch zutiefst verantwortungslos". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,836753,00.html
Die Schleckers müssten mit dem Klammerbeutel gepudert sein auch nur einen EUR herauszurücken. Hoffentlich war die Familie so schlau, entsprechende Transaktionen wasserdicht mit guten Beratern vorzunehmen.
mensch0817 04.06.2012
3. Kapitalismus
Ja, es ist hart für die Tausenden Beschäftigten von Schlecker. Aber wenn man ehrlich ist, müßte man sagen: Ok, so ist Kapitalismus. Wir leben in einer Wirtschaftsordnung, in der sich alles um's Geld dreht. Solange das so funktioniert, daß jedermann für den berühmten Apfel und das Ei jede Menge qualitativ oft minderwertiger Waren kaufen kann, sind alle begeistert. Aber manchmal schlägt das Pendel eben auch nach der anderen Seite aus. Kategorien wie "sozial und moralisch" kommen da nicht vor, nur Bilanzzahlen sind interessant. Wer das nicht möchte, sollte mal über Alternativen nachdenken. Und obwohl ich sonst kein FDP-Freund bin - hier haben die Liberalen recht. Die Schlecker-Frauen sind über die ganze Republik verteilt. Deswegen gibt es keine Notwendigkeit, staatlicherseits einzugreifen. Diese Notwendigkeit existiert nur dort, wo Großbetriebe schließen und konzentriert in einer Region sehr viele Menschen betroffen sind.
mischpot 04.06.2012
4. Betriebsrat mitverantwortlich
Es dürfte dem Betriebsrat über Jahre wohl kaum entgangen sein können in welch fundamentaler Krise Schlecker steckt. Zu hohe Kosten zu wenig Gewinn, Jetzt so zu tun als wüßte man davon nichts und nur die Eigentümerfamilie sei verantwortlich, ist nichts anderes als von sich selbst abzulenken. Wenn der Betriebsrat Unternehmensentscheidungen verantwortlich mitgetragen und nicht blockiert hätte, wäre Schlecker nicht insolvent geworden. Es ist doch immer so wenn Management und Betriebsrat nicht zusammen sondern gegeneinander agieren dann bleiben beide auf der Strecke.
Corinna 04.06.2012
5.
Zitat von sysopdapdBesitzt die Schlecker-Familie tatsächlich noch 40 Millionen Euro? Der Betriebsrat der Pleitedrogerie verlangt Einblick in die Vermögensverhältnisse der Gründer. Das Verhalten der Schleckers sei "sozial und moralisch zutiefst verantwortungslos". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,836753,00.html
Selbst mit den 40 Millionen wäre die Firma pleite. Interessanter ist doch wohl wie viel die Schleckers auf die Seite geschafft haben von dem noch nichts bekannt ist. 40 Mio erscheinen mir angesichts der Tatsache dass die Pleite lange vorab sichtbar war doch arg wenig.
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