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26. April 2012, 12:13 Uhr

Insolvente Drogeriekette

Schlecker bietet Mitarbeitern 500 Euro Abfindung

Fragwürdiges Angebot oder besser als nichts? Die insolvente Drogeriekette Schlecker hat zwei gekündigten Mitarbeitern 500 Euro Abfindung angeboten. "Im Ergebnis ist das nichts", sagt der Anwalt einer Klägerin. Die Betroffenen haben nun zwei Wochen Zeit, sich zu entscheiden. 

Ehingen/Ulm - Abfindungen werden häufig auch als "goldener Handschlag" bezeichnet. Wenn Unternehmen Manager oder Führungskräfte loswerden wollen, werden nicht selten Millionenbeträge gezahlt. Für die Mitarbeiter von Schlecker gelten offenbar andere Dimensionen. Der Insolvenzverwalter der Drogeriekette, Arndt Geiwitz, hat zwei ehemaligen Angestellten nun eine Abfindung von 500 Euro. Einen entsprechenden Bericht der "Südwest Presse" bestätigte das Arbeitsgericht in Ulm.

Geiwitz' Rechtsanwältin habe den Betrag den beiden Ex-Mitarbeitern in Güteverhandlungen angeboten, sagte der zuständige Richter Nikolaus Zimmermann. Die Summe solle als "Leitfaden für alle Schlecker-Fälle" gelten. Ein Sprecher von Schlecker dementierte dies. Er bezeichnete das Angebot als Einzelfallentscheidung und sagte, es gebe noch keinen Leitfaden.

"Wenn sich beide Parteien darauf einigen, wäre der schwierig zu führende Prozess abgewendet", sagte der Richter Zimmermann. 500 Euro seien "natürlich nicht viel". Nun müssten die Kläger entscheiden, ob sie das Angebot annehmen. In der Regel haben sie dafür zwei Wochen Zeit.

Bundesweit klagen bislang mehr als 1500 Schlecker-Beschäftigte gegen ihren früheren Arbeitgeber. Ende März war im Zuge der Insolvenz der Drogeriekette 10.000 Mitarbeitern gekündigt worden. Geiwitz fürchtet, dass eine hohe Zahl von Klagen eine abschreckende Wirkung auf potentielle Investoren haben könnte.

Geben die Mitarbeiter sich mit 500 Euro zufrieden?

Offen ist, wie es mit Schlecker weitergeht. Die Chancen, dass die Drogeriemarktkette schnell und umfassend saniert wird, sind offenbar gesunken. Laut "Financial Times Deutschland" hat Geiwitz sich inzwischen von der Sanierung des Unternehmens nach dem sogenannten Planinsolvenzverfahren distanziert.

Fraglich ist, ob sich alle ehemaligen Schlecker-Mitarbeiter mit 500 Euro Abfindung zufrieden geben. "Im Ergebnis ist das nichts", sagte der Anwalt einer Klägerin, der "Südwest Presse". Immerhin: Der Zeitung zufolge verspricht der Insolvenzverwalter neben dem Geld auch noch einen Abschiedsgruß - "ein wohlwollendes, qualifiziertes Zeugnis".

cte/dpa

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