Pleite-Profiteur: dm meldet nach Schlecker-Pleite Umsatzwachstum

Die Drogeriemarktkette dm profitiert von der Pleite des Konkurrenten Schlecker. Das Unternehmen konnte den Umsatz in den vergangenen Monaten um fast 13 Prozent steigern. Bisherige Schlecker-Mitarbeiter könnten bei dm unterkommen.

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Karlsruhe - Die Insolvenz von Schlecker hat dem Konkurrenten dm ordentlich Auftrieb gegeben. Das Unternehmen mit Sitz in Karlsruhe ist nach eigenen Angaben zum Marktführer in Deutschland aufgestiegen und hat damit auch Wettbewerber Rossmann ausgestochen. Etliche frühere Schlecker-Kunden würden inzwischen in dm-Filialen einkaufen, sagte dm-Vorstand Erich Harsch. "dm ist ohne Zweifel das am stärksten wachsende Unternehmen der Branche, sowohl bezogen auf die absoluten Umsatzzahlen als auch im Besonderen noch viel deutlicher bezogen auf die drogistischen Marktanteile."

Im vergangenen Geschäftshalbjahr, das am 31. März endete, stiegen die Umsätze in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12,7 Prozent auf 2,47 Milliarden Euro, teilte dm mit. Zum Ende des Geschäftsjahres peilt das Unternehmen die Fünf-Milliarden-Marke an. Im Ausland stieg der Umsatz um 4,5 Prozent auf 862 Millionen Euro. Zum Gewinn teilte dm keine Zahlen mit.

In den vergangenen zwölf Monaten hat die Firma nach eigenen Angaben 3500 neue Stellen geschaffen, davon 2700 in Deutschland. Bis zum Ende des Geschäftsjahres sollen weitere 1500 dazukommen. In dieser Zeit will dm allein in Deutschland 60 neue Filialen eröffnen und sein Netz auf gut 1300 Standorte erweitern.

Von diesem Wachstum könnten auch bisherige Schlecker-Mitarbeiter profitieren. "Einige unserer dm-Kollegen sind sogar auf die Mitarbeiter von schließenden Schlecker-Märkten zugegangen und haben sie zu einer Bewerbung bei uns ermuntert", sagte Harsch. Zurzeit beschäftigt dm insgesamt rund 40.000 Menschen, davon knapp 26.300 in Deutschland.

Eine großangelegte Übernahme von Schlecker-Filialen plant dm nicht. "Mehr als 98 Prozent dieser Märkte sind für unsere Belange sowieso viel zu klein", sagte Harsch. Gleichzeitig kritisierte er Mitbewerber, die mit "zum Teil aggressiven Werbemaßnahmen versuchen, von der Schwäche des langjähriges Branchenführers zu profitieren".

Ver.di will mehr Einblick bei der Schlecker-Sanierung

Bei Schlecker laufen derweil die Gespräche zwischen Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz und der Gewerkschaft Ver.di zur Zukunft des Unternehmens. Die 13.500 verbliebenen Beschäftigten sollen mit einem Sanierungstarifvertrag ihren Beitrag zum Überleben der Firma leisten. Ver.di verlangt mehr Informationen zur Lage und Zukunft der insolventen Drogeriekette. "Im Sinne der Beschäftigten fordern wir hier von der Insolvenzverwaltung eine deutlich stärkere Einbindung und mehr Transparenz als bisher", erklärte Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Zugleich kritisierte sie Lieferengpässe in Filialen. Nach Informationen der Gewerkschaft liegt die Auslieferungsquote von Waren in Schlecker-Filialen zum Teil unter 70 Prozent. Ver.di beruft sich dabei auf Aussagen von Schlecker-Beschäftigten. "Offensichtlich fehlen Waren, die Belieferung läuft nicht optimal", sagte eine Ver.di-Sprecherin. Doch von vollen Regalen hingen auch die Umsätze ab, die wiederum die Arbeitsplätze sicherten.

Aktuelle Lieferengpässe bestätigte ein Sprecher des Insolvenzverwalters indes nicht. "Die Auslieferungsquote liegt aktuell bei 80 Prozent." Das sei in einem Insolvenzfall "absolut in Ordnung". Der Sprecher räumte aber ein, dass die Quote in den vergangenen Wochen durchgehend gestiegen sei.

mmq/dpa

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