Ehingen - Traurige Gewissheit für 11.200 Schlecker-Beschäftigte: "Wir haben die Listen mit den zu entlassenden Mitarbeitern erhalten", sagte Grit Walz, Betriebsrätin im Bezirk Baden-Baden, am Dienstag. Die ersten Mitarbeiter seien informiert worden. Auch den Betriebsräten in den anderen Bundesländern wurden die Namen geschickt. "Die Stimmung ist am Boden", sagte Walz.
Dem Vernehmen nach werden die Länder besonders stark betroffen sein, in denen auch die meisten Filialen schließen - auch wenn es nicht immer die Mitarbeiter trifft, die in den jeweiligen Läden arbeiten. Konkrete Zahlen pro Land wollten am Dienstag weder ein Sprecher von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz noch die Gewerkschaft Ver.di nennen.
Parallel zu den Kündigungen laufen die Vorbereitungen zur Gründung von Auffanggesellschaften. Eine Lösung ist vor Donnerstag jedoch nicht in Sicht, weil sich die Länder davor noch auf eine Finanzierung eines KfW-Kredits für die Auffanggesellschaften einigen müssen. Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) sagte in Stuttgart, es werde wahrscheinlich "ein bis zwei Dutzend" solcher Gesellschaften bundesweit geben.
Kredit für Auffanggesellschaften wird wahrscheinlicher
Insolvenzverwalter Geiwitz strebt zur Finanzierung ein Staatsdarlehen über rund 71 Millionen Euro an. Immer mehr Bundesländer stellen sich dabei hinter staatliche Bürgschaften für die Transfergesellschaften. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) sagte: "Es kommt darauf an, gemeinsam mit allen anderen Ländern eine Lösung zu finden." Die Absicherung eines Massekredits werde an Schleswig-Holstein nicht scheitern. Sollte dies gelingen, würden die Schlecker-Mitarbeiterinnen einen Großteil ihres Gehalts zunächst weiterbekommen und gleichzeitig für Bewerbungen geschult werden.
Federführend ist dabei Baden-Württemberg: Minister Schmid äußerte sich zuversichtlich, dass die Transfergesellschaft für die Schlecker-Beschäftigten zum 1. April ihre Arbeit aufnehmen kann. "Die Kuh ist noch nicht vom Eis, aber ich habe Hoffnung auf eine Lösung", sagte er. Bei der Absicherung des Kredits entfalle auf Baden-Württemberg etwa ein Anteil von zehn Prozent, also rund sieben Millionen Euro.
Auch das Saarland beteiligt sich an der Finanzierung. Das Kabinett in Saarbrücken beschloss am Dienstag, für den geplanten Kredit der KfW mitzubürgen. Es gehe um eine Bürgschaft in Höhe von 700.000 bis 800.000 Euro. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) betonte: "Schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe. Wenn wir nicht die 11.000 Arbeitsplätze retten, besteht die Gefahr, dass alle 25.000 Arbeitsplätze auf der Kippe stehen."
Das Rechtsanwaltsbüro des Schlecker-Gesamtbetriebsrats teilte mit, die Staatshilfe sei auch daher geboten, da die deutsche Gesetzgebung Anton Schlecker "als Einzelkaufmann bei seiner Geschäftsführung jahrzehntelang privilegiert hat", beispielsweise mit geringeren Veröffentlichungspflichten. Das erschwere die Suche nach einem Investor.
yes/dpa/dapd
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