Streit um "Drehpunkt" Gute Nachricht für die Schlecker-Frauen

Mit viel Elan haben ehemalige Verkäuferinnen des Pleitekonzerns Schlecker sich mit eigenen Drogerien selbstständig gemacht. Doch ein Streit brachte die Läden in Bedrängnis. Nun aber kommt Bewegung in den festgefahrenen Konflikt.

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Gründerinnen Erika Kleiner, Karin Beck und Andrea Straub: Große Erleichterung
Andy Ridder

Gründerinnen Erika Kleiner, Karin Beck und Andrea Straub: Große Erleichterung


Hamburg - Seit Monaten schuften Andrea Straub und ihre Mitstreiterinnen für ihren eigenen Drogeriemarkt in Stetten am kalten Markt. Die Frauen arbeiteten früher für Schlecker. Im Jahr 2012 ging der Konzern pleite. Seit Juni 2013 sind sie in ihrem "Drehpunkt" hundert Kilometer südlich von Stuttgart ihre eigenen Chefs. Nun sind die Gründerinnen im Kampf um den Erhalt ihres Drogeriemarkts einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Denn ihnen ist es gelungen, ihren Laden aus einem verzwickten Streit herauszuziehen.

Was war passiert? Die Ver.di-Gewerkschaftssekretärin Christina Frank und der Unternehmensberater Wolfgang Gröll hatten eine Reihe von ehemaligen Schlecker-Verkäuferinnen bei dem Vorhaben unterstützt, sich mit eigenen Drogerieläden selbstständig zu machen. Ein zentraler Baustein bei der Finanzierung waren die sogenannten Stützlis: Bürger konnten bei einem eigens gegründeten "Verein zur Förderung der Nahversorgung" Wertmünzen zu 50 oder 100 Euro kaufen und damit zinslose Darlehen für die Läden geben. Ab 2015 können die "Stützlis" als Warengutschein eingelöst werden.

Allein für den "Drehpunkt" in Stetten am kalten Markt zahlten Bürger über "Stützlis" 15.000 Euro ein. Doch Ver.di-Frau Frank und Berater Gröll überwarfen sich. Frank zog sich aus dem Projekt zurück. Als Vorsitzende des Fördervereins hat sie beantragt, den gesamten Förderverein aufzulösen. Das brachte auch die "Drehpunkt"-Gründerinnen in Bedrängnis. Sie fürchteten, dass mit der Vereinsauflösung die 15.000 Euro Startkapital in Gefahr sind.

Monatelang gab es deshalb ein Gezerre um eine sogenannte Abtretungserklärung. Christina Frank sollte für den Förderverein eindeutig erklären, dass die 15.000 Euro aus "Stützli"-Vermögen dem Laden in Stetten am kalten Markt zustehen. Diese Erklärung wurde nun unterzeichnet. "Damit ist für uns das Kapitel Förderverein abgehakt", sagt Andrea Straub. "Wir allein sind für unseren Laden verantwortlich und werden weiter kämpfen, damit wir erfolgreich sind."

Streit zwischen Berater und Ver.di-Frau geht weiter

Die "Drehpunkt"-Betreiberinnen in Stetten sind überzeugt, dass der Konflikt zwischen Berater Gröll und Gründungshelferin Frank auf ihren Laden keinen Einfluss mehr haben wird. Doch andere Läden könnte der Streit noch hart treffen. Zum einen schwelt um den Pilotladen in Erdmannhausen nahe Stuttgart ein Streit über die Finanzierung. Zum anderen warnt Berater Gröll vor den Konsequenzen der Auflösung des Fördervereins. Wer dort "Stützlis" einbezahlt hat, wird sein Geld bei den Läden zurückfordern, sagt er. Gröll fürchtet, dass Läden auch für "Stützlis" aufkommen müssen, die ihnen selbst gar nicht zugutekamen.

Andrea Straub und ihr Team sehen dem Umtausch der "Stützlis" in Warengutscheine inzwischen gelassen entgegen. Sie haben eine Liste der Leute, die für ihren Laden in Stetten am kalten Markt einbezahlt haben. Nur diesen Darlehensgebern werden sie Warengutscheine geben, sagt Straub. "Fremde 'Stützlis' zahlen wir nicht aus."

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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
martinstuttgart 02.10.2014
1.
Und passiert wenn alle auf einmal kommen?Das Konzept habe ich nicht so richtig begriffen. Der Laden ist doch dann wieder Bankrott. Warum hat die Kfw da nicht den Kredit abgelöst?15000 Euro in 2 Jahren "Bunkern" ist schon hart.
steueragent 03.10.2014
2. Glaube ich nicht.
Wieso sollten alle auf einmal kommen. Die Unterstützer dieses Konzeptes glauben offensichtlich an das Unternehmen. Warum sollten sie es dann ruinieren wollen durch sofortige Faelligstellung der Stuetzlies?
Partieller Augentinnitus 03.10.2014
3.
Wieviele "Schleckerfrauen" haben durch diese Aktion sich aus der Arbeitslosigkeit retten können? Und wieviele der anderen Frauen sind noch immer arbeitslos? Schlecker wurde im Juli 2012 abgewickelt.
Rlpler 04.10.2014
4. #1, das ist relativ krisensicher.
Zum 1.: Für 100,00 ? Drogerieartikel kaufen ist relativ schwer. Zum 2.:Die Warengutscheine lauten ja über den Verkaufspreis. Die Differenz zwischen dem Verkaufs- und dem Selbstkostenpreis wird wohl nicht so groß sein wie bei einem "dm"oder wie sie alle heißen. Also, es war schon ne gute Idee den Start auf diese Weise zu finanzieren.
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