Insolvente Drogeriekette Hunderte Schlecker-Frauen klagen gegen Kündigung

Sie wollen ihren Rausschmiss nicht hinnehmen: 450 ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen ziehen vor Gericht, um gegen die Kündigung zu kämpfen. Für den Insolvenzverwalter ist das ein Problem - der Rechtsstreit erschwert die Suche nach Investoren.

Mitarbeiterinnen von Schlecker Ende März: Klagewelle gegen Kündigung
DPA

Mitarbeiterinnen von Schlecker Ende März: Klagewelle gegen Kündigung


Ehingen - Auf die Schlecker-Pleite folgt eine Klagewelle vor Gericht: Bis Anfang der Woche sind bei den Arbeitsgerichten rund 450 Kündigungsklagen eingegangen. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Der Konzern hatte Insolvenz anmelden müssen; im Zuge der Sanierung kündigte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz rund 10.000 Beschäftigten.

Die Kündigungen verteilen sich laut dpa wie folgt über Deutschland:

  • Im Südwesten Deutschlands gingen insgesamt etwa 200 Klagen ein.
  • In Berlin sammelte die Gewerkschaft Ver.di bislang 49 Klagen.
  • In Brandenburg waren es 16.
  • In Dresden und Leipzig waren es zusammen 44 Klagen.
  • In Nordrhein-Westfalen klagten bei den Arbeitsgerichten 80 Entlassene.
  • Im Hamburg, Lübeck, Bremen und Hannover waren es 44 Fälle.
  • In Nürnberg, Augsburg und München zusammen 43.

Die Gerichte rechnen noch mit weitaus mehr Klagen gegen die insolvente Drogeriekette, da die Frist zur Einreichung in den meisten Fällen erst am Freitag abläuft. In manchen Orten sammeln Gewerkschaften die Klagen ihrer Mitglieder zunächst, um sie dann gebündelt an die zuständigen Arbeitsgerichte zu übergeben. Hinzu kommen möglicherweise Klägerinnen, die selbst einen Anwalt eingeschaltet haben.

Klagen könnten Investoren abschrecken

Endgültige Zahlen werden erst in den kommenden Wochen erwartet. Erfolg könnten nach Meinung von Experten vor allem jene Klagen haben, bei denen ein Fehler bei der Gewichtung sozialer Kriterien nachgewiesen wird.

Insolvenzverwalter Geiwitz befürchtet für die Schlecker-Rettung, dass Klagen potentielle Investoren abschrecken könnten. Er warnte die Ex-Mitarbeiter davor, sich zu große Hoffnungen zu machen. "Kündigungsschutzklagen dürften eher chancenlos sein, sie schaden jedoch der Investorensuche, damit auch den verbleibenden Arbeitsplätzen", sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters.

Die Gewerkschaft Ver.di hatte angekündigt, die entlassenen Mitarbeiter nicht zu rechtlichen Schritten zu ermuntern. Nach Angaben der Bundesarbeitsagentur haben die entlassenen Beschäftigten gute Chancen, schnell wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Interesse an den Mitarbeitern zeigte zuletzt unter anderem Schlecker-Konkurrent dm.

ssu/dpa

insgesamt 32 Beiträge
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Roßtäuscher 19.04.2012
1. Insolvenzverwalter verdienen sich dusselig und dämlich
Zitat von sysopDPASie wollen ihren Rausschmiss nicht hinnehmen: 450 ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen ziehen vor Gericht, um gegen die Kündigung zu kämpfen. Für den Insolvenzverwalter ist das ein Problem: Der Rechtsstreit erschwert die Suche nach Investoren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,828500,00.html
Das Insolvenzrecht gehört seit Jahrzehnten gründlich überarbeitet, entstaubt. Wie überhaupt das gesamte StGB/StPO entmottet gehört von den Uraltgesetzen aus dem 19./20. Jahrhundert, hier vor allem aus der Nazizeit. Die Deutsche Justiz lebt von brüchigen Novellen von der Novelle. Ein Skandal!! Ist die Politik insgesamt zu dumm, oder zu faul, sich daran zu wagen. Es können noch viele Ingo Müller Bücher schreiben, wie: „Furchtbare Juristen“ – Untertitel: Die unbewältigte Vergangenheit unserer Justiz – ist der Titel eines 1987 erschienenen Buches des Juristen Ingo Müller über ... Dass ehemalige "Schlecker-Frauen" gegen ihre Kündigung klagen, ist mehr als wünschenswert, rechtmäßig. Soll der Insolvenzverwalter schauen wie er damit klarkommt!! Und wenn deswegen die gesamten Interessenten an Investoren stiften gehen. Eine Entschädigung käme vor der fetten Kasse für den Verwalter.
Jom_2011 19.04.2012
2. .
Da ist sie nun, die sinnlose Klagewelle, vor der sich die Initiatoren (Insolvenzverwalter) der "Auffanggesellschaft" nebst Steigbügelhalter schützen wollten. Unsinnig zudem, da die eigenen Kosten der ersten Runde am Kläger hängen bleiben und trotz des kuriosen Arbeitsrechts der Insolvenzverwalter alles Recht der Welt hat, betriebsbedingt zu kündigen. Man merke an: ein Unternehmen ist Pleite weil es kein Geld mehr hat und trotzdem läßt es unsere Gesetzeslage zu, daß u.U. zu Lasten der "Übriggebliebenen" herumgeklagt werden kann. Den IV wirds trotz des Zeitaufwandes freuen, erhält er doch unabhängig vom Erfolg zusätzlich die entsprechenden Rechtsstreit-Gebühren. Egal wie das Hornberger Schießen ausgeht, die Kläger haben schon verloren.
Thraex 19.04.2012
3.
Zitat von sysopDPASie wollen ihren Rausschmiss nicht hinnehmen: 450 ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen ziehen vor Gericht, um gegen die Kündigung zu kämpfen. Für den Insolvenzverwalter ist das ein Problem: Der Rechtsstreit erschwert die Suche nach Investoren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,828500,00.html
Verstehe das wer will, aber gegen was genau Klagen die Damen? Was wollen die? Das ein Unternehmen welches PLEITE ist sie weiter beschäftigt? Gut, Logik soll nicht von allen Frauen die stärkste Eigenschaft sein, Egoismus soll aber immer hoch im Kurs stehen, natürlich nur von einigen gaaaanz wenigen Frauen .... Noch mal gefragt, hat Schlecker eigentlich ausschließlich Frauen beschäftigt? Wenn dem so ist, warum haben sie sich nicht schon viel früher mal zusammen getan und gegen sämtliche Bedingungen geklagt?
Tim81 19.04.2012
4. Bösewicht Insolvenzverwalter
Zitat von RoßtäuscherDas Insolvenzrecht gehört seit Jahrzehnten gründlich überarbeitet, entstaubt. Wie überhaupt das gesamte StGB/StPO entmottet gehört von den Uraltgesetzen aus dem 19./20. Jahrhundert, hier vor allem aus der Nazizeit. Die Deutsche Justiz lebt von brüchigen Novellen von der Novelle. Ein Skandal!! Ist die Politik insgesamt zu dumm, oder zu faul, sich daran zu wagen. Es können noch viele Ingo Müller Bücher schreiben, wie: „Furchtbare Juristen“ – Untertitel: Die unbewältigte Vergangenheit unserer Justiz – ist der Titel eines 1987 erschienenen Buches des Juristen Ingo Müller über ... Dass ehemalige "Schlecker-Frauen" gegen ihre Kündigung klagen, ist mehr als wünschenswert, rechtmäßig. Soll der Insolvenzverwalter schauen wie er damit klarkommt!! Und wenn deswegen die gesamten Interessenten an Investoren stiften gehen. Eine Entschädigung käme vor der fetten Kasse für den Verwalter.
Genau, der Insolvenzverwalter ist in der ganzen Geschichte der Bösewicht. So ein Insolvenzverwalter wartet den ganzen Tag nur darauf, dass endlich ein Unternehmen pleite geht. Und wenn es dann endlich soweit ist, werden erstmal schön Kündigungen verfasst und dann macht der Insolvenzverwalter mit dem Verkauf an Investoren den Reibach. *kopfschüttel* Wenn Sie so wenig Ahnung von der Materie haben, dann schreiben Sie doch bitte keinen Kommentar zu diesem Thema. Es bestreitet keiner, dass die Frauen das Recht haben zu klagen. Aber die Frage ist: wem soll das helfen? Das die Frauen wieder in ihren Job zurückkommen dürfte bei dem Großteil aussichtslos sein. Für die verbliebenen Beschäftigten ist es ein Risiko. Wenn Schlecker mangels Investoren vollständig abgewickelt werden muss, dann nutzt auch die erfolgreiche Kündigungsschutzklage nichts mehr, oder?
hhismanic 19.04.2012
5. Genossenschaft gründen
Warum drehen die ehemaligen Schlecker-Beschäftigten den Spieß nicht um? Anstatt gegen die Kündigung und auf Abfindung zu klagen und am Ende trotzdem OHNE Job dazustehen, sollten sie versuchen, die Flucht nach vorn anzutreten und Anspruch auf das Unternehmen erheben. Gründen Sie eine Genossenschaft und führen Sie das Unternehmen fort. Schließlich sind Sie es doch, die das Unternehmen am besten kennen. Die Schlecker-Familie hat jahrelang gut an Ihnen verdient und den Ertrag verwirtschaftet. Jetzt zu sagen, es ist nichts mehr da, ist ja wohl armselig. Die Firma mit ihrer gesamten Logistik ist da, ihre Angestellten auch, und die Kunden werden auch wieder kommen. Es wäre Zeit, mal mit Fantasie auf eine Firmenpleite zu reagieren. Die Suche nach einem Investor ist da nur die zweitbeste Lösung. Der baut Stellen ab oder liquidiert den Laden sofort. Noch schlechter ist die Überführung der Arbeitslosen in Beschäftigungsgesellschaften oder andere einfallslose Maßnahmen. Das hilft doch nur wenigen, die Älteren, schwer Vermittelbaren bleiben auf der Strecke. Warum nicht neue Wege beschreiten?
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