Offener Brief Schlecker-Kinder klagen über Pleite-Schock

"Vom Sportwagen bis zur schönen Uhr musste er alles abgeben": Die Kinder von Firmengründer Anton Schlecker wehren sich gegen Vorwürfe, ihr Vater habe Geld beiseite geschafft. Durch die Pleite der Drogeriekette habe die Familie den Großteil ihres Vermögens verloren.

Lars und Meike Schlecker: "Auch wir Kinder liegen oft wach und grübeln"
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Lars und Meike Schlecker: "Auch wir Kinder liegen oft wach und grübeln"


Ehingen - Lars und Meike Schlecker haben sich erstmals ausführlich zur Pleite der Drogeriemarktkette geäußert. Das Ende des Unternehmens sei "ein Schock, eine Tragödie und ein Desaster", schreiben die beiden Kinder des Gründers Anton Schlecker in einer persönlichen Erklärung. "Die Firma war für uns alle Lebensinhalt - und da ist jetzt erst einmal ein großes Nichts." Für ihre Mutter und ihren Vater sei ihr Lebenswerk komplett zusammengebrochen. "Aber auch wir Kinder liegen oft wach und grübeln", schreiben sie weiter.

Die Schleckers bestreiten, dass sie noch über ein hohes Millionenvermögen verfügen. Sie wollten richtigstellen, "dass wir in den vergangenen Jahren und durch die Insolvenz ebenfalls das Allermeiste verloren haben und die kursierenden Angaben merklich über der Wirklichkeit liegen", heißt es in dem Schreiben.

Der Familie bleibe jedoch genug Geld, um sich gegenseitig zu stützen. "Unsere Mutter hat mit unserem Vater Gütertrennung vereinbart, und auch wir verfügen über ein eigenes Vermögen." Ihr Vater dagegen habe nichts mehr: "Vom Sportwagen bis zur schönen Uhr hat er alles abgeben müssen." Die Familie unterstütze ihn mit "eigenen Mitteln, die wir rechtmäßig besitzen, denn Sippenhaft gibt es im deutschen Recht nicht."

Schlecker hatte im Januar Insolvenz angemeldet. Auf einer Pressekonferenz hatte Meike Schlecker damals mit den Worten für Aufsehen gesorgt, es sei "nichts mehr da". Nach einer vergeblichen Investorensuche einigten sich die Gläubiger Anfang Juni darauf, das Unternehmen zu zerschlagen. Bis Ende Juni schließen die verbliebenen 2800 Läden, fast 14.000 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. Im März waren bereits 10.000 Beschäftigte entlassen worden.

"Wir wollen nicht jammern"

Lars und Meike Schlecker verweisen darauf, sie hätten jeweils rund 49 Millionen Euro als private Einlagen in die Firma des Vaters einfließen lassen. Über ihre Dienstleistungsgesellschaft LDG, die als zentralen Kunden Schlecker hatte, hätten sie die Drogeriemarktkette mit rund 64 Millionen Euro unterstützt. Auch dieses Geld werden sie wohl nicht wiedersehen. Inzwischen hat auch die Dienstleistungsgesellschaft Insolvenz angemeldet.

Noch tiefer wollten sie ihr Vermögen aber nicht offenlegen, da dies ihre Privatsache sei. Einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge besitzt die Schlecker-Familie nach der Insolvenz noch 35 bis 40 Millionen Euro Privatvermögen. Das Geld sei zum größten Teil im Besitz der Kinder, sagten ehemalige Manager des Unternehmens dem Blatt. Noch vor drei Jahren soll das Vermögen der Familie fast drei Milliarden Euro betragen haben.

"Wir wollen nicht jammern", versicherten die Geschwister. Sie dankten den Schlecker-Mitarbeiterinnen für ihr Engagement. Schlecker habe über viele Jahre einer großen Zahl von Menschen sichere Arbeitsplätze, im Vergleich mit dem Wettbewerb überdurchschnittlich viele Vollzeitstellen, seit 2010 die weitreichendsten Tarifverträge der Branche und damit ein gutes Auskommen geboten. "Das ist uns zuletzt nicht mehr gelungen, und das tut uns am meisten leid", schreiben sie.

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz habe einen guten Job gemacht. "Aus unserer Sicht hat der Insolvenzverwalter sehr engagiert gekämpft." Die Verhandlungen mit "den hoch und ernsthaft interessierten Investoren" seien schließlich gescheitert, weil es nicht möglich gewesen sei, die Personalkosten signifikant zu senken.

cte/dapd/AFP

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