Hamburg - Ein paar Tage lang kamen keine neuen Nachrichten von Schlecker, jetzt zeigt sich, dass das kein gutes Zeichen war: Die Chancen, dass die Drogeriemarktkette schnell und umfassend saniert wird, sind offenbar gesunken. Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" ("FTD") zufolge hat sich Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz inzwischen von der Sanierung des Unternehmens nach dem sogenannten Planinsolvenzverfahren distanziert.
Das bedeutet nicht das endgültige Aus für Schlecker - engt allerdings die Möglichkeiten der Sanierer zunehmend ein. Die Sanierung im Planinsolvenzverfahren war als elegantester Weg zur Rettung des verkleinerten Drogerieunternehmens gewählt worden.
Wie die "FTD" unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, ist die Sanierung von Schlecker in seiner bisherigen Form im sogenannten Insolvenzplan inzwischen nicht mehr vorgesehen. Stattdessen sollen demnach Besitz und Verträge in einer "übertragenden Sanierung" auf eine neugegründete Firma überschrieben werden. Grund ist, dass das Unternehmen von Anton Schlecker als Einzelkaufmann geführt wird. Eine geplante Umwandlung im Insolvenzverfahren gilt nun als unmöglich.
100 Millionen Euro müssen investiert werden - schnell
Das Unternehmen leidet darunter, dass in der Vergangenheit wichtige Investitionen ausgeblieben sind. Um diesen Investitionsstau zu lösen, ist ein zuverlässiger und finanzstarker Investor notwendig. Allein bei der Informationstechnologie müssten der "FTD" zufolge kurzfristig 25 Millionen Euro, in die Ladengeschäfte 70 Millionen Euro investiert werden.
Allerdings mehren sich offenbar die Zweifel an der Zuverlässigkeit der Investoren, die an Schlecker interessiert sind - von den internationalen Anlegern bis zum arabischen Herrscherhaus. Die Gebote seien niedrig und teilweise komplett kreditfinanziert. "Da sind nur noch Halunken im Spiel", zitiert die Zeitung eine Person, die mit den Vorgängen vertraut sei. Zudem seien die Gebote kaum vergleichbar, weil manche Interessenten für Schlecker und die Tochter Ihr Platz bieten, andere auch für das internationale Geschäft.
Neue Hoffnung ruht dem Bericht zufolge jetzt auf einem bisher unbekannten Interessenten. Unternehmenskreisen zufolge gibt es Kontakte zum Londoner Investor Change Capital Partners, an dessen Spitze der frühere Carrefour
- und Marks & Spencer
-Chairman Luc Vandevelde steht. Er bringe aber nur 50 Millionen Euro Eigenkapital, hieß es.
Nur wenige Schlecker-Frauen klagen gegen Kündigung
Am Dienstag wurde zudem bekannt, dass bisher nur etwas mehr als 500 Ex-Schlecker-Beschäftigte mit der rechtlichen Unterstützung von Gewerkschaften Klage gegen ihre Kündigung eingereicht haben. Der DGB-Rechtsschutz zeigte sich überrascht über die vergleichsweise geringe Zahl und geht davon aus, dass sich viele Frauen nicht getraut hätten zu klagen.
Ende März war im Zuge der Pleite bundesweit mehr als 10.000 Schlecker-Beschäftigten gekündigt worden, nachdem eine Auffanggesellschaft für diese gescheitert war. Der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz befürchtete für die Schlecker-Rettung, dass eine "hohe Zahl" von Klagen potentielle Investoren abschrecken könnte. Die Gewerkschaft Ver.di hatte angekündigt, die entlassenen Mitarbeiter nicht zu rechtlichen Schritten ermuntern zu wollen.
Interesse an den gekündigten Beschäftigten zeigten bisher die Schlecker-Konkurrenten dm und Rossmann. Der Lebensmittelhändler Edeka hat einem Zeitungsbericht zufolge bereits frühere Schlecker-Mitarbeiterinnen eingestellt.
nck
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