Anklage wegen vorsätzlichen Bankrotts Anton Schlecker droht lange Haft

25.000 Menschen verloren ihren Job, die Gläubiger verlangten eine Milliarde Euro: Vier Jahre nach der Schlecker-Pleite hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage erhoben. Ex-Drogerie-König Anton Schlecker soll mehrere Straftaten begangen haben.

DPA

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Anton Schlecker muss sich vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Anklage gegen den früheren Unternehmer sowie dessen Frau, Sohn und Tochter erhoben. Das sagte ein Sprecher der Behörde und bestätigte damit Medienberichte. Auch zwei Wirtschaftsprüfer seien angeklagt worden, sagte der Sprecher. Zu den Inhalten der Anklageschrift wollte er sich nicht äußern. Es werde am Donnerstag weitere Informationen geben, hieß es.

Im Falle von Anton Schlecker geht es nach Angaben der Staatsanwaltschaft um vorsätzlichen Bankrott in mehreren Fällen, bei seiner Frau Christa und seinen beiden Kindern Meike und Lars um die Beihilfe zum Bankrott. Schleckers Sohn und Tochter müssen sich demnach auch wegen Insolvenzverschleppung und Untreue verantworten.

Schlecker wird beschuldigt, angesichts der drohenden Insolvenz seiner Drogeriemarktkette Vermögen beiseitegeschafft zu haben. Das schreiben das "Handelsblatt", die "Stuttgarter Zeitung" und die "Stuttgarter Nachrichten". Dabei gehe es in 36 Fällen um insgesamt 20 Millionen Euro, berichten die beiden Stuttgarter Zeitungen. Gleich 13 dieser "Bankrott"-Straftaten soll Schlecker den Berichten zufolge "in besonders schwerem Fall" begangen haben. Das Gesetz sieht hierfür jeweils eine Höchststrafe von bis zu zehn Jahren vor.

Die Strafverfolger werfen Schlecker den Berichten zufolge auch vor, falsche Angaben in Bilanzen gemacht und eine Falschaussage an Eides statt abgegeben zu haben.

Anton Schlecker hatte seinen Milliarden-Konzern in Ehingen bei Ulm als "eingetragener Kaufmann" geführt, Privat- und Firmenvermögen waren damit nicht getrennt.

Geldgeschenke an die Enkel

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Fall Schlecker: Von der Insolvenz zur Anklage

Schlecker leitete die nach ihm benannte Drogeriekette bis zur Insolvenz. Damals hatte Schlecker noch 7000 Filialen und etwa 30.000 Mitarbeiter. Europas ehemals größte Drogeriekette hatte im Januar 2012 Insolvenz angemeldet. Etwa 25.000 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz. Die Gläubiger forderten rund eine Milliarde Euro. Das Handelsunternehmen aus Baden-Württemberg hatte zu seinen Bestzeiten rund 9000 Märkte im In- und Ausland.

Konkret geht es bei den Vorwürfen um Geldgeschenke Schleckers an seine Enkelkinder in Höhe von rund 800.000 Euro. Das Geld floss im Frühjahr 2011, zu einem Zeitpunkt, als die Firma bereits Verluste in dreistelliger Millionenhöhe verzeichnete. Zudem soll Schlecker den Zeitungsberichten zufolge seiner Tochter Meike eine Reise nach Antigua im Wert von 60.000 Euro spendiert haben. Außerdem wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, Kosten für Grundstücke seiner Kinder in Höhe von 300.000 Euro übernommen zu haben.

Schlecker hatte zudem in den Jahren vor der Pleite Immobilien und andere Firmenteile an seine Kinder und seine Ehefrau verkauft oder verschenkt. Ein Logistikzentrum im österreichischen Pöchlarn war nur sechs Tage vor Anmeldung der Insolvenz Ende Januar 2012 für 2,5 Millionen Euro an die Kinder abgetreten worden. Nach dem Insolvenzrecht müssen solche Geschäfte in der Regel rückgängig gemacht werden, wenn sie innerhalb von vier Jahren vor der Insolvenz getätigt werden.

Das Luxusanwesen durfte die Familie behalten

Noch schwerer ins Gewicht fallen könnten Millionensummen, die Schlecker mittels überhöhter Preise auf die LDG, eine Firma seiner Kinder Meike und Lars Schlecker, übertragen haben soll.

Als es mit dem Drogeriekonzern zu Ende ging, stellten sich die Kinder öffentlich vor die Eltern. Lars Schlecker ging zu den Beschäftigten in Betriebsversammlungen, Meike Schlecker gestand in einer Pressekonferenz das Scheitern der Unternehmerfamilie ein.

Zudem soll Schleckers Ehefrau Christa den Berichten zufolge im Juni 2012 von der LDG mehr als 50.000 Euro für Beraterleistungen erhalten haben. Die Ermittler beschuldigen Christa Schlecker der Beihilfe zum Bankrott in zwei Fällen.

Nach einem Streit um übertragenes Vermögen aus dem Unternehmen zahlte die Familie Schlecker dem Insolvenzverwalter gut ein Jahr nach der Pleite 10,1 Millionen Euro. Im Gegenzug durfte die Familie unter anderem ihr luxuriöses Anwesen in Ehingen behalten. Der Versuch eines österreichischen Investors, einen Teil der Filialen mit dem Konzept eines modernen Tante-Emma-Ladens wiederzubeleben, scheiterte 2013.


Zusammengefasst: Anton Schlecker, Namensgeber der insolventen Drogeriekette, ist wegen vorsätzlichen Bankrotts in 36 Fällen angeklagt. Seine Frau Christa und seinen beiden Kindern Meike und Lars müssen sich wegen Beihilfe verantworten, den Kindern wird zudem Insolvenzverschleppung und Untreue vorgeworfen. Die Unternehmer hatten 2012 Insolvenz angemeldet. Zuvor sollen sie Millionen beiseite geschafft haben.

brt/dpa/AFP/Reuters



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Seite 1
gottseidank.de 13.04.2016
1. VW, Deutsche Bank & Co
Immerhin in den Jahren in denen Schlecker wuchs und funktionierte hatten viele tausend Menschen Arbeit und Schlecker dürfte auch ein guter Steuerzahler gewesen sein. Dann hat er den Laden an die Wand gefahren. Das man versucht zu retten was geht und dabei ggf. Grenzen überschreitet. Wem soll man das verübeln? Es ist menschlich und nachvollziehbar. Er wusste ja, dass er privat haftbar ist, logisch dass er seine Familie im Untergang absichern will. Da kommt dann schon mal Panik und somit falsches Handeln auf. Ein Mann, ein Lebenswerk! Lasst milde walten, räume man lieber bei VW, Deutsche Bank, Heckler & Koch, etc. auf. Die haben mehr Dreck am Stecken.
hanfiey 13.04.2016
2. falsche Geschäftsform
Als eingetragener Kaufmann hat er natürlich die A-Karte. warum diese Geschäftsform so lange beibehalten wurde und auch warum keine Berater da waren die Ahnung hatten bleibt wohl ein Geheimnis
spiegelleser987 13.04.2016
3.
Ich habe mich an eine Meldung vor einigen Jahren erinnert, jetzt mal gegoogelt und die Wirtschaftswoche gefunden. Schlecker ist nicht allein für die Insolvenz verantwortlich. Er hätte überleben können und die Arbeitsplätze wären erhalten geblieben. Schlecker hat damals weit höhere Löhne als die Konkurrenz gezahlt. Dann ging es mit finaziellen Problemen los. Hätte Verdi die Tariföhne zu dem Zeitpunkt nicht noch weiter erhöhen wollen und wenigstens etwas in Richtung der Wettbewerber akzeptiert, wäre eine Rettung möglkich gewesen und Schlecker würde noch existieren. http://www.wiwo.de/unternehmen/handel/schlecker-aus-verdi-hat-sich-zu-tode-gesiegt/6701146.html
rreniar 13.04.2016
4. Starrsinn
Zitat von gottseidank.deImmerhin in den Jahren in denen Schlecker wuchs und funktionierte hatten viele tausend Menschen Arbeit und Schlecker dürfte auch ein guter Steuerzahler gewesen sein. Dann hat er den Laden an die Wand gefahren. Das man versucht zu retten was geht und dabei ggf. Grenzen überschreitet. Wem soll man das verübeln? Es ist menschlich und nachvollziehbar. Er wusste ja, dass er privat haftbar ist, logisch dass er seine Familie im Untergang absichern will. Da kommt dann schon mal Panik und somit falsches Handeln auf. Ein Mann, ein Lebenswerk! Lasst milde walten, räume man lieber bei VW, Deutsche Bank, Heckler & Koch, etc. auf. Die haben mehr Dreck am Stecken.
Anstatt Verständnis dafür zu äußern, dass Herr Schlecker im Angesicht der Pleite noch für seine Familie versucht hat Vermögen zu retten, sollte man lieber Unverständnis dafür äußern, dass Herr Schlecker nicht schon Jahre zuvor sein Unternehmen in eine GmbH umgewandelt hat. Dann hätte das Unternehmen Schlecker schon sehr viel länger vorher massive Umstrukturierungen vornehmen müssen und Mitarbeiter und Lieferanten wären weniger völlig von der Pleite überrascht worden, welche vielleicht dennoch gekommen wäre, eine Fortführung des Unternehmens wäre vielleicht aber möglich gewesen, da auch viel früher die Größe der Filialen den Mitbewerben hätte angepasst werden müssen. Als positivem Nebeneffekt würden die Schleckers heutzutage dann trotzdem noch Vermögen besitzen. Für diese Dummheit und Starrsinn müssen die Schleckers nun einstehen. Seine früheren Verdienste und der noch größere Murks manch anderer Manager können da nicht einfach strafmildernd angerechnet werden.
cm1 13.04.2016
5. Unternehmer vs Manager
Alle machen Fehler, manche scheitern. Schlecker hat viele Jahre vielen Menschen Arbeit und Einkommen gegeben. Das sollte beim Strafmaß berücksichtigt werden. Die angestellten Manager bei VW verzichten trotz Unfähigkeit auf einen Teil der Bonuszahlung. Es ist absurd.
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