Schmiergeld Gericht verurteilt Ex-Ferrostaal-Manager zu Bewährungsstrafen

Die Geständnisse wurden strafmildernd gewertet: Ein Gericht hat zwei Ex-Manager von Ferrostaal zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Sie hatten zugegeben, in Griechenland und Portugal 62 Millionen Euro Schmiergeld gezahlt zu haben. 


München - Zwei frühere Top-Manager von Ferrostaal sind zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Das Münchner Landgericht verhängte für den Ex-Vorstand Johann-Friedrich Haun und seinen ehemaligen Prokuristen je zwei Jahre auf Bewährung plus Geldstrafen von 36.000 beziehungsweise 18.000 Euro. Ihnen wird Bestechung ausländischer Amtsträger bei U-Boot-Geschäften vorgeworfen.

Der ebenfalls angeklagte Ferrostaal-Konzern muss eine Geldbuße von knapp 140 Millionen Euro zahlen. Auf das Strafmaß hatte sich die Justiz im Vorfeld mit den Beschuldigten verständigt. Teil des Deals waren Geständnisse der Angeklagten: Die beiden Ex-Manager gaben zum Prozessauftakt vergangene Woche grundsätzlich zu, im Jahr 2000 in Griechenland und drei Jahre später in Portugal rund 62 Millionen Euro Schmiergeld gezahlt zu haben, um lukrative U-Boot-Aufträge zu bekommen.

Mindestens ein Drittel dieser Summe sei bei Amtsträgern angekommen, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Eckert. Laut Anklage arbeiteten die Ferrostaal-Führungskräfte mit verschiedenen Mittelsmännern und Beratern zusammen und erhielten in Griechenland Zugang zum Verteidigungsministerium. "U-Boote werden nur von Politikern gekauft, nicht von Privatleuten", sagte der Richter. Wer in diesem Geschäft Schmiergeld zahlen wolle, müsse zwangsläufig an Entscheidungsträger herantreten.

Beide Angeklagten hätten jahrelang "ohne Fehl und Tadel" für Ferrostaal gearbeitet und mit der Bestechung eine Praxis übernommen, "die bis 1999 bei nahezu allen Unternehmen gang und gäbe war und von unseren Behörden akzeptiert wurde", sagte Eckert. Die Manager hätten gewusst, was sie taten und die Unrechtmäßigkeit in Kauf genommen. Ihre Vorgehensweise sei "konspirativ und eben auch kriminell" gewesen.

Sie hätten etwa Verträge im Ausland deponiert und später geschreddert. "Dies entspricht überhaupt nicht dem kaufmännischen Denken eines langjährigen Mitarbeiters einer deutschen Firma. Erfahrungsgemäß heben deutsche Firmen alles auf - insbesondere Verträge." Eckert hielt den beiden 73-Jährigen zugute, dass sie sich nicht persönlich bereichert hätten. "Dafür hat das Gericht keinerlei Anhaltspunkte." Weil sie aber dank ihrer - durch Schmiergeld erzielten - Erfolge wirtschaftliche Vorteile hatten, werde dieser Gewinn durch die Geldstrafen wieder abgeschöpft.

cte/Reuters

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