Schmiergeldaffäre: Ex-MAN-Manager gibt Millionen-Bestechung zu

Erstes Geständnis in der MAN-Schmiergeldaffäre: Der frühere Chef der Maschinenbausparte gibt im Strafprozess zu, neun Millionen Euro für einen Großauftrag in Kasachstan gezahlt zu haben. Dennoch kann der Angeklagte mit einem milden Urteil rechnen.

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MAN-Gebäude in München: Keinerlei persönliche Vorteile

München - Die Schmiergeldaffäre beim MAN-Konzern kostete zahlreiche Top-Manager den Job und den Konzern viel Geld. Jetzt hat die juristische Aufarbeitung begonnen - und wieder für viel Aufsehen gesorgt. Der Ex-Chef der Turbomaschinensparte räumte am Mittwoch vor dem Landgericht München ein, rund neun Millionen Euro Schmiergeld an Verantwortliche eines staatlichen Gaskonzerns in Kasachstan gezahlt zu haben. "Die Vorteile waren groß für das Unternehmen", sagte der Angeklagte zur Begründung.

Für das Geständnis stellte die Strafkammer nach vorheriger Absprache mit Verteidigung und Staatsanwaltschaft dem 66-jährigen Angeklagten eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren samt Zahlungsauflage von 100.000 Euro in Aussicht. Ein Urteil könnte bereits am kommenden Montag gesprochen werden.

Die Korruption im Lastwagen- und Maschinenbaukonzern MAN war erst im Mai 2009 nach einer bundesweiten Razzia bekannt geworden. Die Affäre hatte den weltweit drittgrößten Lkw-Bauer in große Schwierigkeiten gebracht. Neben Vorstandschef Hakan Samuelsson mussten zahlreiche Spitzenmanager den Konzern verlassen. MAN prüft Schadenersatzforderungen gegen Mitarbeiter, die in die Affäre verwickelt sind. Weitere Ermittlungen der Justiz laufen.

Der Angeklagte bezeichnete die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft als zutreffend. 2004 sei er kurz vor Abschluss eines Pipeline-Vertrages mit der Gasfirma Kaztransgas auf die Schmiergeldforderung der kasachischen Kundschaft eingegangen. Bei dem 84 Millionen Euro schweren Vertrag ging es um die Modernisierung und Erweiterung einer 830 Kilometer langen Pipeline, über die Gas aus Turkmenistan und Usbekistan nach Russland geleitet wird.

MAN Turbo soll ordentlich an dem Auftrag verdient haben

Der frühere Spartenchef rechtfertigte die Bestechung damit, dass es sich um einen Großauftrag gehandelt habe, der laut Anklage Folgeaufträge von rund 1,4 Milliarden Euro habe erwarten lassen. Zudem habe sich MAN Turbo durch das Pipeline-Projekt den Einstieg in den wichtigen kasachischen Markt erhofft. "Es war Unrecht, diese Dinge zu tun", sagte der Ex-Manager. Dieses Bewusstsein habe er damals aber nicht gehabt. Ihm zufolge verdiente MAN Turbo an dem Auftrag trotz Bestechung ordentlich Geld.

Bei den Verhandlungen in Kasachstan habe er die geforderten Zahlungen von 16 auf zwölf Prozent des Gesamtauftrags gedrückt, erklärte der Angeklagte. Das Schmiergeld floss dann mit Hilfe von fingierten Verträgen für Beratung und Straßenbau zwischen 2005 und 2008 über Moskau, das Baltikum, Kanada und die USA.

Der Angeklagte hatte 1966 bei MAN angefangen und war über verschiedene Controlling- und Leitungsposten bis zum Vorstand der Turbosparte aufgestiegen. Dieses Amt hatte er von Anfang 2002 bis September 2007 inne. Der ehemalige Topmanager sagte, er habe die Schmiergeldzahlung bereits 2007 bei konzerninternen Untersuchungen eingeräumt. "Ich möchte betonen, dass ich selbst aus dem Vorgang keinerlei persönliche Vorteile hatte", sagte er am Mittwoch.

yes/Reuters/apn

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