Schmiergeldaffäre Ex-Siemens-Vorstand kommt mit Geldzahlung davon

Er stand als erster Top-Manager im Siemens-Korruptionsskandal vor Gericht, in seiner Sparte wurde besonders viel geschmiert. Nun lässt das Gericht Thomas Ganswindt mit der Zahlung einer Geldauflage davonkommen. Die krummen Geschäfte seien an ihm vorbeigelaufen, sagt sein Anwalt.

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Hamburg/München - Er ist beruflich tief gefallen, doch vor Gericht kommt er glimpflich davon: Der Prozess gegen den früheren Siemens-Vorstand Thomas Ganswindt wird gegen eine Geldauflage eingestellt. Die Schuld des Angeklagten sei geringer als ursprünglich absehbar, begründete das Oberlandesgericht München die Entscheidung. Ganswindt muss nun 175.000 Euro an fünf gemeinnützige Einrichtungen zahlen, dann wird das Verfahren eingestellt.

Der Prozess gegen Ganswindt hatte für Aufsehen gesorgt, da er sich als erster Ex-Vorstand in der Siemens-Korruptionsaffäre vor Gericht verantworten musste. Von 2004 bis 2006 leitete er den Telekommunikationsbereich, in dem Ermittler besonders viele Schmiergeldzahlungen aufdeckten. Die Staatsanwaltschaft hatte Ganswindt Steuerhinterziehung und vorsätzliche Verletzung seiner Aufsichtspflicht vorgeworfen. Mehrere seiner ehemaligen Mitarbeiter wurden bereits zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt. Für die verbleibenden Verfahren hat die Entscheidung laut Staatsanwaltschaft keine Bedeutung. "Es geht nur um individuelle Schuld von Herrn Ganswindt."

Zurzeit ermittelt die Justiz noch gegen rund ein Dutzend früherer Siemens-Mitarbeiter, darunter die Ex-Vorstände Heinz-Joachim Neubürger und Uriel Sharef. Siemens hat sich mit den meisten Verantwortlichen auf Schadensersatzzahlungen geeinigt. Von Ganswindt verlangt der Konzern noch fünf Millionen Euro - auch nach der Einstellung des Strafprozesses. "An dem Zivilverfahren ändert sich dadurch nichts", sagte ein Konzernsprecher.

Ganswindts Anwalt Michael Rosenthal zufolge überzeugten vor allem Zeugenaussagen die Richter davon, dass Ganswindts Schuld höchstens gering sei. "Wenn einer mit dem anderen geschwätzt hat, dann immer an Ganswindt vorbei", sagte Rosenthal SPIEGEL ONLINE. Die Verteidiger hätten sich ursprünglich auf einen langwierigen Kampf um einen Freispruch eingestellt. "Nun haben wir alle den Sommer frei."

Die Siemens-Affäre gilt als größer Schmiergeldskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Über viele Jahre soll der Konzern etwa 1,3 Milliarden Euro gezahlt haben, um an Aufträge zu gelangen. Nach ersten Durchsuchungen Ende 2006 war Ganswindt vorübergehend in Untersuchungshaft genommen worden. Im Zuge der Affäre mussten Vorstandschef Klaus Kleinfeld und der Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer das Unternehmen verlassen. Insgesamt zahlte der Konzern rund 2,5 Milliarden für Strafen, Steuerrückstände und die interne Aufklärung.

dab/mmq/dpa/dpad/Reuters

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
niepmann 19.05.2011
1. Verwundert?
Nein. Klassenjustiz ist ein alter Hut.
braintainment 19.05.2011
2. Dr.
175.000? das ist ja geradezu eine Einladung für Nachahmer... Schmieren was das Zeug hält und dann einen Obulus aus der Portokasse abdrücken!
vatsug 19.05.2011
3. Was
Zitat von sysopEr stand als erster Topmanager im Siemens-Korruptionsskandal vor Gericht, in seiner Sparte wurde besonders viel geschmiert. Nun lässt das Gericht Thomas Ganswindt mit der Zahlung einer Geldauflage davonkommen. Die krummen Geschäfte seien*an ihm vorbeigelaufen, sagt sein Anwalt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,763651,00.html
hat man denn anderes erwartet? Einer der Mikromanagement in Perfektion betrieben hat, kann natürlich von den Dingen die außen herum gelaufen sind nichts wissen. Er war dafür verantwortlich die Ziele vorzugeben, ob die realistisch und mit den verfügbaren Bordmitteln erreichbar waren, das war nicht seine Verantwortung.
boam2001, 19.05.2011
4. Ungerechte Justiz ! Die kleinen Siemens-Manager im mittleren Management hängt man !
"Die krummen Geschäfte seien an ihm vorbeigelaufen, sagt sein Anwalt" Ich lach' mich tot ! Wer´s glaubt, wird selig !
scheffe2001 19.05.2011
5. Bitte mal über den Tellerand gucken
Kann es vielleicht sein, dass die Staatsanwaltschaft mehr als schlampig gearbeitet hat?
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