Schmiergeldaffäre: Früherer Chef von MAN-Tochter muss vor Gericht

Der Vorwurf lautet auf Bestechung ausländischer Amtsträger: Die Klage gegen einen ehemaligen Vorstandschef ist nun vom Gericht zur Hauptverhandlung zugelassen worden. Der Angeklagte soll für einen Auftragszuschlag in Kasachstan mehr als neun Millionen Euro gezahlt haben.

MAN-Gebäude in München: Affäre kostete rund Mitarbeiter den Job Zur Großansicht
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MAN-Gebäude in München: Affäre kostete rund Mitarbeiter den Job

München - Der frühere Vorstandschef eines Tochterunternehmens des Nutzfahrzeug- und Maschinenbauers MAN muss sich ab Ende Juni wegen Bestechung ausländischer Amtsträger vor Gericht verantworten. Das Landgericht München I hat die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen den 66-jährigen Heinz Jürgen M. unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen, wie das Oberlandesgericht München am Mittwoch mitteilte. Der Prozess soll am 23. Juni beginnen. Es wurden zunächst zwei Verhandlungstage angesetzt.

Der heute im nordrhein-westfälischen Bottrop lebende Rentner M. war von 2002 an für mehr als fünf Jahre Vorstandsvorsitzender der MAN-Turbosparte. Für einen Auftragszuschlag in Kasachstan soll er ab 2005 mehr als neun Millionen Euro gezahlt haben. Der Auftrag wäre andernfalls neu ausgeschrieben worden. Dabei hat es sich der Staatsanwaltschaft zufolge um einen Großauftrag gehandelt, der nicht nur Folgeaufträge erwarten ließ, "sondern tatsächlich auch den Markteintritt der MAN Turbo AG in den für das Geschäft der MAN Turbo AG wichtigen Markt Kasachstan überhaupt bedeutete".

Das Verfahren ist Teil einer großen Schmiergeldaffäre, in der die Münchener Staatsanwaltschaft seit Mai 2009 wegen des Verdachts ermittelt, dass der Konzern den Verkauf von Lastwagen und Bussen mit Bestechungsgeldern angekurbelt habe. Insgesamt wurden Schmiergeldzahlungen in Höhe von 51,6 Millionen Euro in den vergangenen zehn Jahren aufgedeckt. Die Affäre kostete rund 20 Top-Manager, Führungskräfte und Mitarbeiter den Job. Die von der Staatsanwaltschaft München auf 151 Millionen Euro festgesetzte Strafe hatte MAN akzeptiert. Das umstrittene Provisionssystem wurde inzwischen abgeschafft.

wit/ddp

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