Schmiergeldaffäre US-Ermittler wollen von Pierer vor Gericht zerren

In der Siemens-Affäre gibt es nach SPIEGEL-Informationen neue Ermittlungen: US-Fahnder versuchen Ex-Chef Pierer und weiteren Managern Verwicklungen in Bestechungen nachzuweisen. Aus dem US-Justizministerium ist zu hören: Wenn bei einem so riesigen Fall keiner in den Bau gehe, dann "haben wir versagt".

Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer: Neue Ermittlungen in den USA
dpa

Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer: Neue Ermittlungen in den USA


Hamburg - In der Siemens-Schmiergeldaffäre gibt es neuen Ärger - für Ex-Vorstandschef Heinrich von Pierer und etliche seiner früheren Kollegen. Seit einigen Monaten ermitteln die amerikanische Börsenaufsicht SEC und das US-Justizministerium intensiv wegen möglicher Verfehlungen von einzelnen Siemens-Managern. Lässt sich ihre Mitwirkung an den weltweiten Bestechungen des Konzerns belegen, sollen die Manager in Amerika vor Gericht gestellt werden.

Die US-Behörden hatten sich vor zwei Jahren auf einen 800 Millionen Dollar Vergleich eingelassen - doch der gilt nur für die Firma Siemens. Die Jagd auf die Männer, die das Schmiergeldsystem stützten, ist für die Amerikaner nicht zu Ende. Rechtlich sind die Ermittlungen gegen deutsche Manager möglich, weil das Unternehmen an der New Yorker Börse gelistet ist und damit unter US-Recht fällt.

Ganz oben auf der Liste der Fahnder: Pierer und der frühere Chef der Kraftwerkssparte, Uriel Sharef, der auch für das Südamerika-Geschäft zuständig war. Vor allem für Siemens-Projekte in Argentinien, Venezuela und Kolumbien interessieren sich die Amerikaner. Bereits vor einigen Wochen befragten sie den heutigen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme und weitere frühere Siemens-Kontrolleure über Aktivitäten in diesen Ländern.

In dieser Woche nun kommt eine Ermittlergruppe nach Deutschland. Offizieller Anlass ist ein Gespräch mit Theo Waigel - der CSU-Politiker war Siemens nach dem Vergleich mit den US-Behörden als Aufpasser zur Seite gestellt worden. Doch nach dem Pflichttermin wollen sich die Ermittler auch mit Kennern der Korruptionsaffäre unterhalten und erhoffen sich dabei neue, belastende Hinweise. Außerdem ist für kommenden Mittwoch ein Treffen mit Hildegard Bäumler-Hösl geplant, der obersten Siemens-Jägerin der Münchner Staatsanwaltschaft.

In den vergangenen Wochen hatten die Amerikaner zudem beharrlich Dokumente zur Schmiergeldaffäre bei Siemens angefordert. Die US-Fahnder stehen unter Druck. In den letzten Monaten hatten Politiker in Washington immer wieder gefordert, dass eine der größten Schmiergeldaffären in der Geschichte nicht allein mit Geldstrafen geahndet werden könne. Erst kürzlich, so heißt es, habe der Leiter der Anti-Korruptions-Einheit im Justizministerium seiner Truppe eingeheizt: Wenn in so einem riesigen Fall keiner in den Bau gehe, dann "haben wir versagt".

Von Pierer sagte dem SPIEGEL, ihm sei von US-Ermittlungen nichts bekannt.

ssu

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insgesamt 9 Beiträge
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ToastedByLaw 04.12.2010
1. Same procedure
Zitat von sysopIn der Siemens-Affäre gibt es nach SPIEGEL-Informationen neue Ermittlungen: US-Fahnder versuchen Ex-Chef von Pierer und weiteren Managern Verwicklungen in Bestechungen nachzuweisen. Aus dem US-Justizministerium ist zu hören: Wenn einem so riesigen Fall keiner in den Bau gehe, dann "haben wir versagt". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,732861,00.html
Die US-amerikanische Justiz mal wieder im Einsatz zum Wohl und Schutz der amerikanischen Wirtschaft.
Hubert Rudnick, 04.12.2010
2. Aufräumen?
Zitat von sysopIn der Siemens-Affäre gibt es nach SPIEGEL-Informationen neue Ermittlungen: US-Fahnder versuchen Ex-Chef von Pierer und weiteren Managern Verwicklungen in Bestechungen nachzuweisen. Aus dem US-Justizministerium ist zu hören: Wenn einem so riesigen Fall keiner in den Bau gehe, dann "haben wir versagt". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,732861,00.html
Ich finde es nicht mehr wie richtig, dass mal die Akteure der Korrution der Prozeß gemacht wird und das dann mal die richtigen Verantwortlichen persönlich dafür gerade zu stehen haben, aber ob es dann gerade die Amerikaner sein müssen, denn sie sollten erst einmal ihren eigenen Laden aufräumen. HR
ernstmoritzarndt 04.12.2010
3. Weltbeglückung durch die Amis
Zitat von ToastedByLawDie US-amerikanische Justiz mal wieder im Einsatz zum Wohl und Schutz der amerikanischen Wirtschaft.
Sicherlich auch zum Wohle der amerikanische Wirtschaft. Tatsächlich steht hinter diesen Aktivitäten eine amerikanische Weltbeglückungsbemühung, die als Nebeneffekt natürlich auch der amerikanische Wirtschaft dienlich ist. Die Deutsche Wirtschaft war vor dem Listing an der NSE betr. die amerikanischen Verhältnisse gewarnt. Ein Teil der früher dort gelisteten Unternehmen hat das übrigens nach teilweisen bitteren Erfahrungen aufgegeben. Bis in die Politik ist das allerdings noch nicht gedrungen, denn derzeit stellt man in der gesamten Deutschen Wirtschaft die Buchhaltungssysteme auf amerikanische Standarts um mit der Konsequenz, daß positive wie negative Effekte in den Unternehmen drastisch verstärkt werden. Diese Systemumstellung war übrigens auch ein Kotau vor dem amerikanischen System. Wir sollten - ohne in irgendeinen Antiamerikanismus zu verfallen - etwas mehr Distance wahren - zu der Wirtschaftspolitik wie auch der sonstigen Weltpolitik der Amis. Die diesbezüglichen Handlungen von Gerhard Schröder betr. den Irak - Krieg waren richtig; wenn er das dann noch etwas intelligenter den Amis beigebracht hätte, als mit der Wahlkampfplattschaufel draufzuhauen,wäre seine Handlung perfekt gewesen.
Roßtäuscher 04.12.2010
4. US-Ermittler sollen von Pierer vor Gericht zerren
Zitat von sysopIn der Siemens-Affäre gibt es nach SPIEGEL-Informationen neue Ermittlungen: US-Fahnder versuchen Ex-Chef von Pierer und weiteren Managern Verwicklungen in Bestechungen nachzuweisen. Aus dem US-Justizministerium ist zu hören: Wenn einem so riesigen Fall keiner in den Bau gehe, dann "haben wir versagt". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,732861,00.html
Gleicher Meinung* zum Versagen* dürfte die Deutsche Öffentlichkeit sein, wenn da nicht wieder unsere Politiker, voran Frau Merkel, von Pierer und Mitbeschuldigte vor Anklagen geschützt haben. War ja schließlich mal ihr Wirtschaftsflüsterer und Teil ihrer riesigen Entourage bei Auslandsreisen. Deutschland kann sich doch diesen Luxus der erweiterten Weltreisen leisten - Geld spielt keine Rolle bei den Neureichen mit FDJ-Hintergrund. Für die US-Behörden läuft nichts - mal so mit beeinflusster Staatsanwaltschaft und einer Bewährungsstrafe à la Zumwinkel. Ob gerade der ehemalige Versager-Finanzminister Waigel aus der geschmierten Kohl-Regierung die richtige Wahl als Aufpasser in der Siemens-Schmiere ist? Da fällt einem der Spruch "den Bock zum Gärtner gemacht" ein. Der stolze Vater des € auch noch. Interessant zu beobachten, wie sich die deutschen Ermittler mit ihrer unterstützenden Hilfe gegenüber den USA verhalten werden.
mauskeu 04.12.2010
5. Geld vs Leben
Zitat von sysopIn der Siemens-Affäre gibt es nach SPIEGEL-Informationen neue Ermittlungen: US-Fahnder versuchen Ex-Chef von Pierer und weiteren Managern Verwicklungen in Bestechungen nachzuweisen. Aus dem US-Justizministerium ist zu hören: Wenn einem so riesigen Fall keiner in den Bau gehe, dann "haben wir versagt". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,732861,00.html
Gerade die Amerikaner die jede international Justiz ablehnen machen sich hier zum Ankläger. Da sollte man einmal die Machenschaften von Black Water etc pp im Irak zum Anlass nehmen, um besser nachzuforschen. Auf der einen Seite geht es "nur" um Geld, aber auf der anderen Seite geht und ging es um viele Menschenleben. Von der Korruption im Irak ganz zu schweigen.
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