Schnäppchen Top-Investor Pimco deckt sich mit italienischen Anleihen ein

Die Finanzmärkte reagieren nervös auf die italienische Schuldenkrise - und verhelfen dem größten Anleiheinvestor der Welt zu einem Schnäppchen: Pimco hält den Kursverfall von Schuldtiteln des Euro-Mitglieds für übertrieben und stockt sein Portfolio günstig auf.


Berlin - Der weltgrößte Händler von Staatsanleihen hält die Gelegenheit für günstig: Pimco hat sich nach den heftigen Marktturbulenzen mit italienischen Staatsanleihen eingedeckt. "Wir nutzen die Verwerfungen im Markt", sagte Andrew Bosomworth, Leiter des Portfoliomanagements der Allianz-Tochter am Dienstag. Zuletzt waren die Kurse italienischer Bonds aus Sorge um die Schuldenpolitik des Euro-Mitglieds rapide gesunken.

Der Top-Manager erklärte den Schritt mit klaren Worten, die auch Italiens Finanzminister Giulio Tremonti gefallen dürften: "Die jüngsten Kursrückgänge halten wir aus fundamentaler Sicht für übertrieben und haben sie zu einzelnen Käufen genutzt", sagte Bosomworth der "Welt". Auch den gleichzeitigen starken Preisanstieg für italienische Kreditausfallversicherungen hält der Experte für Ausdruck von Panik und nicht eines funktionierenden Markts. Italien sei nicht Griechenland.

Der Pimco-Manager sieht geringe Gefahren für das Investment. Der Großteil der Anleihen werde von einheimischen Sparern gehalten. "Das reduziert die Gefahr, dass viel Geld aus dem Land abgezogen wird." Sollte sich die Situation dennoch nicht beruhigen, sieht Bosomworth dem Bericht zufolge die Europäische Zentralbank in der Pflicht, einen Dominoeffekt zu verhindern. "Sie müsste massiv Staatsanleihen kaufen und so den Zinsanstieg aufhalten", sagte er der Zeitung. Er gehe derzeit allerdings nicht davon aus, dass die Situation außer Kontrolle gerate.

Auch Italiens größte Bank gibt den Spekulanten die Schuld für die heftigen Kursverluste ihrer Aktien. Die Verkäufe hätten nichts mit den Fundamentaldaten des Landes oder der Bankenbranche zu tun, erklärte Unicredit-Chef Federico Ghizzoni am Dienstag. Die Aktien des Instituts beendeten den Handel am Dienstag zwar nach einer dramatischen Berg- und Talfahrt mit einem Plus von knapp sechs Prozent, hatten jedoch in den sechs Handelstagen davor mehr als ein Viertel ihres Wertes eingebüßt, weil an den Finanzmärkten über eine Ansteckung Italiens mit der Schuldenkrise spekuliert wurde.

fdi/Reuters/dpa-AFX/dapd

insgesamt 13 Beiträge
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alaxa 12.07.2011
1. Soll Pimco sich doch eindecken...
Soll Pimco sich doch "eindecken"... Es ist eh nicht sein Geld, das dann möglicherweise verbraten wird! Wäre ich Investor, würde ich auch versuchen, möglichst riskante Anlagen zu tätigen. Ich habe ja persönlich nichts zu verlieren. Sowas kann ja auch mal "gut gehen". Ich würde sogar mein angesammeltes Fremdkapital in mehrere Fonds splitten: Eine hoch riskanten, einen mittel-riskanten und einen soliden (für Rentner und Hosenschisser).
Maruk0815 12.07.2011
2. ...
---Zitat von Artikel--- Der Pimco-Manager sieht geringe Gefahren für das Investment. Der Großteil der Anleihen werde von einheimischen Sparern gehalten. "Das reduziert die Gefahr, dass viel Geld aus dem Land abgezogen wird." Sollte sich die Situation dennoch nicht beruhigen, sieht Bosomworth dem Bericht zufolge die Europäische Zentralbank in der Pflicht, einen Dominoeffekt zu verhindern. ---Zitatende--- Oder anders formuliert: Die Steuerzahler werden uns schon bezahlen. Ob nun direkt oder indirekt...
Peter_Wombel 12.07.2011
3. ...
Ein schlauer Schachzug. Weiß der Investor doch nur zu gut, dass im Notfall Tante Merkel in unsere Schatulle greift um die Anleihen zu bedienen. Pimco sagt Danke!
knubbel74 13.07.2011
4. Na dann ....
wissen wir ja, an wen unsere Steuergelder in Form von alternativloser Unterstützung einer verlogenen Währung gehen. Jetzt wäre endlich die Zeit für tabula rasa.
matt_us, 13.07.2011
5. Aha - Allianz hat mit CDS auf GR, POR, IRL Pleite gewettet!
PIMCO/Allianz Global Investments haben ja schon seit einem Jahr gegen die Europeripherie Stimmung gemacht! Da scheinen sie wohl Credit Default Swaps auf Griechenland, Irland und Portugal gekauft zu haben, die auf die Pleite der Laender wetten. Auf Italien wohl nicht, deshalb machen sie auf einmal einen auf grossen Retter! Solange man die CDS Spekulation nicht verbietet, werden die Spielchen weitergehen. Der Schaeuble und seine Euro Kollegen sollten das noch vor der Sommerpause beschliessen. CDS verbieten heisst Eurokrise beenden!
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