Schnelle Netze Telekom treibt einmaliges Mobilfunker-Bündnis voran

Der Aufbau eines schnellen mobilen Internets kostet die Mobilfunkkonzerne viele Milliarden. Laut Telekom-Deutschlandchef van Damme erwägen die Unternehmen daher eine Kooperation - ein absolutes Novum in der von Konkurrenzkämpfen geprägten Branche.


Hamburg - Die Telekom bemüht sich um Partner beim Aufbau der superschnellen LTE-Mobilfunknetze. Vereinbarungen über eine Zusammenarbeit könnten noch vor Jahresende zu Stande kommen, sagte Niek Jan van Damme, der Deutschlandchef des Konzerns, der "Financial Times Deutschland". "Es haben bereits einige Gespräche stattgefunden." O2 wollte den Vorgang auf Anfrage nicht kommentieren.

Im Frühjahr hatten Telekom, Vodafone und O2 für 3,6 Milliarden Euro neue Mobilfunk-Frequenzen ersteigert. Ein Großteil des Geldes ging für die Ersteigerung der LTE-Frequenzen drauf (siehe Infobox links). Die Auktion legte die Daten-Überflugrechte im deutschen Luftraum bis Ende 2025 fest. Die verantwortliche Bundesnetzagentur, Deutschlands oberste Behörde für die Weiterentwicklung der Infrastruktur, wollte durch die Versteigerung den Bau einer Datenautobahn vorantreiben.

Bis Ende 2010 soll jeder deutsche Haushalt mit mindestens einem MBit pro Sekunde versorgt werden, bis 2014 sollen drei Viertel der Haushalte 50 MBit pro Sekunde bekommen. Das mobile Netz soll sich dann anfühlen wie das stationäre Netz zu Hause.

Voraussetzung für das mobile Internet auf Speed ist der LTE-Standard, doch dessen Ausbau kostet die Mobilfunkkonzerne viele Milliarden. Die Kosten steigen zusätzlich, da die Bundesnetzagentur die Konzerne dazu verdonnert hat, zuerst ihre Mobilnetze auf dem Land auszubauen; dazu ist zum Teil der Aufbau völlig neuer Infrastrukturen nötig. Daher bemüht sich die Telekom um eine Kooperation.

Der Konzern will laut van Damme 2011 auch ihr bestehendes Netz schneller machen. "Wir peilen Spitzengeschwindigkeiten von 42 Megabit je Sekunde an", sagte er. Bislang liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 14,4 Megabit pro Sekunde. Dem Telekom-Deutschlandchef zufolge steigt die Datennutzung bei höherer Geschwindigkeit um 10 bis 15 Prozent. Da Kunden oft Pauschaltarife haben, weiß van Damme allerdings nicht, "ob das immer auch zusätzliche Umsätze bedeutet".

Die Konzerne erwarten, dass durch den Boom mobiler Endgeräte wie Smartphones, Laptops, Netbooks oder Tablet-PC künftig immer mehr Menschen via Mobilfunk im Internet surfen. Nach Angaben der Bundesregierung hat sich das Datenvolumen in Deutschland binnen zwei Jahren verzehnfacht - von 3,5 Millionen Gigabyte im Jahr 2007 auf 33,5 Millionen im Jahr 2009.

ssu/dpa-AFX



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