Schnüffel-Software Goldman Sachs scannt Mitarbeiter-Mails nach Flüchen

Goldman Sachs kämpft gegen "dreckige Geschäfte" - zumindest rhetorisch: Die US-Bank verschärft ihre Software-Scans nach belastenden Ausdrücken in Firmen-Mails. Im Rahmen eines Betrugsskandals musste sich das Geldhaus wegen solcher Zitate öffentlich verantworten.

Goldman-Sachs-Zentrale: Nie wieder "dreckige Geschäfte"
REUTERS

Goldman-Sachs-Zentrale: Nie wieder "dreckige Geschäfte"


New York/Frankfurt - Goldman Sachs zieht fragwürdige Konsequenzen aus einer Betrugsaffäre: Die US-Bank hat ihren Mitarbeitern verboten, Kraftausdrücke in E-Mails zu verwenden. Fäkalsprache geht nicht mehr durch - dafür sorgen ein elektronischer Filter und menschliche Kontrolleure, die die Mitarbeiter bei einem Ausrutscher auch mal herbeizitieren, heißt es aus der Bank.

Die teils rüden Umgangsformen in der Bank waren im Laufe der Kongressanhörungen an die Öffentlichkeit gelangt. So hatte ein Mitarbeiter in einer internen E-Mail eine der ins Zwielicht geratenen Transaktionen als "dreckiges Geschäft" bezeichnet ("one shitty deal", siehe interaktive Grafik links). Die Kongressabgeordneten ritten mit Freude auf dieser Entgleisung herum - die immerhin belegte, dass selbst Mitarbeiter der Bank Zweifel an der Rechtschaffenheit von Goldman Sachs' Geschäftsgebaren hatten.

Goldman Sachs reagierte auf die Anhörung - und stellte die Kontrollsoftware schärfer ein. "Natürlich haben wir Richtlinien über die Nutzung von angemessener Sprache", sagte eine Banksprecherin. "Und wir suchen immer nach Wegen, die Umsetzung auch sicherzustellen." Wie das "Wall Street Journal" schrieb, findet der Filter sogar verbotene Wörter, die mit Sternchen verschleiert werden - eine durchaus übliche Praxis in den prüden Vereinigten Staaten.

Goldman Sachs hatte erst vor zwei Wochen die Betrugsklage mit einem Vergleich aus der Welt geschaffen. Die Börsenaufsicht SEC hatte Goldman Sachs unterstellt, Anleger beim Verkauf von Hypothekenpapieren hinters Licht geführt zu haben, indem die Bank ihnen die Rolle eines großen Hedgefonds verheimlichte, der gegen die Wertpapiere wettete. Goldman gab einen Fehler zu und zahlte eine Strafe von 550 Millionen Dollar - von Betrug war keine Rede mehr.

Fragt sich, ob die Bank künftig auch solch fragwürdige Geschäfte stärker begrenzt - oder nur das Gerede ihrer Mitarbeiter darüber.

ssu/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
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hirnwäschebefreit 29.07.2010
1. Samuel + Lloyd, die Gott AG
Bei GoldmanSachs wird halt ganz im göttlichen Auftrag Panik und Verwirrung über die Völker dieser Welt gebracht. Wie der auserwählte Lloyd schon sagte: "Wir tun Gottes Werk". (AT, 5.Buch Mose, Deuteronomium, Kapitel 7, Vers 16ff ... und das hat Jahwe zwecks Niederschrift und Verkündung zu Mose gesagt. Beides keine ausgesprochenen Antisemiten. Nicht das gleich Lieschen und Hans Müller wieder diese ekelhafte Pseudomoralkeule schwingen.)
Family Man 29.07.2010
2. Wer Zeit hat...
... erfährt bei Nina Hagens Gästen, was es mit "Gottes Werk" an sich hat. ab 4:17 http://www.youtube.com/watch?v=a5EBvfs9RX8&feature=related
weltbetrachter 29.07.2010
3. ehrbarer Kaufmann
Wer nach dem Kodex des "ehrbaren Kaufmanns" arbeitet und alle Menschen mit gebührendem Respekt begegnet, der braucht so eine Software nicht. Ebenso kann man sich dann auch die zusätzlich Überwachung durch Personal sparen. Es mag evt. der Geldgewinn kleiner sein, die Achtung der Menschen gegenüber dem Unternehmen steigt in ungeahnte Höhen. Das ist mehr wert als Geld.
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