Marktreaktionen Schottisches Nein lässt Pfund steigen

Mit Erleichterung haben Investoren das Scheitern des Unabhängigkeitsreferendums aufgenommen: Der Kurs des britischen Pfunds steigt. Auch britischen Aktien dürfte ein guter Handelstag bevorstehen.

Pfund-Symbol im schottischen Dunbar: Zehn-Monats-Tief überwunden
AP/dpa

Pfund-Symbol im schottischen Dunbar: Zehn-Monats-Tief überwunden


London - Nach dem Scheitern des Referendums für eine Unabhängigkeit Schottlands hat das britische Pfund am Freitagmorgen zugelegt. Die Währung des Königreichs wurde zwischenzeitlich mit 1,6473 Dollar und 1,2753 Euro gehandelt - jeweils etwa ein halbes Prozent höher als am Vortag. Anschließend gab die Währung einen Teil der Zugewinne wieder ab. Die schottische Unabhängigkeitsbewegung hatte zuvor die Niederlage beim Referendum über die Loslösung von Großbritannien eingeräumt.

Der Pfund-Kurs war bereits in den vergangenen Handelstagen deutlich gestiegen, nachdem jüngste Umfragen ein Scheitern der Unabhängigkeitsbewegung angedeutet hatten. Zuvor war die britische Währung aber kräftig unter Druck geraten. Noch in der vergangenen Woche hatte das Pfund mit 1,6051 Dollar ein Zehn-Monats-Tief erreicht.

Die schottische Regierung wollte das Pfund im Fall einer Abspaltung behalten und strebte eine Währungsunion mit England an. Die britische Regierung hatte dies jedoch kategorisch ausgeschlossen.

Kursgewinne werden am Freitag auch bei britischen Aktien erwartet, bei Blue Chips zeichneten sich Zuwächse von rund 1,2 Prozent ab. Dagegen sanken die Versicherungskosten für starke Kursschwankungen des Pfund in der kommenden Woche. Mussten besorgte Investoren am Donnerstag noch knapp zwölf Prozent bezahlen, so waren es am Freitag nur noch knapp sechs Prozent.

"Großes Risiko für britisches Wachstum fällt weg"

"Das Votum mit 'Nein' beendet die riesige politische und ökonomische Unsicherheit einer Auflösung der 307 Jahre alten Union", schrieben Analysten der Großbank HSBC am Freitag. "Ein großes Risiko für das britische Wachstum fällt weg."

"Der Markt kann sich wieder den ökonomischen Themen des weiterhin vereinigten Königreichs widmen", kommentierte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. Der Kurs des Euro zum Pfund werde wohl weiter sinken, da die Schere zwischen der Geldpolitik der Bank of England und der Europäischen Zentralbank immer weiter auseinandner gehe. Der Euro fiel auf ein Zwei-Jahres-Tief von 0,7811 Pfund.

Börsianer gehen davon aus, dass die britische Notenbank zum Jahreswechsel die Zinsen wieder anheben wird. Von den europäischen Währungshütern erwarten sie dagegen weitere Geldspritzen zur Ankurbelung der schwächelnden Konjunktur in der Euro-Zone.

Der Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich dürfte zusammen mit starken Vorgaben der US-Börsen auch dem Dax Chart zeigen zugutekommen. Händler erwarteten beim deutschen Leitindex ein Plus von rund 0,7 Prozent.

Die Ölpreise gaben am Morgen nur leicht nach. Ein Barrel der Nordseesorte Brent Chart zeigen zur Lieferung im November kostete 97,60 US-Dollar. Das waren zehn Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass US-Rohöl der Marke WTI zur Auslieferung im Oktober fiel um 16 Cent auf 92,91 Dollar.

Wegen der möglichen Auswirkungen einer Unabhängigkeit auf den britischen Finanzmarkt, die Zukunft der EU und Nato sowie die Währungsfrage in Schottland war das Referendum auch in der Wirtschaft mit großer Aufmerksamkeit verfolgt worden.

dab/dpa/Reuters



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Christy Mack 19.09.2014
1. Marktrally
GBP/USD & GBP/JPY steigen seit Freitag rasant an. Grund dafür ist aber nicht, dass Investoren das Abstimmungergebnis vorhergesehen haben, sondern wie immer im Fall einer abzusehenden Krise Kapital aus dem Ausland abziehen und zwar nach Hause in die heimischen Bankhäuser. Deswegen stiegen übrigens auch, wenn dennoch moderat auch sämtliche Eurobasierten Werte.
Pandora0611 19.09.2014
2. Die Spekulanten jubilieren, Schottland trägt Trauer
---Zitat--- Mit Erleichterung haben Investoren das Scheitern des Unabhängigkeitsreferendums aufgenommen: Der Kurs des britischen Pfunds steigt. ---Zitatende--- Die Aktienkurse steigen, der Kurs des Pfundes ist gestiegen, aber Schottland befindet sich weiterhin in der Knechtschaft von London. Sie hatten die Möglichkeit, sich per Referendum von der Knechtschaft zu befreien, haben es aber nicht genutzt. Jetzt müssen sie damit leben.
MiniDragon 19.09.2014
3.
Die Mehrheit der Schotten hat nachgedacht und ihren emotionalen Nationalismus überwunden.
see_it with_your_own_eyes 19.09.2014
4. Achsoooooo
Auch nicht schlecht. Womit man eine Wirtschaft ohne echte Substanz aufwerten kann: Mit einem gesteuerten(?) Verlust einer Unabhängigkeitsabstimmung eines Landesteils. Schon "beeibdruckend" was Spekulanten sich so alles ausdenken. Ok warn Scherz... oder? ;-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.