Datenschutz-Grundverordnung Behörde prüft Auskunftspraxis der Schufa

Wer von der Schufa eine elektronische Auskunft über seine Daten haben möchte, muss zahlen. Dieses Verfahren könnte laut einem Zeitungsbericht durch die DSGVO gefährdet sein.

DPA


Der hessische Datenschutzbeauftragte prüft, ob die Auskunftspraxis der Schufa mit der neuen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vereinbar ist. Das berichtet die "Welt". Demnach sieht die Behörde die Praxis der Schufa kritisch, nur auf dem Postweg kostenlos über gespeicherte Daten Auskunft zu geben.

Die DSGVO sieht vor, dass Verbraucher "eine Kopie" der über sie gespeicherten personenbezogenen Daten kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen - nur für "weitere Kopien" dürfen Unternehmen dafür Verwaltungskosten berechnen. Zudem sieht die Verordnung vor, dass die Auskunft auf elektronischem Wege erfolgen muss, wenn der Antrag selbst auch auf diese Weise gestellt wird. Letzteres ist bei der Schufa derzeit grundsätzlich nicht möglich. Gegenüber der "Welt" teilte ein Referent der hessischen Datenschutzbehörde mit, er habe die Schufa diesbezüglich zu einer Stellungnahme aufgefordert und prüfe, inwiefern ihre Praxis zulässig sei.

Bei der Schufa zeigt man sich darüber überrascht. Das Verfahren, wonach Auskunfteien die DSGVO-Auskunft in der Regel nur postalisch zustellen, sei sowohl mit der hessischen Aufsichtsbehörde als auch mit dem Zusammenschluss aller Aufsichtsbehörden der Länder abgestimmt. Hintergrund sei der Datenschutz: Die Schufa müsse die Identität eines Verbrauchers eindeutig feststellen, bevor sie ihm Auskunft erteile. Für eine elektronische Auskunft müsste sie also auf aufwendige Verfahren wie etwa das Postident-Verfahren oder eine elektronische Signatur zurückgreifen. Auf dem Postwege sei hingegen eine sichere Zustellung an den berechtigten Empfänger ohne diesen Aufwand möglich. Daher seien auch die Aufsichtsbehörden mit diesem Vorgehen einverstanden.

Die Schufa bietet durchaus an, online "Ihre bei der Schufa gespeicherten Daten kennen und prüfen" zu können, wie sie auf ihrer Website schreibt. Das ist allerdings nur gegen Bezahlung möglich. Konkret ist ein kostenpflichtiges "MeinSchufa"-Abo Voraussetzung, das allerdings nicht allein eine Datenabfrage, sondern auch noch weitere Dienstleistungen enthält.

Ein Zeitgewinn gegenüber der postalischen Auskunft ist allerdings auch mit dem kostenpflichtigen Angebot nur bedingt möglich. Nur wer bereits bestehender zahlender Kunde ist, kann seine Daten unverzüglich abrufen. Wer sich neu anmeldet, muss sich per Prüfziffern des Personalausweises identifizieren und dann auf die Zugangsdaten warten - die die Schufa wiederum per Post verschickt. E-Postbrief-Kunden erhalten sie schon am gleichen Tag, alle anderen müssen mehrere Tage auf einen Papierbrief warten. Fordert man seine Daten als kostenlose DSGVO-Auskunft an, erhält man diese per Post in der Regel in ein bis zwei Wochen.

Das Projekt OpenSchufa

Die Schufa steht seit längerem in der Kritik von Verbraucherschützern. Unter anderem geht es dabei um die Algorithmen, die das Unternehmen verwendet, um die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern zu bewerten. Die Initiative OpenSchufa der beiden Nichtregierungsorganisationen AlgorithmWatch und Open Knowledge Foundation versucht nun, diese Algorithmen transparent zu machen und ruft zur Datenspende auf. Sie will möglichst viele Schufa-Auskünfte sammeln, um mehr über das Schufa-Scoring herauszufinden. Datenjournalisten des SPIEGEL und des Bayerischen Rundfunks werden die Daten anschließend auswerten.

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde nachträglich angepasst. Ursprünglich erweckte er den Eindruck, Verbraucher könnten ihre Daten unverzüglich bzw. schneller als auf dem Postweg einsehen, wenn sie ein kostenpflichtiges "MeinSchufa"-Abonnement abschließen. Das ist für Neukunden allerdings nicht zutreffend, diese müssen sich identifizieren und erhalten dann ihre Zugangsdaten per Brief oder E-Postbrief. Nur bereits bestehende "MeinSchufa"-Kunden können ihre Daten unverzüglich online einsehen. Zudem haben wir die Stellungnahme der Schufa zum Sachverhalt ergänzt und die Meldung dahingehend präzisiert, dass die hessische Datenschutzbehörde nicht das Geschäftsgebaren, sondern die Auskunftspraxis der Schufa prüft.

fdi



insgesamt 26 Beiträge
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rainercom 11.06.2018
1. In meinen Augen
ist die Schufa ein Staat im Staate geworden. jetzt nach Jahren in dem dieser Verein sein Unwesen getrieben hat soll aufgeräumt werden. Das ist der berühmte Kampf gegen Windmühlen-Flügel.
Spiegelleserin57 11.06.2018
2. Datenspeicherung...schon wieder ?
"Sie will möglichst viele Schufa-Auskünfte sammeln, um mehr über das Schufa-Scoring herauszufinden." Schon wieder Datenspeicherung...aber nur Einverständnis der Dateninhaber. Auch hier gilt der Datenschutz!
dodgerone 11.06.2018
3. Skuril
Es mutet schon skuril an. Ganz Deutschland hat Angst vor der DSVGO... nur die Schufa macht weiter wie in den 80ern, als ob sie das alles nicht betrifft... warum trauen sich da keine mutigen Anwälte ran?
Spiegelleserin57 11.06.2018
4. Bayern ?
ohoh, dieses Land hat seine eigenen Regeln und dort möchte ich meine Daten nicht wiedersehen, auch nicht bei dessen Journalisten denn diese müssen sich an das bayrische Recht halten und Herr Söder hat da seine ganz eigene Politik!
hilj 11.06.2018
5. Und wer die Selbstauskunft anfordert, gibt Daten heraus
Mit der Selbstauskunft muss man zustimmen, das die dabei vin einem persönlich übermittelten Daten der Datenbank der Schufa uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Also im besten Fall Name Geburtsname, Adresse, Photo, Ausweisnummer, Größe Augenfarbe. Dies führt den Datenschutz gedanken absurdum.
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