Schuldenabbau: Porsche-Aktionäre segnen Kapitalerhöhung ab

Die Debatte dauerte zehn Stunden, am Ende stimmten die Porsche-Aktionäre der Ausgabe neue Anteilsscheine zu. Mit dem Erlös will der Sportwagenbauer die Schulden senken - und die Fusion mit Volkswagen endgültig absichern.

VW-Vorstandschef Winterkorn: "Grundlage für die Zukunft legen" Zur Großansicht
dapd

VW-Vorstandschef Winterkorn: "Grundlage für die Zukunft legen"

Stuttgart - Die Verschmelzung von Porsche und Volkswagen ist einen Schritt näher gerückt. Auf der Hauptversammlung der Porsche-Dachgesellschaft in Stuttgart haben die Aktionäre den Weg zu einer Kapitalerhöhung freigemacht. Die Anteilseigner stimmten am Dienstagabend mit überwältigender Mehrheit für die Ausgabe neuer Aktien.

Die Kapitalerhöhung ist von den Inhabern der Stamm- und Vorzugspapiere zu gleichen Teilen zu tragen und soll bis Ende Mai kommenden Jahres stattfinden. Bei den Stammaktionären betrug die Zustimmung 100 Prozent, bei den Vorzugsaktionären mehr als 88 Prozent. Erforderlich wären jeweils 75 Prozent Zustimmung gewesen. Die Stammaktien gehören zu 90 Prozent den Familien Porsche und Piech, sowie zu 10 Prozent dem Scheichtum Katar, hier war die Zustimmung sicher. Anders sah es bei den Vorzugsaktien aus. Sie sind breit gestreut unter Fonds, Banken und Privatanlegern. Auch die Familien halten Vorzüge.

Vorher hatte es eine mehr als zehnstündige Debatte über die Kapitalpläne gegeben. Viele Kleinaktionäre kritisierten die geplante Kapitalerhöhung. Sie hielten dem vor allem mit Familienaktionären besetzten Aufsichtsrat Interessenskonflikte und Missmanagement im Zuge der missglückten Übernahme von VW vor. Dagegen hatte Aktionärsgruppen wie der Fonds Deka Investment oder die Aktionärsschützervereinigung SDK Zustimmung signalisierten.

Mit dem Votum der Anteilseigner kann der Porsche-Vorstand bis Mitte nächsten Jahres neue Aktien ausgeben und bis zu fünf Milliarden Euro einsammeln. Mit dem Geld will Porsche einen großen Teil der Schulden aus dem gescheiterten Übernahmeversuch von Volkswagenzurückzahlen. Danach soll nach dem gültigen Zeitplan die Fusion mit Volkswagen bis Ende 2011 folgen. Der Ausgabepreis für die neuen Aktien steht noch nicht fest.

Das Interesse an Porsche-Vorzugsaktien ist derzeit riesig. Der Kurs stieg im November um mehr als 50 Prozent, liegt aber immer noch 100 Euro unter dem Kurs des Jahres 2007.

Winterkorn will Toyota verdrängen

Volkswagen-Vorstandschef Martin Winterkorn hatte zuvor um den Segen der Anteilseigner geworben. "Damit können wir gemeinsam die Grundlage für eine viel versprechende Zukunft legen", sagte er. Die VW-Hauptversammlung muss das Vorhaben noch absegnen. Gemeinsam mit dem Sport- und Geländewagenbauer Porsche will Winterkorn VW bis 2018 zum weltgrößten Autohersteller aufsteigen und Toyota vom Thron stoßen.

Allerdings bereitete Porsche die Anleger auf eine mögliche Verzögerung bei der Umsetzung der Geldsammelaktion vor. Bisher hatte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch erklärt, die Ausgabe der neuen Aktien solle bis spätestens Ende Mai durchgezogen werden. Jetzt sagte er, die Frist könne sich bis Ende August 2011 verlängern. Klagen in den USA und juristische Probleme in Deutschland könnten die bis Ende 2011 geplante Verschmelzung möglicherweise weiter verzögern, sagte Winterkorn.

Nachdem der mit Spekulationsgeldern finanzierte Übernahmeversuch von Porsche auf Volkswagen im Sommer 2009 gescheitert war, hatte VW den Spieß umgedreht und gliedert nun Porsche als zehnte Automarke in den Konzern ein. Die Porsche SE soll nach der Kapitalerhöhung mit dem VW-Konzern verschmolzen werden.

Fusion könnte sich auch über 2011 verzögern

Risiken für die Kapitalerhöhung und vor allem die Fusion sind noch laufende Gerichtsverfahren. So klagen in den USA mehrere Hedge-Fonds. In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen möglicher Gesetzesverstöße beim Übernahmekampf Porsche-VW.

Volkswagen hält seit Dezember 2009 bereits 49,9 Prozent im Wert von 3,9 Milliarden Euro am operativen Porsche-Geschäft. Der Rest gehört der Porsche Holding SE, die wiederum auch 51 Prozent der VW-Aktien hält. Die hohen Schulden der Porsche Dachgesellschaft könnten dann mit den Milliarden aus dem Kaufpreis des operativen Geschäfts und den Einnahmen aus der Kapitalerhöhung abbezahlt werden. VW hat eine Kaufoption für den restlichen Anteil.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr verkaufte Porsche rund 82.000 Autos und fuhr einen Rekordumsatz von 7,8 Milliarden Euro ein. Der operative Gewinn betrug 1,18 Milliarden Euro. Sportwagenchef Matthias Müller will aber 150.000 Fahrzeuge im Jahr absetzen und erweitert deshalb die Modellpalette.

Erst am Montag wurde der Bau eines kleinen Geländewagens beschlossen. In den Monaten August bis Oktober legte Porsche weiter zu. Der Umsatz stieg um 80 Prozent auf 2 Milliarden Euro, der operative Gewinn vervierfachte sich auf rund 400 Millionen Euro.

jok/dapd/Reuters

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