Schuldenangst So profitieren Sie von der Euro-Krise

An der Börse herrscht Chaos, der Euro rutscht und rutscht. Manche Anleger flüchten bereits aus dem gemeinsamen Währungsraum. Und tatsächlich: Außerhalb der Euro-Zone finden sich interessante Investmentalternativen - vor allem in Rohstoff- und Schwellenländern.

Aktienhändler in Frankfurt (im April): Vieles spricht für eine längere Talfahrt des Euro
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Aktienhändler in Frankfurt (im April): Vieles spricht für eine längere Talfahrt des Euro

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Hamburg - Der Euro steckt in einer dramatischen Krise. Trotz des Hilfspakets für Griechenland ist der Kurs der Gemeinschaftswährung in dieser Woche drastisch gesunken. Im Verhältnis zum Dollar ist der Euro Chart zeigen bereits so günstig wie seit über einem Jahr nicht mehr. Und das Chaos, das die Wall Street am Donnerstag erlebte, zeigt, wie sich die Situation weiter zuspitzt.

Die Botschaft ist klar: Trotz der historischen Sparanstrengungen der griechischen Regierung und trotz des 110-Milliarden-Euro-Hilfsplans der EU und des IWF glaubt an den Märkten kaum noch einer an ein Happy End.

Im Gegenteil: Vieles spricht dafür, dass sich die Talfahrt des Euro fortsetzen wird. Denn den Politikern in Berlin, Brüssel und Athen steht ein schier übermächtiger Gegner gegenüber: ein Heer von Spekulanten in Banken, bei Hedge- und Pensionsfonds in aller Welt. Sie alle führen einen "Angriffskrieg gegen die Euro-Zone", wie Jochen Sanio, Chef der Finanzaufsicht Bafin, am Mittwoch im Haushaltsausschuss des Bundestages formulierte.

Nick Beecroft, Währungsanalyst bei der Saxo Bank, vergleicht das Szenario gar mit den Krisen des Europäischen Währungssystems (EWS) der achtziger und neunziger Jahre, als global agierende Finanzjongleure schon einmal die Oberhand über Europas Polik behielten. "Wir werden Zeuge des Todeskampfs einer Währungsunion", schreibt Beecroft in einer aktuellen Analyse. Die europäische Gemeinschaft sei "wehrlos, weil sie nicht gleichzeitig eine politische und eine finanzwirtschaftliche Union ist".

"Die Stabilität des Euro steht auf dem Spiel"

Die Spekulanten, so der Analyst, schmecken wieder Blut. Denn sie wissen, dass die EU und der IWF nach der Rettung Griechenlands schlicht nicht die nötigen Mittel hätten, auch Portugal, Irland, Italien und Spanien zur Seite zu springen. Die größere Finanzpower der Banker und Hedgefondsmanager weltweit werde vielmehr den Konflikt entscheiden. Selbst die im Vergleich zu Griechenland etwas bessere Schuldensituation in Portugal, Spanien und Italien werde da letztlich irrelevant sein, so Beecroft.

Beecroft ist nicht der Einzige, der bereits an ein nahes Ende oder zumindest an einen weiteren Absturz des Euro denkt. "Wir befinden uns in einer fundamentalen Krise, es steht wirklich die Stabilität des Euro auf dem Spiel", sagte zum Beispiel Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Donnerstag in Berlin. Und Anton Börner, Präsident des Exportverbands BGA, kann sich "eine Parität des Euro im Vergleich zum Dollar bis zum Jahresende vorstellen" - also ein Kursverhältnis von einem Euro zu einem Dollar.

Doch was heißt das für Privatanleger? Müssen sie ihre Investments nun drastisch umschichten?

Tatsächlich können Sparer, die an eine dauerhafte Euro-Schwindsucht glauben, ihr Portfolio entsprechend in Stellung bringen. Ohnehin scheint der deutsche Aktienmarkt derzeit weitgehend ausgereizt zu sein; positive Nachrichten oder erfreuliche Unternehmenszahlen werden kaum honoriert, negative lösen dagegen im Dax Chart zeigen regelmäßig Rückschläge aus.

Rekordhoch beim Goldpreis

Viele Investoren reagieren daher bereits mit einer Flucht in Edelmetalle und Rohstoffe. Der Goldpreis Chart zeigen in Euro etwa erreichte jüngst ein neues Rekordhoch, auch Silber und Platin sind gefragt.

Burkhard Allgeier hält zudem Staatspapiere für die beste Alternative. "Wer der Meinung ist, dass der Euro weiter an Wert verliert, kann das auch nutzen", sagt der Chefvolkswirt und Teamleiter Investment Research bei der Privatbank Hauck & Aufhäuser. "Am attraktivsten dürften kurzlaufende Anleihen guter Bonität sein." Im Falle eines Euro-Rutsches seien Rohstoffwährungen wie etwa die norwegische Krone sowie der australische oder der kanadische Dollar sowie Währungen aus Schwellenländern zu bevorzugen.

Analyst Beecroft sieht es ähnlich. In seinen Vorhersagen bezeichnet er US-Staatsanleihen als klare Gewinner. "Wie im vierten Quartal 2008 werden der US-Dollar und US-Staatspapiere die Hauptnutznießer der Entwicklung sein", schreibt er. Es sei gut möglich, dass die Rendite zehnjähriger US-Anleihen von derzeit 3,55 Prozent auf bis zu 2,5 Prozent sinken werde. Im Klartext: Wer jetzt einsteigt, könnte Kursgewinne mitnehmen.

"Andere Währungen haben ebenfalls Probleme"

Von einer vollständigen Flucht aus dem Euro allerdings raten die meisten Experten ab. "Andere Währungen weisen ebenfalls viele Probleme auf", sagt Klaus Schrüfer, Chefvolkswirt der SEB Bank. "Daher sollte ein Anleger auf keinen Fall den Euro komplett meiden."

Die Staatsverschuldung in den USA etwa stimmt laut Schrüfer auch nicht gerade optimistisch. "Die Defizitquote lag, gemessen an der Wirtschaftsleistung, im vergangenen Jahr bei elf Prozent", sagt er. "Im laufenden Jahr dürfte sie allenfalls leicht zurückgehen." Gleichzeitig übertreffe die Schuldenquote der USA, als Anteil am Bruttoinlandsprodukt, mit über 85 Prozent das Niveau in der Euro-Zone von 79 Prozent Ende 2009. Schrüfer rät daher allenfalls zu einem teilweisen Engagement in US-Dollar.

Aufwertungspotential sieht er dagegen für die schwedische Krone. "Die Konjunktur dort dürfte sich stärker erholen als in der Euro-Zone", erklärt der Ökonom. "Zudem wird die schwedische Reichsbank die Leitzinsen voraussichtlich bereits im Juli 2010 anheben und damit früher als die EZB, die mit einem solchen Schritt mindestens bis Frühjahr 2011 warten dürfte."

Amerika, Japan, Schwellenländer

Auch Hannes Peterreins hält es für sinnvoll, stets einen Prozentsatz seines Vermögens in fremden Währungen anzulegen. 16 Prozent Amerika, 12 Prozent Japan, 9 Prozent Schwellenländer - so stellt sich der Vermögensverwalter aus München eine vernünftige Allokation vor.

Angesichts der aktuellen Entwicklung von einer bereits festgelegten Verteilung abzuweichen, ist für ihn allerdings eine "schlechte Idee". "Das wäre eine prozyklische Anlageentscheidung, die Anleger erfahrungsgemäß viel Geld kostet", sagt Peterreins. "Für einen Anleger, der im Euro-Raum lebt, ist der Devisenkurs zunächst ohnehin relativ egal."

Der Investmentprofi erinnert daran, wie unvorhersehbar die Entwicklung der Märkte sein kann: "Man denke einmal neun Monate zurück", sagt er. "Damals hatte der US-Dollar einen Schwächeanfall und sehr viele Leute waren der Meinung, dass er noch weiter an Wert verlieren würde. Heute sieht man, wie schnell alles anders kommen kann."

Peterreins' Fazit daher: Wer einen langfristigen Anlagehorizont und genug Nerven hat, der sollte genau jetzt in europäische Aktien investieren. "Das jedenfalls ist antizyklisch gedacht", sagt er. "Es ist aber psychologisch sehr schwierig."



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DJ Doena 08.05.2010
1. flatsch
Jeder der sich Investment-Tips von einem Spiegel-Online-Artikel holt, hat es nicht besser verdient, wenn er damit auf die Schn**ze fällt...
Waldknobi 08.05.2010
2. Pofitieren ...
... und immer wenn jemand "profitiert" - muss es jemand geben, der stattdessen verliert. die überschrift sollte eher heissen: wie profitiere ich von der not der anderen. kapitalismus ist in seiner reinform KRANK.
Seldon, 08.05.2010
3. Die Karawane zieht weiter?
Zitat von sysopAn der Börse herrscht Chaos, der Euro rutscht und rutscht. Manche Anleger flüchten bereits aus dem gemeinsamen Währungsraum. Und tatsächlich: Außerhalb der Euro-Zone finden sich interessante Investmentalternativen - vor allem in Rohstoff- und Schwellenländern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,693676,00.html
Jeder Versuch, außerhalb der sog. Realwirtschaft mehr aus dem System rauszuholen als drin ist, wird nicht funktionieren. Werte werden nur durch Arbeit geschaffen, eigene oder fremde. Jetzt sollen also "Rohstoff- und Schwellenländer" für den hiesigen Profit sorgen? Wirtschaftswachstum ist das globale Erfolgsmerkmal der kapitalistischen Ökonomie. Die reichen (reifen) kapitalistischen Länder tragen jedoch immer weniger zum Wachstum der Weltwirtschaft bei. Der Anteil der „Entwicklungsländer“ an der Weltwirtschaft wird zunehmend größer. In den neunziger Jahren betrug der Anteil der Entwicklungsländer an der Weltwirtschaft 40 Prozent. Im Jahrzehnt nach 2000 waren es 60 Prozent. Siehe die Grafik (http://marx-forum.de/diskussion/forum_entry.php?id=3900) Damit keine Missverständnisse entstehen: Die Entwicklungsländer entwickeln den Kapitalismus – was sonst? Die Wachstumsraten sind hier größer, weil die Profitraten größer sind. In den reichen Ländern sinkt die Profitrate und damit das Wirtschaftswachstum. Die Weltwirtschaftskrise seit 2008 traf und trifft vor allem den „wächsernen Kapitalismus“ in den reichen Ländern. Das beschleunigt und begünstigt noch die aufholende Entwicklung in anderen Teilen der Welt. Es ist schwer vorstellbar, dass die reichen Metropolen „nach der Krise“ ihre gewohnte Vorherrschaft in der Weltwirtschaft wieder erlangen können. Die spontanen Kritiker des Kapitalismus, die seinen Versprechungen nicht mehr glauben, und die spontanen Verteidiger, die noch auf seine Versprechungen hoffen, werden wohl ihre Hautfarben wechseln. Weiß wird dann zum Symbol der Wachsbleiche. Braun, Gelb und alle anderen Hautfarben werden zu kapitalistischen Hoffnungsträgern. Der Fall der Profitrate ist die wahre und eigentliche Ursache der jetzigen Finanz- und Wirtschaftskrise. Der Fall der industriellen Profitrate wirkt aber weiter, und die fiktiven Profite aus den Finanzspekulationen landen spätestens dann auf dem harten und tiefen Boden der wirtschaftlichen Fakten, wenn sie massenhaft und von vielen gleichzeitig realisiert, das heißt in Geld umgewandelt werden sollen. Wie schon mehrmals an dieser Stelle betont: Das dicke Ende kommt noch. Grund der Krise (http://marx-forum.de/diskussion/forum_entry.php?id=3888)
diplomkaufmann 08.05.2010
4. Todeskampf einer Währung
Zitat von sysopAn der Börse herrscht Chaos, der Euro rutscht und rutscht. Manche Anleger flüchten bereits aus dem gemeinsamen Währungsraum. Und tatsächlich: Außerhalb der Euro-Zone finden sich interessante Investmentalternativen - vor allem in Rohstoff- und Schwellenländern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,693676,00.html
Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf. Was da an diesem Wochenende in Brüssel im Eilverfahren ausgebrütet wird, ist nur noch ein letztes Aufbäumen einer verzweifelten Politikerschar, die sich immer noch weigert, die Realität zur Kenntnis zu nehmen. Am Montag wird sich zeigen, dass die dort ausgeheckten Maßnahmen das Papier nicht wert sind, wenn der Markt seinen Angriff auf den Euro fortsetzt. Ich habe schon vor Wochen begonnen, alle Euroanleihen in Gold und Sachwerte umzutauschen, meine Renditeerwartungen wurden allerdings Dank der Europolitik bei weitem übertroffen.
sitiwati 08.05.2010
5. naja, an wen
Zitat von DJ DoenaJeder der sich Investment-Tips von einem Spiegel-Online-Artikel holt, hat es nicht besser verdient, wenn er damit auf die Schn**ze fällt...
geht die Botschaft, an den Normalbürger, der vielleicht einige € auf dem Sparbuch hat, tja, ich seh, wies damals war, als das ganze Volk Aktienhandel betrieb, jeden Morgen am Telefon, man warf mit tausenden von Mark ( damals ) um sich ! Klar, icxh mach jetzt auch Termingeschäfte : 100€ auf das indonesische Bioöl und 100 € inverstier ich in Schokolade aus Dingsbums!
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