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Schuldenatlas: Wo die Milliarden deutscher Banken stecken

Ist die Euro-Krise eine Gefahr für Deutschlands Banken? 2,4 Billionen Euro haben sie ins Ausland verliehen - an Unternehmen, Staaten, Finanzinstitute. Ein Teil der Summe befindet sich in Krisenländern wie Irland oder Portugal. Der SPIEGEL-ONLINE-Schuldenatlas zeigt, wo wie viel Geld steckt.

Skyline von Frankfurt am Main: 318 Milliarden Euro für europäische Krisenländer Zur Großansicht
dapd

Skyline von Frankfurt am Main: 318 Milliarden Euro für europäische Krisenländer

Hamburg - In der Finanzkrise hat es Deutschlands Banken hart erwischt - Institute wie die Hypo Real Estate Chart zeigen oder die Commerzbank Chart zeigen mussten vom Staat gerettet werden. Nun steht die Euro-Krise im Fokus der Öffentlichkeit: Kann sie die Geldhäuser erneut ins Chaos stürzen?

Tatsächlich sind die Schuldenprobleme von Ländern wie Griechenland oder Irland den deutschen Banken nicht egal. Denn die Institute haben gigantische Summen im Ausland investiert. Insgesamt sind es mehr als 2,4 Billionen Euro, die sie an Unternehmen, Staaten und andere Banken auf der ganzen Welt verliehen haben.

Mit wie vielen Milliarden die deutschen Banken wo investiert sind, melden sie jeden Monat an die Bundesbank. Die neuesten verfügbaren Zahlen stammen von Ende August - sie zeigen, in welchen Ländern wie viel Geld steckt (siehe Karte unten).

Natürlich ist damit noch nichts über die Gefährlichkeit der Investitionen gesagt. Ein Kredit, der an ein gesundes spanisches Unternehmen vergeben wurde, kann sicherer sein als ein Darlehen an einen notorischen Pleitier in Deutschland. Dennoch bieten die Daten einen guten Überblick über das Netz der europäischen Finanzströme: Sie zeigen, wie stark die deutschen Banken in internationale Geschäfte verstrickt sind - und wie sehr sie ein möglicher Schock im Ausland treffen würde.

318 Milliarden Euro für Griechenland, Irland, Portugal und Spanien

Dies gilt vor allem für die europäischen Partnerländer. Insgesamt 1,5 Billionen Euro haben die Banken in der EU investiert, zu zwei Dritteln ist das Geld in Mitgliedstaaten der Währungsunion geflossen. Die genaue Aufteilung in der Euro-Zone gibt ebenfalls interessante Einblick: 405 Milliarden Euro haben die deutschen Banken an andere Finanzinstitute verliehen, 457 Milliarden an Unternehmen und 131 Milliarden an öffentliche Haushalte. Macht insgesamt knapp eine Billion Euro.

Fast jeder achte Euro, den deutsche Banken im Ausland verliehen haben, ging nach Griechenland, Irland, Portugal und Spanien. Insgesamt summieren sich die Forderungen gegenüber Gläubigern in diesen vier Ländern auf 318 Milliarden Euro - ein Betrag, so groß wie der Bundeshaushalt.

Da in der Euro-Krise vor allem die Staatsschulden relevant sind, lohnt sich auch hier ein genauer Blick: Den öffentlichen Haushalten in Griechenland, Irland, Portugal und Spanien haben die deutschen Banken 46 Milliarden Euro geliehen. Sollte es also zu einer Umschuldung in diesen Ländern kommen - wie derzeit diskutiert - müssten die Geldhäuser zumindest einen Teil der Summe abschreiben.

Noch dramatischer werden die Zahlen, wenn man nicht nur die Forderungen der Banken betrachtet, sondern aller relevanten Wirtschaftssubjekte in Deutschland - also auch die der Privatanleger. Dann schulden Griechenland, Irland, Portugal und Spanien den Deutschen nämlich mehr als eine halbe Billion Euro. Das geht aus dem jüngsten Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hervor, der am Sonntag in Basel veröffentlicht wurde.

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1. Inlandsschulden????
Abraksara 14.12.2010
Zitat von sysopIst die Euro-Krise eine Gefahr für Deutschlands Banken?*2,4 Billionen Euro haben sie ins Ausland*verliehen -*an Unternehmen, Staaten, Finanzinstitute. Ein Teil der Summe befindet sich*in Krisenländern wie Irland oder Portugal. Der SPIEGEL-ONLINE-Schuldenatlas zeigt, wo wieviel Geld steckt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,731841,00.html
Mich würde dringend detailliert interessieren, bei wem Deutschland Schulden hat. Wir haben doch rund 1,8 Billion Euro Miese + Zinsen. Vielleicht kann das einer transparent erklären, bitte. Danke
2. x
R Panning, 14.12.2010
Zitat von sysopIst die Euro-Krise eine Gefahr für Deutschlands Banken?*2,4 Billionen Euro haben sie ins Ausland*verliehen -*an Unternehmen, Staaten, Finanzinstitute. Ein Teil der Summe befindet sich*in Krisenländern wie Irland oder Portugal. Der SPIEGEL-ONLINE-Schuldenatlas zeigt, wo wieviel Geld steckt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,731841,00.html
Womit sonst sollen die Länder unsere Exportüberschüsse bezahlen, als mit geliehenem Geld?
3. Banken am Risiko beteiligen
politikverdrossener2 14.12.2010
Zitat von sysopIst die Euro-Krise eine Gefahr für Deutschlands Banken?*2,4 Billionen Euro haben sie ins Ausland*verliehen -*an Unternehmen, Staaten, Finanzinstitute. Ein Teil der Summe befindet sich*in Krisenländern wie Irland oder Portugal. Der SPIEGEL-ONLINE-Schuldenatlas zeigt, wo wieviel Geld steckt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,731841,00.html
Banken investieren in Krisenländer, verdienen an den Zinsen und wenn es hart auf hart kommt, steht der Steuerzahler dafür ein. Außderdem müssen Banken nach Basel II für Kredite an solche Staaten weniger Eigenkapital hinterlegen als für Kredite für ein mittelständisches Unternehmen, welches dadurch Mühe hat, Kredite zu erhalten. Deshalb ist es richtig, die Banken an den Verlusten zu beteiligen. Dann werden sie vorsichtiger. Ansonsten wird das Risiko für den Steuerzahler immer größer.
4. Uuuuuuuuuuui...
Der Bruddler, 14.12.2010
...wacht da mal jemand auf, oder ist das wieder so ein halbgares vor sich hingedämmere. Das sind alles logische Folgen unseres ach so Tollen Exportüberschusses. Geld ohne Gegenwert fließt ins Land und muss irgendwo angelegt werden. Ob das jetzt in Form von Krediten verpufft, oder ob es anderweitig verbrannt wird ist egal. Prinzipiell kann man es auch in der Realwirtschaft einsetzen, dann hätten wir die echte Inflation, welche logische Konsequenz des Exportüberschusses sein müsste. Aber das ist für uns ja nicht so wichtig, es hängen ja Arbeitsplätze dran. Denn Schwachsinn muss man sich mal durchs Hirn gehen lassen. Bei uns ist es angesehen, dass Leute dafür Geld verdienen, dass das Volksvermögen verdummt wird. Wir lassen uns einreden wir sind vom Export abhängig. So ein Schwachsinn. Wie kann man sich davon abhängig machen wollen, seinen Wohlstand aus der Hand zu geben, nichts anderes ist Export ja. Wenn wir abhängig sind, dann vom Import wir benötigen Güter von anderen, da wir diese nicht selbst haben oder herstellen (können). Der Import muss natürlich durch ein Gegengeschäft finanziert werden, aber mehr herzugeben, als man selbst erhält - das nennt man Geschenk. Leider wird es bei uns nicht so tituliert, sonst wären manche Zusammenhänge leichter zu verstehen.
5. nicht die Milliarden der Banken
ergoprox 14.12.2010
Vielleicht sollte der Spiegel mal ein wenig präzisieren. Es sind nicht die Milliarden der "deutschen Banken", sondern die Millarden der deutschen *SPARER*!
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Wie die Euro-Krise gelöst werden könnte
Trotz riesiger Hilfspakete schwelt die Schuldenkrise in der Euro-Zone weiter. Kaum wurde Irland gerettet, geraten mit Portugal und Spanien die nächsten Wackelkandidaten in den Fokus der Finanzmärkte. Doch wie könnte die Krise überwunden werden? Einige Lösungsvorschläge im Überblick.
Die EZB kauft massiv Anleihen
An den Finanzmärkten wird spekuliert, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Retter in der Not spielt. Sie könnte viel Geld in die Hand nehmen und Staatsanleihen der finanzschwachen Euro-Länder aufkaufen. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, sind nach Berechnungen der Anleihenexperten von Evolution Securities in London ein bis zwei Billionen Euro notwendig. "Das Verfahren, von Land zu Land zu springen, hat die Märkte bislang nicht beruhigen können", sagt deren Expertin Elisabeth Afseth. "Der einfachere Weg ist, dass die EZB ihr Aufkaufprogramm hochfährt und große Summen ausgibt." Spanien und Italien müssen im kommenden Jahr zusammen etwa 500 Milliarden Euro an den Kapitalmärkten erlösen. Das wird schwierig und teuer, weil die Investoren hohe Risikoaufschläge verlangen. "Deshalb muss jemand einspringen und helfen", begründet Afseth ihren Vorschlag. Der Vorteil: Die EZB kann rasch helfen. Binnen weniger Tage könnte sie das Kaufprogramm starten. Der Haken: Einige Mitglieder des EZB-Rates werden dem voraussichtlich nicht zustimmen, weil ein solches Vorgehen gegen die Statuten der EZB verstößt, die sich hauptsächlich um stabile Preise kümmern soll. "Das würde sie weiter von ihrem Mandat entfernen und besonders in Deutschland Sorge über die langfristige Stabilität des Euro auslösen", befürchtet Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer.
Erweiterung des EU-Rettungsschirms
In den Euro-Ländern wird bereits darüber diskutiert, das für Notfälle geschnürte Rettungspaket zu vergrößern. Nach den Hilfen für Irland ist es noch mit etwa 650 Milliarden Euro gefüllt. Bundesbankpräsident Axel Weber hat bereits eine Erweiterung ins Spiel gebracht. Ökonomen wie DIW-Präsident Klaus Zimmermann raten dazu, das ursprüngliche Volumen von 750 Milliarden Euro auf 1,5 Billionen zu verdoppeln. Politisch ist das aber nicht so einfach durchsetzbar. In Staaten wie Finnland muss die Zustimmung dafür im Parlament eingeholt werden, was schwierig werden dürfte. Andererseits ist es sinnvoll, einen bereits bestehenden und funktionierenden Krisenmechanismus auszubauen. Er sieht strenge Sparauflagen für die Staaten vor, die Hilfen benötigen. Zudem ist der Internationale Währungsfonds mit an Bord, der die Einhaltung der Auflagen überprüft und über viel Erfahrung im Krisenmanagement verfügt.
Ausgabe von Euro-Anleihen
Diese Idee hat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso einen prominenten Fürsprecher. Eine gemeinsame Anleihe für alle 17 Euro-Länder hatte er bereits vor Monaten gefordert. Allerdings gibt es dagegen starken Widerstand, vor allem aus Deutschland und Frankreich. Beide Länder können sich ohne große Probleme und zu günstigen Konditionen frisches Geld am Kapitalmarkt leihen. Sie müssten ihre hohe Kreditwürdigkeit mit Krisenländern wie Portugal oder Spanien teilen und höhere Zinszahlungen in Kauf nehmen. Sie würden um ihren Lohn gebracht, den sie sich durch vergleichsweise solide Staatsfinanzen verdient haben. Der Nachteil: Die Vorbereitung einer Euro-Anleihe nimmt viel Zeit in Anspruch. Die aktuelle Krise, die Portugal und Spanien zu erfassen droht, ließe sich damit kaum lösen.
China kauft Staatsanleihen aus Europa
Die Volksrepublik besitzt die weltweit größten Devisenreserven. Das Geld ist vorwiegend in US-Staatsanleihen angelegt - insgesamt 1,8 Billionen Doller. China ist damit der größte Gläubiger der USA. "Man muss darüber nachdenken, wer genügend Geld hat, um das Problem zu lösen", sagte ein hoher EU-Offizieller. "Das einzige Land ist China. Wir müssen die Chinesen dazu bringen, EU-Schuldtitel zu erwerben." Allerdings gilt diese Lösung als unwahrscheinlich. Sowohl die EU-Behörden als auch die EZB und die Politik dürften sich dagegen verwahren.
EU beschließt gemeinsame Haushaltspolitik
Die 17 Euro-Länder verfügen über eine gemeinsame Währung und einen gemeinsamen Leitzins, aber nicht über eine gemeinsame Steuer- und Haushaltspolitik. Das hat die Spannungen erst ermöglicht, deretwegen die Währungsunion vor einer Zerreißprobe steht. "Wir brauchen auch eine Art Haushaltsbund", sagt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. "Wir können das erreichen, wenn es eine starke Aufsicht und Kontrolle gibt." Allerdings ist das ein Tabuthema für Deutschland und andere Kernländer der Währungsunion, die kaum einen Teil ihrer Eigenständigkeit abgeben dürften. Politisch wäre dieser Weg deshalb kaum durchsetzbar. Eine Umsetzung würde zudem viele Jahre dauern - zu lange, um die akute Krise zu lösen.

Mini-Serie
AFP

Erst Griechenland und Irland, nun wetten die Märkte schon gegen Portugal, Spanien und Italien. In Europa wächst die Sorge, dass weitere Schuldenländer Milliardenhilfen brauchen. Aber wie groß ist das Risiko wirklich? Und wer könnte der nächste Pleitekandidat sein? Ein Überblick:

Sind Sie ein guter Euro-Retter?
dpa
Die EU legt ein gigantisches Hilfspaket für den Euro auf - Gesamtumfang: 750 Milliarden Euro. Aber blicken Sie bei der größten Wette der Weltgeschichte noch durch? Testen Sie Ihre Euro-Retter-Qualitäten im SPIEGEL-ONLINE-Quiz.


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