Berlin - Es ist gerade einmal drei Tage her, da rügte Josef Ackermann die Pleite-Rhetorik der deutschen Politiker. Nun verhandelt der Deutsche-Bank-Chef selbst an vorderster Front über einen Schuldenschnitt für Griechenland.
Wie die "Bild"-Zeitung meldet, ist Ackermann in seiner Funktion als Vorsitzender des Internationalen Bankenverbandes (IIF) zentral an den Gesprächen beteiligt. Dabei gehe es darum, dass die Banken Griechenland 50 Prozent seiner Schulden erlassen sollten - und zwar formal freiwillig. Ein Sprecher der Deutschen Bank
wollte den Bericht auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht kommentieren.
Ein Schuldenschnitt von 50 Prozent käme einer Pleite Griechenlands gleich. Bisher haben sich die Banken lediglich bereiterklärt, alte griechische Staatsanleihen in neue Papiere zu tauschen und auf 21 Prozent ihrer Forderungen gegenüber dem griechischen Staat zu verzichten. Dazu hatten sie beim Euro-Krisengipfel im Juli eine entsprechende Vereinbarung getroffen.
Doch mittlerweile sind die europäischen Regierungen der Ansicht, dass dies nicht reicht. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte am Sonntag in der ARD, eine dauerhafte Lösung der Krise sei ohne eine Reduzierung der griechischen Gesamtverschuldung unmöglich. Diese Reduzierung werde vermutlich höher sein müssen, als man dies noch im Sommer ins Auge gefasst habe. Ob auch die staatlichen Gläubiger den Griechen einen Teil ihrer Forderungen erlassen wollen, blieb unklar.
In Finanzkreisen heißt es, dass der "Bild"-Bericht plausibel sei. Allerdings sei noch fraglich, wie hoch der Schuldenschnitt genau ausfallen werde.
Eine Einigung bis zum Euro-Gipfel sei unwahrscheinlich
Die Zeit drängt: Bis zum EU-Gipfel am kommenden Sonntag wollen die Euro-Staaten eine Lösung für das hochverschuldete Griechenland präsentieren. Laut "Bild", die sich auf Finanz- und Regierungskreise beruft, ist es allerdings sehr fraglich, ob bis Ende der Woche eine Einigung zustande kommt. Im Bundesfinanzministerium hieß es auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nur, man arbeite intensiv an der Vorbereitung des Gipfels.
Die Hinweise auf eine harte Umschuldung Griechenlands hatten sich zuletzt verdichtet. Um die europäischen Banken darauf vorzubereiten, erwägen die EU-Staaten eine Zwangskapitalisierung für alle Finanzinstitute, deren Eigenkapital bei einem Schuldenschnitt unter eine bestimmte Schwelle sinken würde.
Die Banken wehren sich gegen die geplante Rekapitalisierung - vor allem, weil dabei der Staat zum Miteigentümer der Institute werden könnte. Ackermann selbst hatte die Debatte zuletzt als kontraproduktiv bezeichnet, weil sie Unsicherheit schüre.
Für die großen deutschen Banken dürfte ein 50-prozentiger Schnitt auf griechische Anleihen alleine kein großes Problem sein. Sie haben die meisten Papiere in ihrer Bilanz ohnehin schon auf den Marktwert abgeschrieben, und der liegt meist zwischen 40 und 50 Prozent des Ursprungswerts.
Allerdings fürchten Experten die Kettenreaktionen, die ein griechischer Schuldenschnitt auslösen könnte: Zum einen durch die Banken anderer Länder - allen voran die griechischen Institute -, die einen Schuldenschnitt nicht so ohne weiteres überstehen würden. Zum anderen aber auch durch andere Euro-Staaten, wie Portugal oder Italien, die im Falle einer Griechen-Pleite wieder stärker ins Visier der Investoren rücken würden. Und einen Bankrott Italiens könnten auch die deutschen Banken kaum verkraften.
stk/dpa
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