Schuldenkrise Finanzexperten fürchten Konjunkturdelle

Düstere Aussichten für die deutsche Konjunktur: Laut einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung fürchten Börsenexperten um den Aufschwung. Der ZEW-Index sinkt auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der Krise.

Stahlarbeiter bei ThyssenKrupp-Werk: Konjunkturerwartungen eingebrochen
DPA

Stahlarbeiter bei ThyssenKrupp-Werk: Konjunkturerwartungen eingebrochen


Berlin - Finanzexperten schätzen die Konjunkturaussichten so schlecht ein wie seit drei Jahren nicht mehr. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sind im Oktober um ganze fünf Punkte zurückgegangen - auf minus 48,3 Zähler. Das teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mit.

Der Index gilt als wichtiger Indikator. Das ZEW befragt monatlich rund 300 Börsenexperten zu ihren Konjunkturerwartungen. Diese sanken bereits den achten Monat in Folge; allerdings sind die Rückgänge im Oktober etwas weniger stark als in den vorigen Monaten. Insgesamt schätzen Börsianer die Aussichten so schlecht ein wie seit knapp drei Jahren nicht mehr.

Die Experten fürchten dem ZEW zufolge, "dass die schwelende Staatsschuldenkrise deutsche Unternehmen und Konsumenten dazu veranlassen könnte, Investitionen und Konsumausgaben aufzuschieben". Das ließen Umsatzrückgänge im Einzelhandel und sinkende Neuaufträge in der Industrie befürchten.

Tatsächlich hat sich das Konsumklima in Europa im dritten Quartal deutlich verschlechtert. "Im Sommer herrschte noch der Eindruck, als ob sich die Länder langsam von der Rezession erholen können. Aber jetzt haben wir einen Rückschlag hinnehmen müssen, die Stimmung hat sich verschlechtert", sagte Konsumexperte Rolf Bürkl vom Marktforschungsunternehmen GfK in Nürnberg. In Deutschland ist davon allerdings noch nichts zu spüren. Hierzulande ist der Konsumklimaindex derzeit stabil.

Regierung beschwichtigt

Die Bundesregierung sieht daher keinen Anlass für Schwarzmalerei. "Der deutsche Aufschwung ist nach wie vor intakt", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Bernhard Heitzer.

Andere Experten sind skeptischer. "Wir haben damit gerechnet, dass wir allmählich eine Stabilisierung sehen", sagte etwa Heinrich Bayer von der Postbank. "Stattdessen hat die Skepsis für die kommenden sechs Monate noch zugenommen. Wir bewegen uns in einem Umfeld extremer Unsicherheit angesichts der Schuldenkrise." Die Konjunkturdelle werde aber nicht in eine Rezession münden.

Der Wirtschaft droht der Bundesbank zufolge ein harter Winter. Auch die führenden Forschungsinstitute gehen in ihrem Herbstgutachten davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal schrumpft und Anfang 2012 nur leicht wächst. Während sie für dieses Jahr noch ein Wachstum von 2,9 Prozent vorhersagen, erwarten sie für 2012 nur noch von 0,8 Prozent.

Die Märkte reagierten nervös auf den schlechten ZEW-Index. Der Dax Chart zeigen liegt gegen Mittag deutlich im Minus, der Euro Chart zeigen rutschte zeitweise auf sein Tagestief von 1,3658 Dollar.

ssu/dpa/Reuters



insgesamt 3 Beiträge
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Klaus.G 18.10.2011
1. Experten............
wenn ich dass Wort nur schon lese wird mir übel. Wenn morgen die Bundestagswahl wäre, würden da ganz andere Prognosen stehen. Dann wäre vom XXL Aufschwung und dem tollen Rückgang der Arbeitslosigkeit die Rede. Diese Prognosen sind nicht das Papier wert auf dem sie stehen.
ProDe 18.10.2011
2. wo soll denn die Nachfrage auch her kommen?
wenn in allen Ländern dieser Erde gespart wird - wo soll denn da noch die Nachfrage herkommen?? U.a. eine Folge von Angelas Lobbypolitik, die dieses Finanzkasino sogar noch gefördert hat indem sie auf Rat des Experten Ackermann jede Regelung. Dass dies v.a. DE besonders hart treffen wird, wo wir seit Jahren den Export zu Lasten des Binnenmarktes subventionieren und forcieren ist auch logisch. Wusste schon jeder als die Regierung vom XXL-Aufschwung und Fachkräftemangel gefaselt hat.
_optional_ 18.10.2011
3. .
Gerade in den Tagesthemen (sinngemäß): Trübe Konjunkturaussichten, auch wegen schwacher Binnennachfrage, eine Branche sei allerdings davon ausgenommen, die der Luxusgüterhersteller. Auf diese Klientel "sei Verlass". Boah! Heftig, heftig....
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