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Schuldenkrise: Griechen-Defizit drückt Börsen ins Minus

Der Euro sackte auf den tiefsten Stand seit acht Monaten, die Börsen gaben um bis zu vier Prozent nach: Die Märkte in Asien und Deutschland sind nach den neuen schlechten Nachrichten aus Griechenland ins Minus gerutscht. Die Athener Regierung hatte zugegeben, dass sie ihre Sparziele in diesem Jahr nicht erreicht.

Börsenhändler in Tokio: Neue Hiobsbotschaften aus Athen Zur Großansicht
AFP

Börsenhändler in Tokio: Neue Hiobsbotschaften aus Athen

Tokio/Athen/Frankfurt am Main - Die Märkte in Asien, Australien aber auch in Deutschland haben umgehend auf die neuen Hiobsbotschaften aus Athen reagiert: In Tokio fiel der Nikkei-Index am Montag zu Handelsbeginn innerhalb von zehn Minuten um zwei Prozent auf 8.503.88 Punkte. Auch Meldungen der japanischen Zentralbank über ein verbessertes Geschäftsklima im Land konnten den Markt nicht beleben.

Der Hang-Seng-Index in Hongkong gab um 4,1 Prozent nach und stand bei 16.866,76 Punkten. Der australische S&P-ASX-200-Index stand nach einem Verlust von 2.2 Prozent bei 3.921,90 Punkten. Die Handelsplätze auf dem chinesischen Festland und in Südkorea blieben wegen nationaler Feiertage geschlossen.

Auch der Dax rutschte im frühen Handel um 3,69 Prozent ab auf 5299 Punkte. Am Freitag hatte er bereits mit deutlichen Verlusten geschlossen und zudem mit einem Abschlag von rund 25 Prozent das schwächste Quartal seit neun Jahren verbucht. Der MDax sackte am Morgen um 2,43 Prozent ab auf 8139 Punkte und auch der TecDax verlor 2,29 Prozent auf 648 Punkte.

Die Regierung in Athen hatte am Sonntagabend zugegeben, dass sie ihre Sparziele in diesem Jahr verfehlen wird. Sie rechnet für 2011 mit einem Haushaltsdefizit von 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ursprünglich hatte sich Griechenland verpflichtet, das Defizit in diesem Jahr auf 7,4 Prozent zu drücken.

Wegen der Furcht vor einer Eskalation der Schuldenkrise sackte der Euro im fernöstlichen Handel auf den tiefsten Stand seit acht Monaten. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete 1,3322 Dollar nach einem New Yorker Schlusskurs von 1,3384 Dollar am Freitag. Ein Dollar kostete 76,98 Yen und ein Euro 102,58 Yen . Der Schweizer Franken lag bei 0,9109 Franken je Dollar und bei 1,2143 Franken je Euro .

Der Euro werde wohl in den kommenden Tagen weiter an Boden verlieren, da die Euro-Zone in der Krise gespalten ist und die Gefahr eines griechischen Zahlungsausfalls größer als je zuvor sei, kündigten Händler und Analysten an. "Einige Märkte haben diese Möglichkeit bereits eingepreist, aber es sieht so aus, als ob der Euro in diesem Fall noch ein ganzes Stück Weg nach unten vor sich hat", sagte Teppei Ino von der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ. Griechenland räumte am Sonntag ein, die mit den internationalen Geldgebern vereinbarten Defizitziele zu verpassen.

Der griechische Ministerrat verabschiedete am Sonntagabend den Haushalt für 2012, der erstmals ohne Neuverschuldung auskommen soll. Das Budget sieht Einsparungen von insgesamt 6,6 Milliarden Euro vor. Dies sei mit der sogenannten "Troika" - Experten von EU, EZB und IWF, die grünes Licht für die Auszahlung einer weiteren Kredittranche an Athen geben müssen - vereinbart worden. Experten der Troika prüfen derzeit in Athen, inwieweit die Regierung ihre Sparversprechen umsetzt. Die Experten müssen Athen ein gutes Zeugnis ausstellen, damit die nächste Rate an Hilfskrediten in Höhe von acht Milliarden Euro fließen kann. Ohne die neuen Milliarden-Hilfen wäre Griechenland innerhalb weniger Wochen pleite.

Um die Ausgaben zu drücken, will Athen zudem erstmals seit mehr als 100 Jahren Staatsbedienstete entlassen. Auch darüber beriet der Ministerrat unter Vorsitz von Ministerpräsident Georgos Papandreou. Offizielle Erklärungen dazu gab es zunächst aber nicht.

CDU-Fraktionsvize hält Griechenland für pleite

Konkret geht es um bis zu 30.000 Stellen. Wie griechische Medien übereinstimmend berichteten, sollen bis Jahresende etwa 20.000 Staatsbedienstete, die ein bis zwei Jahre vor der Pensionierung stehen, in Frührente gehen. Weitere 1000 Stellen sollen im Zuge von Behördenschließungen ganz wegfallen. Weitere 6000 bis 7000 auf Zeit beim Staat Beschäftigte sollen ebenfalls gehen. Auch 3000 Angestellte bei Betrieben, die vom Staat abhängig sind, sollen entlassen werden, hieß es.

Der CDU-Fraktionsvize Michael Fuchs hält Griechenland trotz aller Hilfen für zahlungsunfähig. "Griechenland ist pleite", sagte der Wirtschaftspolitiker der "Rheinischen Post". "Wahrscheinlich wird es nicht anders gehen, als dass wir Athen mindestens 50 Prozent seiner Schulden erlassen." Fuchs ist Vorsitzender des einflussreichen Parlamentskreises Mittelstand, dem etwa die Hälfte der Unionsabgeordneten im Bundestag angehören.

Um die Euro-Schuldenkrise geht es am Montag auch beim Treffen der Finanzminister der 17 Euro-Länder in Luxemburg. Über die Auszahlung der acht Milliarden Euro Kredittranche an Griechenland wird die Ministerrunde jedoch noch keine Entscheidung treffen, dafür ist ein Sondertreffen am 13. Oktober geplant. Umstritten ist aber auch noch immer die Forderung Finnlands nach Extra-Garantien für Kredite an Griechenland.

Zentrales Thema des Luxemburger Treffens wird die Ausweitung des Krisenfonds für wackelnde Euro-Staaten EFSF sein. Die Kassenhüter dürften sich dabei über Spekulationen zu einer effektiveren Verwendung der EFSF-Mittel durch die Mobilisierung von Fremdkapital (Hebelwirkung) austauschen. Der Krisenfonds EFSF kann derzeit 440 Milliarden Euro Notkredite vergeben.

als/dpa/Reuters/DAPD

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insgesamt 141 Beiträge
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1. Überraschung!
ragout 03.10.2011
Was für eine Überraschung! Griechenland verfehlt seine Sparziele. Aber wetten, dass die Troika trotzdem gute Fortschritte attestiert und die nächste Kreditrate ausgezahlt wird?
2. Neues?
caraya 03.10.2011
Das ist ja wirklich nicht richtig etwas Neues. Wenn mal wirklich ALLE, und damit sind vor allen Spekulanten und die von denen abhängig gewordenenen Politiker gemeint, auf den Boden der realen Tatsachen zurückkehren würden, gäbe es gar keine Probleme. Leider aber auch keine guten Profite und Nervenkitzel für die gelangweilte Oberschicht. Also hören wir weiter Spekulanten-News als Schlagzeile... Guten Morgen und Gute Nacht.
3. Titel
immigrantin 03.10.2011
Sind unsere Politiker blind? Man kann zu dem Wahnsinn mit der "Euro/Griechenlang-Rettung" sagen: Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er auf's Eis. Unsere Esel führen ganze Völker auf's wirtschaftliche Glatteis. Es sind Wohlstandspolitiker. Sie kennen kein Elend, sie haben Scheu verloren, Unglück anzurichten.
4. Mal sehen, ob schäuble zu seinem Wort steht?
franklinber, 03.10.2011
was sagte er noch,"wenn nicht zu 100% die Forderungen eingehalten werden, gibt es kein Geld vom Rettungsschirm". Da bin ich ja mal gespannt, wie er sich da raus redet? natürlich werden unsere Politiker und vor allem unsere Beamten dafür sorgen, das Ihre Berufsbrüder nicht fallen gelassen werden scheiß egal, ob die Bevölkerung mehr Steuern zahlen muss, dann werden eben die deutschen Beamtenbezüge und Gehälter im ÖD so angehoben, dass man immer noch gleichviel bzw. mehr bekommt! Wir retten nicht das Griechische Volk, wir retten über bezahlte Griechische und deutsche Beamte!
5. als jemand der im ausland lebt ..........
otto huebner 03.10.2011
Zitat von sysopDer Euro sackte auf den tiefsten Stand seit acht Monaten, die Börsen gar um bis zu drei Prozent nach: Asiens Märkte sind nach den neuen schlechten Nachrichten aus Griechenland ins Minus gerutscht. Die Athener Regierung hatte zugegeben, dass sie ihre Sparziele 2011 nicht erreicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,789621,00.html
aber in euro bezahlt wird, um auftraege fuer die deutsche exportwirtschaft herein zu holen, steigt mein zorn auf den club med und insbesondere die griechen TAEGLICH. ich kann garnicht so schnell tauschen wie der euro faellt. wenn man mal davon ausgeht das der euro rd 20 bis 30 % hoeher stehen koennte, dann kann man sich das ausmass der verluste vorstellen. jagt die griechen zum teufel ..............
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fakten zur Euro-Zone

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