Schuldenkrise Italien-Angst drückt Euro und Dax ins Minus

Erst Griechenland - jetzt Italien? Die Schuldenmisere in Europa erschüttert die Märkte. Aktien gehen auf Talfahrt, der Euro-Kurs sackt ab. Investoren fürchten die Eskalation der Krise.

Börsenhändler in Frankfurt: Eskalation der europäischen Schuldenkrise
dapd

Börsenhändler in Frankfurt: Eskalation der europäischen Schuldenkrise


Frankfurt am Main - Große Unsicherheit herrscht zurzeit an den Märkten: Die EU-Finanzminister können sich nicht auf ein zweites Hilfspaket für Griechenland einigen, nun wetten Spekulanten auch noch auf eine Staatspleite Italiens. Anleger fürchten eine Eskalation der europäischen Schuldenkrise - die wichtigsten Kurse schlittern ins Minus.

Der Euro Chart zeigen rutschte am Dienstagmorgen fast auf 1,38 Dollar ab, ehe er sich wieder leicht erholte. Binnen weniger Tage hat die Gemeinschaftswährung der Europäischen Union deutlich an Wert eingebüßt. Am Freitag war ein Euro noch 1,42 Dollar wert.

Der Dax Chart zeigen rauschte zum Handelsauaftakt fast drei Prozent ins Minus, zuletzt erholte er sich wieder leicht, liegt aber noch immer gut zwei Prozent im Minus. Zu den größten Verlierern im Dax zählten Finanzwerte. Papiere der Deutschen Bank Chart zeigen und der Commerzbank Chart zeigen tendierten teils rund vier Prozent im Minus. Schon am Montag hatte das deutsche Börsenbarometer den stärksten Einbruch seit März verzeichnet.

Auch in anderen Ländern sinken die Kurse. Der italienische Leitindex FTSE MIB sackte am Dienstag zum Handelsauftakt zeitweise um mehr als 4,5 Prozent ab. In Paris verlor der CAC 40 Chart zeigen zeitweise mehr als zwei Prozent, ebenso der Londoner FTSE 100 Chart zeigen. Der europäische Indikator EuroStoxx Chart zeigen lag zum Teil mehr als drei Prozent im Minus und fiel damit auf den tiefsten Stand seit Ende November.

In Japan ging der Nikkei Chart zeigen unterhalb der wichtigen Marke von 10.000 Punkten aus dem Handel. Er schloss mit einem Minus von 1,43 Prozent bei 9925 Punkten. Der breit gefasste Topix gab um rund 1,5 Prozent auf 857 Zähler nach. Auch in den USA hatte der Handel am Montag ganz im Bann der Schuldenkrise gestanden. Der Dow Jones Chart zeigen verlor am Montag 1,2 Prozent und schloss bei 12.506 Zählern. Der Nasdaq Chart zeigen fiel um zwei Prozent auf 2803 Punkte.

"Schlechtes Krisenmanagement"

Anleger blicken vor allem nach Brüssel, wo die EU-Finanzminister seit Montag über das zweite Rettungspaket für das hoch verschuldete Griechenland beraten. Die neuen Finanzhilfen wurden noch immer nicht beschlossen, sollen aber bald stehen. Klar ist bislang nur, dass die Euro-Staaten der griechischen Regierung bei der Bewältigung der Schuldenkrise weiter entgegenkommen. So verständigten sich die Finanzminister der Euro-Zoneam späten Montagabend darauf, dem Land längere Laufzeiten für die Notkredite zu geben und auch niedrigere Zinsen als bisher zu gewähren.

Andererseits wollen manche Euro-Länder offenbar auch in Kauf nehmen, dass das Land zeitweise als zahlungsunfähig eingestuft wird, um Gläubiger an weiteren Griechenland-Hilfen zu beteiligen. "Das ist nicht mehr ausgeschlossen", sagte der niederländische Finanzminister Jan Kees De Jager am Dienstag in Brüssel. Die drei großen Rating-Agenturen hatten damit gedroht, die von der EU geplante Gläubigerbeteiligung als Zeichen für die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands zu werten. Ein solches Szenario galt bislang als tabu, da es eine Kettenreaktion an den Märkten auslösen dürfte.

Investoren sind auch aufgrund dieser widersprüchlichen Meldungen nervös. "Solange es nicht mehr Klarheit gibt, werden sich die Märkte nicht beruhigen", sagte ein Händler. "Was wir brauchen, ist ein starkes Signal." Ein zweiter Anleger kritisierte das "schlechte Krisenmanagement" in der Euro-Zone.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bemühte sich, Befürchtungen zu zerstreuen, nach Griechenland könnte nun auch noch Italien Finanzhilfen der Euro-Partner brauchen. Der italienische Finanzminister habe einen Haushaltsentwurf vorgelegt, und es bestehe kein Zweifel, dass dieser im Parlament auch so beschlossen werde, sagte der CDU-Minister im Deutschlandfunk. "Sobald das so ist, wird auch diese Spekulation wieder zurückgehen." Dennoch sei die Stimmung an den Märkten hochnervös. Die hohen Schulden einiger Mitgliedsländer würden das Vertrauen in die Euro-Zone als Ganzes gefährden. Man müsse aufpassen, dass man Ansteckungsgefahren nicht noch verstärke.

Tatsächlich gibt es viele Gründe, nervös zu sein. Nach Einschätzung von IWF-Chefin Christine Lagarde reichen Griechenlands Anstrengungen zur Reduzierung des Haushaltsdefizits nicht aus. Die Regierung in Athen habe zwar viel getan, um das Defizit zu senken und den Haushalt zu konsolidieren. Doch das Land müsse noch weitere Anstrengungen unternehmen.

Commerzbank-Chef Martin Blessing hat sich für einen radikalen Schuldenschnitt Griechenlands ausgesprochen. "Griechenland braucht eine Umschuldung bis zur teilweisen Entschuldung", schrieb Blessing in einem Gastbeitrag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Dienstag. "Kein demokratisch durchsetzbares Sparpaket wird es dem Land ermöglichen, in absehbarer Zeit an den Kapitalmarkt zurückzukehren und seine Schulden mit Zinsen zurückzuzahlen." Portugal und Irland gehe es nicht viel besser, warnte er. Spanien und Italien seien in Gefahr, sich ebenfalls anzustecken.

ssu/AFP/dpa/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 196 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Hardliner 1, 12.07.2011
1. Rettungszelt
Zitat von sysopErst Griechenland - jetzt Italien? Die Schuldenmisere in Europa erschüttert die Märkte. Aktien gehen auf Talfahrt, der Euro-Kurs sackt ab. Die Investoren fürchten die Eskalation der Krise. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,773827,00.html
Herr Schäuble, es ist höchste Zeit, ein Rettungszelt aufzubauen, Schirme reichen bald nicht mehr.
blowup 12.07.2011
2. Hoffnung
Ich hoffe inständig, dass da im Hintergrund schon Gespräche über den "Nord-Euro" laufen. Bevor uns hier alles um die Ohren, was die EU-Dilettanten verzapft haben.
elserpico 12.07.2011
3. Zinsen ?
Wie hoch wäre der Zinssatz würde Italien heute Geld auf den Märkten aufnehmen? Die Krise ist leider nicht mehr aufzuhalten.
use_your_brain 12.07.2011
4. wo ist der Sinn?
Börse und ihre Akteure machen mir oftmals Angst. Klar, eine nicht zu verachtende Gefahr im Euroraum. Aber während es sich NOCH um Spekulation handelt sehen die USA vor dem Staatsbankrott. Warum fällt dann der Euro gegenüber dem Dollar?
DergerechteZorn 12.07.2011
5. "Big Money" gegen Staaten
Georg Schramm hat es Ende 2009 bereits auf den Punkt gebracht: http://www.youtube.com/watch?v=woFh49zpQ68
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.