Schuldenkrise Merkel und Sarkozy kämpfen für Griechenland

Nach einer kurzen Telefonkonferenz mit Griechenlands Regierungschef bekräftigen Merkel und Sarkozy: Die Zukunft des verschuldeten Landes liegt in der Euro-Zone. Weltbankpräsident Zoellick redet den Europäern derweil ins Gewissen. Die Zeit des "Durchwurschtelns" sei vorbei.

Merkel und Sarkozy: Gemeinsam für ein Griechenland in der Euro-Zone
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Merkel und Sarkozy: Gemeinsam für ein Griechenland in der Euro-Zone


Berlin/Athen/Washington - Deutschland und Frankreich stärken Griechenland den Rücken. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy seien "überzeugt, dass die Zukunft des Landes in der Euro-Zone ist". Das teilte die Bundesregierung am Mittwochabend in Berlin nach einer etwa 20-minütigen Telefonkonferenz Merkels und Sarkozys mit dem griechischen Regierungschef Giorgos Papandreou mit.

Merkel und Sarkozy forderten Athen zugleich auf, die Reformzusagen für die Milliarden-Hilfen der Europäer und des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie das Anpassungsprogramm "strikt und effektiv" umzusetzen. "Dies ist Voraussetzung für die Auszahlung zukünftiger Tranchen des Programms", heißt es in der von den Finanzmärkten mit Spannung erwarteten Erklärung. Der griechische Ministerpräsident seinerseits sagte den Angaben zufolge "die absolute Entschlossenheit seiner Regierung" zu, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um die gegebenen Zusagen in ihrer Gesamtheit umzusetzen.

"Angesichts der Gerüchte der letzten Tage haben alle betont, dass Griechenland unzertrennlicher Teil der Eurozone ist", hieß es in einer Erklärung des griechischen Regierungssprechers. Griechenland sei entschlossen, alle seine Verpflichtungen zu erfüllen. In Deutschland hatte es zuletzt wiederholt Forderungen nach einem Ausschluss Griechenlands aus dem Euro-Raum gegeben.

Neben Athen kämpft auch Italien mit der Schuldenkrise. Dort konnte sich Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit seinen Plänen für ein Milliarden-Sparpaket durchsetzen. In der abschließenden Abstimmung votierten am Mittwochabend in Rom 314 Abgeordnete für und 300 gegen die Sparmaßnahmen von etwa 54 Milliarden Euro. Mit einem Vertrauensvotum hatte Berlusconi das Sparpaket zuvor bereits erfolgreich abgesichert und beschleunigt. Es sieht unter anderem eine höhere Mehrwertsteuer vor. Bis 2013 will das höchst verschuldete Land einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen.

"Die Zeit des Durchwurschtelns ist vorbei"

Der Druck auf die Europäer, ihre Schuldenprobleme zu lösen, war zuletzt massiv gestiegen. US-Finanzminister Timothy Geithner sagte dem Fernsehsender CNBC am Mittwoch, die europäischen Politiker seien sich bewusst, dass sie mehr tun müssten und im Rückstand seien. "Sie sind absolut engagiert, und sie haben die finanziellen Kapazitäten, die wirtschaftlichen Kapazitäten, um das Nötige zu tun", sagte der Minister.

Kritik hagelte es hingegen von Weltbank-Chef Robert Zoellick: Die Europäer wehrten sich gegen "schwierige Wahrheiten über die gemeinsame Verantwortung einer Währung". Den USA redete er ins Gewissen: Sollten sich die großen Industrienationen nicht rasch zu verantwortlichem Handeln durchringen, könnten sie die Weltwirtschaft mit "herunterziehen". Jetzt stünden schmerzhafte Schritte bevor. "Die Zeit des Durchwurschtelns ist vorbei."

Auch Großbritannien sieht die Gemeinschaftswährung in Gefahr. "Eine stabile, gesunde Euro-Zone hat riesige Bedeutung für Großbritannien", sagte der stellvertretende Regierungschef Nick Clegg am Mittwoch. Großbritannien mache mit den Ländern der Eurozone 40 Prozent seiner Export-Umsätze.

In Frankreich gab es am Mittwoch neue Erschütterungen infolge der Schuldenkrise: Die Ratingagentur Moody's stufte die Kreditwürdigkeit von zwei der drei französischen Großbanken herab, die besonders stark in Griechenland engagiert sind.

Derweil ist nach Ansicht der Ratingagentur Fitch die Gefahr einer Herabstufung Spaniens gestiegen. Dafür seien ein geringeres Wachstum und Probleme beim Sparen verantwortlich, sagte der Leiter der Kreditbewertung bei Fitch, Douglas Renwick.

In Deutschland korrigierten weitere Institute ihre Wachstumsvorhersagen für das laufende und kommende Jahr drastisch nach unten. Für 2012 gehen die meisten Prognosen nunmehr nur noch von einem Plus der Wirtschaftsleistung zwischen 0,8 Prozent und 1,2 Prozent aus - nach etwa drei Prozent im laufenden Jahr.

Dax schließt im Plus

Angesichts der anhaltenden Krise brachte die EU-Kommission erneut Euro-Bonds ins Gespräch, also gemeinsame Staatsanleihen der Euro-Länder: "Die EU-Kommission wird Optionen vorbereiten für die Einführung von Euro-Bonds", kündigte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso im Europaparlament an. Allerdings warnte Barroso: "Das wird natürlich nicht die Wunderlösung sein für die Probleme, denen wir gegenüberstehen." Notwendig sei eine weitere politische Integration.

An den Aktienmärkten spekuliert man weiter auf Hilfsmaßnahmen von außen für die Euro-Zone. "Die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China scheinen nicht ganz abgeneigt zu sein, ihre Gelder in europäische Assets wie zum Beispiel Staatsanleihen zu stecken", sagte Händler Andreas Lipkow von der Wertpapierhandelsbank MWB Fairtrade. "Die Hoffnung auf eine baldige Unterstützung für die angeschlagene Euro-Zone lässt die Börsen in ganz Europa steigen."

Und tatsächlich: Der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch seine Vortagesgewinne kräftig ausgebaut. Der Dax startete zunächst im Minus, zog dann aber im Handelsverlauf kräftig an und kletterte am Ende um 3,36 Prozent auf 5340,19 Punkte. Am Dienstag war er bereits um knapp zwei Prozent gestiegen.

Auch an der Wall Street gab es nach dem klaren Votum von Deutschland und Frankreich für den Verbleib von Griechenland in der Euro-Zone kräftigen Auftrieb: Der Dow Jones Industrial verbesserte sich am dritten Gewinntag in Folge um weitere 1,27 Prozent auf 11.246,73 Punkte. Der marktbreite S&P 500 gewann zur Wochenmitte 1,35 Prozent auf 1188,68 Punkte. An der Technologiebörse Nasdaq kletterte der Composite-Index um 1,6 Prozent auf 2572,55 Punkte, während der Auswahlindex Nasdaq 100 um 1,45 Prozent auf 2252,75 Punkte zulegte.

dis/Reuters/dpa/dapd

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Planet_Torkov 14.09.2011
1. Neujahrsansprache
Zitat aus dem Artikel: "Auch an der Wall Street gab es nach dem klaren Votum von Deutschland und Frankreich für den Verbleib von Griechenland in der Euro-Zone kräftigen Auftrieb" Obwohl grundsätzlich mit repräsentativer Demokratie einverstanden, halte ich es eher für ein Votum von Merkel als eines von Deutschland. Darüber hinaus erinnert mich die Euro-Rettung an den Untergang der DDR. Es war seit 20 Jahren kaum mehr so spannend und es kommen zunehmend nur noch Durchhalteparolen ("Vorwärts immer, rückwärts nimmer"). Man darf gespannt sein, wer dieses Jahr die Neujahrsansprache im Fernsehen hält.
lexus1234 15.09.2011
2. Lieber Spiegel, es geht um Banken, nicht um Griechenland!
Zitat von sysopEuropa und die USA geraten immer stärker unter Druck, eine globale Rezession zu verhindern. Während Weltbank-Chef Zoellick der Euro-Zone ins Gewissen redet, senken Ökonomen die Wachstumsprognosen. Die Märkte setzten nach erneuten Spekulationen über Euro-Bonds ihre Erholung fort. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,786325,00.html
So langsam wird es wirklich absurd - immer wird über die "Rettung Griechendlands" oder die des Euro gesprochen. Nichts dergleichen steht zur Debatte. Es geht einzig und allein um die Sicherung der Profite der Banken. DAFÜR sollen wir zahlen. Dem griechischen Volk dagegen hilft kein Mensch, im Gegenteil - die sollen mitblechen. So wird die Realität auf übelste Weise verzerrt, und der dumme Bürger solls glauben. Leider funktioniert das bestens.
unterländer 15.09.2011
3. Ach du liebe Zeit ....
Zitat von sysopEuropa und die USA geraten immer stärker unter Druck, eine globale Rezession zu verhindern. Während Weltbank-Chef Zoellick der Euro-Zone ins Gewissen redet, senken Ökonomen die Wachstumsprognosen. Die Märkte setzten nach erneuten Spekulationen über Euro-Bonds ihre Erholung fort. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,786325,00.html
Wie krank ist eigentlich der Euro, wenn der Austritt eines Landes, das 3% des BIP der Eurozone erwirtschaftet, alle anderen Beteiligten mit in den Abgrund reißen kann. Daran sollten die Flachpfeifen in Paris und Berlin mal arbeiten und nicht im Wochentakt neue Durchhalteparolen raushauen. Mit Durchhalteparolen haben wir Deutschen übrigens schon mehrfach schlechte Erahrungen gemacht, die bis zur Zerstörung unseres Landes gingen. Ist es wieder so weit?
nomadas 15.09.2011
4. Domino
Es geht im Grunde nicht um Griechenland, nein, es geht darum, einen Dominoeffekt zu verhindern. Mit anderen Worten, es geht um Angst! Wenn Griechenland fällt könnten auch andere loser fallen, wie z.B. Irland, Portugal, Spanien, Italien - d.h. Angst vor dem "AUS" für den Euro und letztlich der EU. Das wäre in der Tat mehr als nur ein geplatzter Traum. Das wäre zwar kein Weltuntergang, doch ein Abstieg in die relative Bedeutungslosigkeit, auf erst mal unbestimmte Zeit. Länder wie Indien etwa würden dann wohl glatt an Europa, der alten Welt, vorbeiboomen. Solch eine Rochade ist für die eitlen EU´ler unvorstellbar, nicht aber undenkbar, denn es gibt ja bekanntlich keine Denkverbote. Die EU würde auseinanderfallen, wieder zurück zu den roots, den Nationalstaaten, mit D-Mark und Franc. Weltmarktpolitische Zwerge stünden dann da umher, mit ganz langen Gesichtern. Kapito, was hier abgeht? So muss die Missgeburt EU+Euro gerettet werden, gestylet und geliftet werden, koste es was es wolle. Und so werden Rettungsschirme aufgespannt, die zwar Regengüsse abhalten können, doch keine Hagelbrocken, tennisballgross. Ganz fatal wirkt sich dabei auch noch der nationale, partikulare, politische Egoismus aus. Jeder dieser armen Würstchen will an der Heimatfront der Größte sein, die kinderlose Angie ebenso, wie Pépé Sarko. It`s just a question of time, nothing else!
mrs_smith 15.09.2011
5. Miguel de Cervantes
Don Quijote de la Mancha und der Kampf gegen die Windmühlen. Die Rolle des Don Quijote spielt Sarkozy. Der Gedanke das Merkel der Sancho Panza ("Panza" kann man als „Bauch“ verstehen) ist, liegt nahe. Doch mittlerweile entpuppt sie sich eher als alternativlose Rosinante (‚‚Rocinante‘‘, span. ‚‚Rocin‘‘ „Gaul“, und ‚‚antes‘‘ „vorher“ bzw. „vorhergehend“). Die Geldwelt zieht an den Strippen der Windmühlen und verteilt wertlose verpestete Luft mit dem Duft, Don Quijote könnte eines Tages die Dulcinea von Toboso‘‘ (von ‚‚dulce‘‘ „süߓ)finden. Obama bewegt sich zwischen der Rolle des Barbiers oder des Dorfpfarrers, mit dem Gedanken der innenpolitisch besser ankommt. Bücher verbrannt haben bei Cervantes beide gemeinsam. Willkommen in der Neuzeit Miguel
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