Schuldenkrise: Rating-Konzern Moody's straft EU-Länder ab

Erneut bekommen die Euro-Retter einen blauen Brief von den Märkten. Die Rating-Agentur Moody's hat sechs EU-Staaten abgestraft, darunter Portugal, Spanien und Italien. Die Schwergewichte Frankreich und Großbritannien wurden verwarnt. Deutschland behält seine Top-Bewertung.

New York/London/Berlin - Es ist ein neuer Warnschuss für die hochverschuldeten Staaten in Europa. Die Rating-Agentur Moody's hat in der Nacht zum Dienstag die Kreditwürdigkeit mehrerer EU-Staaten herabgestuft. Betroffen sind Italien, Portugal, Spanien, Malta, Slowenien und die Slowakei. Außerdem wurde für drei EU-Staaten mit dem Spitzen-Rating Aaa die Prognose von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Dies gilt für Frankreich, Großbritannien und Österreich.

Italien und Malta wurden von A2 auf A3 herabgestuft, Slowenien und die Slowakei von A1 auf A2, Spanien von A1 auf A3 und Portugal von Ba2 auf Ba3. Alle wurden mit der Prognose "negativ" bewertet. Dies bedeutet, dass Moody's eine mindestens 40-prozentige Wahrscheinlichkeit sieht, dass die Kreditwürdigkeit in den kommenden 18 Monaten erneut herabgestuft werden könnte.

Als Gründe nannten die Bonitätsprüfer die Unsicherheit über die Aussichten auf Reformen in der Euro-Zone, zunehmend schwache wirtschaftliche Aussichten in Europa und die Auswirkungen dieser Faktoren auf das Marktvertrauen. Moody's hatte entsprechende Schritte bereits im November in Aussicht gestellt.

Unverändert blieb das Rating für Deutschland (Aaa), ebenso nicht angetastet wurden die Bewertungen von Dänemark, Finnland, Luxemburg, den Niederlanden, Schweden (alle ebenfalls Aaa), Belgien (Aa3), Estland (A1) und Irland (Ba1). Eine Überprüfung der Einstufung Zyperns mit Baa3 dauert an, Griechenland verharrt bei Ca. Der europäische Rettungsfonds EFSF behielt seine Bewertung von Aaa.

Trotz der Herabstufungen äußerte sich Moody's relativ optimistisch. Es werde nicht erwartet, dass Regierungen mit den Rettungspaketen Geld verlören. Auch werde nicht erwartet, dass die Aaa-Bewertungen Deutschlands, der Niederlande und Finnlands unter Druck gerieten. "Wir glauben weiterhin, dass die Euro-Zone als Ganzes über eine beträchtliche wirtschaftliche und finanzielle Stärke verfügt", erklärte Moody's.

Auf den Spuren von Standard & Poor's und Fitch

Moody's folgt mit der Herabstufung seinen beiden großen Wettbewerbern. Die Rating-Agentur Standard & Poor's hatte bereits im Januar gleich neun europäische Staaten herabgestuft und Frankreich und Österreich die Spitzennote AAA entzogen. Fitch senkte im vergangenen Monat die Bonitätswerte von Italien, Spanien, Belgien, Zypern und Slowenien. Eine solche Herabstufung bedeutet unter anderem, dass ein Staat bei der Ausgabe von Staatsanleihen höhere Zinsen zahlen muss. Damit wird die Beschaffung frischen Geldes für die betroffenen Regierungen teurer.

Frankreichs Finanzminister François Baroin erklärte zu der Mitteilung von Moody's, er nehme zur Kenntnis, dass die Agentur das Land weiter mit der Bestnote bewerte. Zugleich betonte er, dass die Länder der Euro-Zone "kraftvolle Anstrengungen zur Sanierung der Staatsfinanzen" unternähmen.

Baroins britischer Kollege George Osborne sagte, die Nachricht sei als "Realitätstest" aufzufassen. Sie belege, dass beschlossene Sparanstrengungen nötig seien. "Das ist der Beweis, dass Großbritannien sich in der derzeitigen weltwirtschaftlichen Lage mit seinen Schulden befassen muss", sagte Osborne.

Fitch und S&P stufen spanische Banken herab

Fitch und Standard & Poor's hatten zuvor am Montag die Kreditwürdigkeit spanischer Banken herabgestuft. Nach der Senkung der Bonität der Staatsanleihen aus Spanien im vergangenen Monat seien die Geldhäuser einem erhöhten Risiko ausgesetzt, teilte Fitch mit. Bei den von der Agentur herabgestuften Banken handelte es sich um die Banco Bilbao Vizcaya Argentaria, Bankia, CaixaBank und Caja de Ahorros y Pensiones de Barcelona. Diese Kreditinstitute bewertete auch Standard & Poor's schlechter. Außerdem senkte die Rating-Agentur den Ausblick für elf spanische Banken auf "negativ".

Doch vor allem in Griechenland ist die Lage weiter kritisch. Mit der Annahme eines neuen Sparpakets hatte das griechische Parlament in der Nacht zum Montag eine weitere wichtige Hürde auf dem Weg zu neuen Hilfen genommen. Um an das Geld heranzukommen, muss Athen aber noch weitere Auflagen erfüllen, darunter auch eine endgültige Einigung mit den privaten Gläubigern über einen Schuldenschnitt. Am 20. März werden griechische Anleihen über 14,5 Milliarden Euro fällig. Wenn das Land bis dahin kein Geld hat, um die Schulden zu bezahlen, wäre es pleite.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) appellierte an die griechische Regierung, den Parteienstreit zurückzustellen und die Hilfsangebote der Europäischen Union zu akzeptieren. Schäuble äußerte am Dienstagabend im ZDF Verständnis für die Not der griechischen Bürger. Es sei aber auch klar, dass Griechenland lange über seine Verhältnisse gelebt habe, sagte der CDU-Politiker im "heute journal".

Schäuble machte klar, dass er das neue griechische Sparpaket für alternativlos hält. So habe der Mindestlohn bislang über dem Durchschnitt der Euro-Staaten gelegen. Jetzt gehe es darum, dass die griechische Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig werde. Die EU biete Griechenland jede Form von Beratung und Unterstützung an. Die Regierung in Athen halte dem immer wieder entgegen, sie wolle keine Vormundschaft.

Zweifel am Zeitplan

Gleichzeitig zweifelt Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) am engen Zeitplan zur Entscheidung über das zweite Milliardenpaket für Griechenland im Bundestag. Er hoffe, dass in den beiden kommenden Wochen bis zur geplanten Abstimmung alle Bedingungen erfüllt würden, die eine Zustimmung des Bundestags ohne weitere Befassung ermöglichten, sagte Lammert der "Financial Times Deutschland". "Ob die dafür vorgesehene Beratungszeit reichen wird, wird man sehen." Lammert wacht als Parlamentspräsident über die Mitspracherechte der Abgeordneten.

Der knapp kalkulierte Fahrplan für die Bundestagsabstimmung ist riskant für das Vorhaben von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), das Griechenland-Paket mit der Mehrheit der schwarz-gelben Koalition durchs Parlament zu bringen. Denn die Abgeordneten sind in den kommenden beiden sitzungsfreien Wochen in ihren Wahlkreisen - während in Brüssel und in Athen um die Einzelheiten des milliardenschweren Rettungspakets sowie um einen Forderungsverzicht privater Gläubiger gerungen wird.

Gleich am ersten Tag der nächsten Sitzungswoche, am 27. Februar, sollen die Abgeordneten nach einer kurzen Beratung in den Fraktionen über das komplizierte Hilfsprogramm in Höhe von rund 130 Milliarden Euro im Plenum zur Abstimmung antreten.

suc/dpa/AFP/dapd

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1.
verleitnix 14.02.2012
Zitat von sysopdapdErneut bekommen die Euro-Retter einen blauen Brief von den Märkten. Die Rating-Agentur Moody's hat sechs EU-Staaten abgestraft, darunter Portugal, Spanien und Italien. Die Schwergewichte Frankreich und Großbritannien wurden verwarnt. Deutschland behält seine Top-Bewertung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,815086,00.html
Langsam nervt der Kindergarten! Ob die ne Bewertung abgeben oder der sprichwörtliche Sack Reis in China umkippt - Niemand nimmt sie mehr richtig ernst...
2.
Dosengabel 14.02.2012
Zitat von sysopdapdErneut bekommen die Euro-Retter einen blauen Brief von den Märkten. Die Rating-Agentur Moody's hat sechs EU-Staaten abgestraft, darunter Portugal, Spanien und Italien. Die Schwergewichte Frankreich und Großbritannien wurden verwarnt. Deutschland behält seine Top-Bewertung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,815086,00.html
Solange wir weiterhin von den Agenturen mit 10fach "A", 12 "+" und Smiley bewertet werden ist doch alles in Butter. Portugal und Spanien retten wir aus der Portokasse. Für Italien pumpen wir Wulff an.
3. Ich geb's auf.
tailspin 14.02.2012
Zitat von sysopdapdErneut bekommen die Euro-Retter einen blauen Brief von den Märkten. Die Rating-Agentur Moody's hat sechs EU-Staaten abgestraft, darunter Portugal, Spanien und Italien. Die Schwergewichte Frankreich und Großbritannien wurden verwarnt. Deutschland behält seine Top-Bewertung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,815086,00.html
Na, dann bleibt ja wenigstens einer uebrig, der zahlt. In der Gesellschaft dieser sozialistischen Bruederlaender fahrt man wohl besser, wenn man Schulden aufnimmt wie ein besoffener Seemann, und die Knete an rechtszeitig die eigenen Leute verteilt, bevor die Nachbarn ihren Raubzug beginnen. Was weg ist, ist weg. Mann oh Mann. Haben wir Einfaltspinsel in der Fuehrung!
4. gut durchdachtes System
old_spice 14.02.2012
Zitat von sysopdapdErneut bekommen die Euro-Retter einen blauen Brief von den Märkten. Die Rating-Agentur Moody's hat sechs EU-Staaten abgestraft, darunter Portugal, Spanien und Italien. Die Schwergewichte Frankreich und Großbritannien wurden verwarnt. Deutschland behält seine Top-Bewertung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,815086,00.html
Dieses System scheint mir doch gut durchdacht und solide aufgestellt zu sein. Könnte man so etwas nicht auch fürs Wetter einführen ?
5. Hat schon seine Richtigkeit !
papayu 14.02.2012
Von den Politikern und Banken wird das alles als Quatsch eingestuft. Die haben ja ihre "Schaefchen im Trockenen!" Und wenn es zum grossen Knall kommt sind immer die anderen Schuld, nein Herr Schaeuble und Frau Merkel doch nicht, die haben doch alles im Griff!! Wenn man nur mal die Balkanstaaten, die Inseln Malta und Cypern anschaut, wie wollen die denn " exportieren?" Und was, griechischen Kaese, made in Danmark? Durch den Rutsch des Euros habe ich mtl. 100.-- Euro weniger und das bei einer kleinen Rente.Zurueckkommen nach Deutschland und mich bei der Tafel anstellen unter Bruecken liegen? Wie romantisch!!! PS. Es ist doch ein Witz hoch 10. wenn man dringend Fachkraefte in DE sucht und diese nicht die Mindestsumme bezahlt bekommen, die zum Aufenthalt in DE Pflicht ist!!! 66T pro Jahr, wer zahlt denn die??
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Die drei Rating-Riesen
Standard & Poor's
Henry Varnum Poor veröffentlichte 1868 das "Manual of the Railroads of the United States", in dem die Anleger Informationen über die Eisenbahngesellschaften erhielten. 1941 verschmolzen die Poor's Publishing Company und die Standard Statistics Company zur Rating-Agentur Standard & Poor's . Das Rating reicht von AAA ("Triple A", exzellente Bonität, praktisch kein Ausfallsrisiko) über BBB (befriedigend) bis D (in Zahlungsverzug, keine Bonität).
Moody's
John Moody gründete 1909 die Agentur Moody's Investors Service , die seit 1975 von der US-Börsenaufsicht SEC anerkannt ist. Die Bewertungen reichen von Aaa über Baa1 bis C.
Fitch Ratings
1924 entstand in New York aus der Fitch Publishing Company von John Fitch das Unternehmen Fitch Ratings . Alle drei Unternehmen haben ihren Sitz in New York, Fitch Ratings zudem in London; sie betreiben Büros in aller Welt. Das Rating reicht von AAA bis D.

Rating
Das bedeuten die Ratings
Moody's S&P Fitch Bewertung
Aaa AAA AAA Beste Qualität
Aa1 AA+ AA+ Sichere Anlage
Aa2 AA AA
Aa3 AA- AA-
A1 A+ A+ Prinzipiell sichere Anlage
A2 A A
A3 A- A-
Baa1 BBB+ BBB+ Durchschnittlich gute Anlage
Baa2 BBB BBB
Baa3 BBB- BBB-
Ba1 BB+ BB+ Spekulative Anlage
Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
B2 B B
B3 B- B-
Caa1 CCC+ CCC+ Substantielle Risiken / Extrem spekulativ
Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
C D D Zahlungsausfall