Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Schuldenkrise: Schwächelnde Banken reißen Dax in Verlustzone

Schwarzer Tag für die europäische Finanzbranche: Aus Misstrauen horten die Institute so viel Geld bei der Zentralbank wie seit langem nicht mehr, die Deutsche Bank korrigiert ihr Gewinnziel. Anleger reagieren verstört auf die schlechten Nachrichten - der Dax verliert zeitweise bis zu vier Prozent.

Börsenhändler in Frankfurt: Nervosität an den Märkten Zur Großansicht
REUTERS

Börsenhändler in Frankfurt: Nervosität an den Märkten

Frankfurt am Main - An der deutschen Börse regiert wieder die Angst: Belastet von den Sorgen um Schuldenkrise und Wirtschaftswachstum hat der Dax Chart zeigen bereits am Dienstag die Erholungsgewinne der Vorwoche fast komplett wieder abgegeben. Der deutsche Leitindex notierte am frühen Nachmittag um vier Prozent schwächer bei 5163 Punkten. Damit setzt sich der Negativtrend fort - am Freitag hatte das Börsenbarometer mit einem Abschlag von rund 25 Prozent das schwächste Quartal seit neun Jahren abgeschlossen.

Der EuroStoxx 50 Chart zeigen gab bis zur Mittagszeit 2,53 Prozent ab und büßte inzwischen ebenfalls den Großteil seines Gewinns aus der Vorwoche von acht Prozent wieder ein. In Paris verlor der CAC 40 Chart zeigen 2,08 Prozent, der Londoner FTSE 100 Chart zeigen verlor 1,51 Prozent.

Eine Fülle schlechter Nachrichten aus der Finanzindustrie ist für den Absturz des Dax verantwortlich. Am Vormittag enttäuschte die Deutsche Bank Chart zeigen die Anleger mit der Ankündigung, das geplante Gewinnziel für das laufende Jahr werde nicht erreicht. Das Unternehmen streicht sogar 500 Stellen im Investmentbanking. Als Grund für die düsteren Aussichten nannte der deutsche Branchenprimus die Turbulenzen auf den Kapitalmärkten - und die Schuldenkrise: Allein im dritten Quartal muss das Institut weitere 250 Millionen Euro auf griechische Staatsanleihen abschreiben.

Die Aktien der Deutschen Bank verloren zeitweise um sechs Prozent und gehörten zu den Verlierern im Dax. Auch die Papiere der Commerzbank gerieten im Abwärtssog unter Druck und sackten zeitweise um fast fünf Prozent ab.

Aktie der belgisch-französischen Dexia-Bank stürzt ab

Besonders schlimm steht es angesichts der Schuldenkrise um die belgisch-französische Bank Dexia. Das teilverstaatlichte Institut muss nach einer Warnung der Rating-Agentur Moody's eine Herabstufung seiner Bonität befürchten. Dexia ist stark im Geschäft mit griechischen Anleihen vertreten und hatte im zweiten Quartal einen Verlust von vier Milliarden Euro ausgewiesen.

Zwar versprachen die französische und belgische Regierung Hilfe für die Bank, doch die Investoren stießen die Anteile an dem Institut massenweise ab. Die Aktie stürzte am Dienstag zeitweise um 38 Prozent auf 0,81 Euro ab, nachdem sie am Montag bereits gut zehn Prozent nachgegeben hatte.

Nach einer mehrstündigen Sitzung in der Nacht zum Dienstag ließ der Verwaltungsrat der in der Finanzkrise 2008 von Frankreich und Belgien vor dem Zusammenbruch geretteten Bank lediglich verlauten, die Bank werde ihre "strukturellen Probleme" lösen. Er nannte jedoch keine Einzelheiten. In einer Erklärung hieß es, die europäische Staatsschuldenkrise habe die Lage verschlechtert. Die Altlasten drückten auf die operative Aktivität des Geldhauses.

Die belgischen Zeitungen "De Standaard" und "De Morgen" berichteten von Plänen, Dexia aufzuspalten und die profitablen Teile noch in diesem Jahr zu verkaufen. Die Einnahmen aus den Verkäufen und Garantien von Frankreich und Belgien sollten dann dazu dienen, die noch vorhandenen Schrottpapiere der Bankengruppe in eine sogenannte Bad Bank auszulagern.

Misstrauen der Banken untereinander wächst

Wie ernst die Lage in der Finanzbranche ist, zeigen Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB). Dort stiegen die eintägigen Einlagen der Geschäftsbanken erstmals seit mehr als einem Jahr über die Marke von 200 Milliarden Euro. Die Summe lag bei 209,3 Milliarden Euro und damit so hoch wie zuletzt Mitte Juli 2010.

Die eintägigen Einlagen bei der EZB gelten als Indikator für das Misstrauen der Institute untereinander. Denn dafür erhalten die Banken einen nur geringen Zins von aktuell 0,75 Prozent. Kurzfristige Mittel leihen sich die Geldhäuser normalerweise lieber untereinander zu günstigeren Konditionen am sogenannten Interbankenmarkt aus. Misstrauen sich die Banken, weichen sie auf die sichere Bank EZB aus.

fdi/mmq/dpa/Reuters/AFP/dapd

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 78 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. .
donvito85 04.10.2011
Wie lautet denn die Spendenhotline für die armen Aktionäre? ich will Menschen in Not unbedingt helfen !
2. Betrug am Bürger
Dr. Sorglos 04.10.2011
Zitat von sysopSchwarzer Tag für die europäische Finanzbranche: Aus Misstrauen horten die Institute so viel Geld bei der Zentralbank*wie seit langem nicht mehr, die Deutsche Bank*korrigiert ihr Gewinnziel. Anleger*reagieren*verstört*auf die schlechten Nachrichten -*der Dax*verliert zeitweise*bis zu*vier Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,789805,00.html
Dann lasst die schwächelnden Banken endlich insolvent gehen. Es ist Hochverrat noch ungeborene Kinder für den Betrug von Finanzkriminellen zahlen zu lassen. Finanzwettgeschäfte sind übrigens, entgegen der Politpropaganda - nur für Abzocker, Betrüger, Wegelagerer und Selbstbediener systemrelevant.
3. .
Epic Fail 04.10.2011
Dax im Keller, schon wieder zwei Wochen rum?
4. -
auri sacra fames 04.10.2011
Zitat von sysopSchwarzer Tag für die europäische Finanzbranche: Aus Misstrauen horten die Institute so viel Geld bei der Zentralbank*wie seit langem nicht mehr, die Deutsche Bank*korrigiert ihr Gewinnziel. Anleger*reagieren*verstört*auf die schlechten Nachrichten -*der Dax*verliert zeitweise*bis zu*vier Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,789805,00.html
Anleger? :-) Eher Spekulanten, Glücksritter, Hütchenspielerm... Vor Telekom-Börsengang und Gründung des wirtschaftseigenen Popaganda-Senders n-tv, wäre das eine Nachricht gewesen, die noch weit hinter "Hund beißt Mann" erschienen wäre (wenn überhaupt).
5. Der Weltuntergang kommt immer näher und wir werden alle sterben!
Björn Borg 04.10.2011
Zitat von donvito85Wie lautet denn die Spendenhotline für die armen Aktionäre? ich will Menschen in Not unbedingt helfen !
Nachrichten vom Dax (http://www.youtube.com/watch?v=pW_9o2DXeFw) gehn mir auf die Nerven.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Grafiken: Die wichtigsten Fakten zur Schuldenkrise


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: