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Schuldenkrise: Starinvestor Soros warnt vor Euro-Katastrophe

Die Zuspitzung der Lage Griechenlands weckt neue Sorgen um die Zukunft des Euro: Der Zwangsausschluss eines Staats könnte der Europäischen Zentralbank zufolge zum Zusammenbruch des Währungsraums führen. Großinvestor George Soros sieht gar das globale Finanzsystem in Gefahr.

Starinvestor Soros: "Ernsthafter und gefährlicher als der Zusammenbruch von 2008" Zur Großansicht
REUTERS

Starinvestor Soros: "Ernsthafter und gefährlicher als der Zusammenbruch von 2008"

Mumbai - Scheitert der Euro, scheitert Europa und am Ende womöglich das Weltfinanzsystem - so lässt sich die jüngste Prophezeiung von Starinvestor George Soros überspitzt zusammenfassen. Ein Zusammenbruch der Gemeinschaftswährung und ein Untergang der Union hätte ihm zufolge schreckliche Folgen. Es wäre nicht nur für "Europa katastrophal sondern auch für das weltweite Finanzsystem", zitierte die Zeitung "Business Line" Soros bei einem Besuch der südindischen Stadt Hyderabad.

Die Krise in der Euro-Zone sei "ernsthafter und gefährlicher als der Zusammenbruch von 2008", zitierte die "Economic Times" den US-Milliardär und Hedgefonds-Manager weiter. Es sei derzeit nicht klar, ob die Krise eingedämmt werden kann, hatte die Finanznachrichtenagentur Bloomberg den Starinvestor bereits am Donnerstag zitiert. Viele Leute hätten das Gefühl, dass der Abgrund bereits erreicht ist und die Krise unlösbar ist. Auch die Märkte hätten bereits begonnen, die Möglichkeit eines Auseinanderfallens der Währungszone einzukalkulieren.

Anlass für die neuen Sorgen ist die jüngste Äußerung von Griechenlands Ministerpräsident Loukas Papademos, der eindringlich vor einer "unkontrollierbaren Staatspleite" gewarnt hat. "Die nächsten drei Monate sind kritisch für den Kurs der griechischen Finanzen", sagte Papademos am Donnerstag. Die Angst ist in Athen groß, denn Mitte Januar kommen die internationalen Finanzkontrolleure erneut nach Griechenland, um über die Sparfortschritte zu befinden - als Voraussetzung für weitere Milliardenhilfen.

Warnung vor Vertrauensverlust

Die Europäische Zentralbank (EZB) warnt indes vor einem Zwangsausschluss Griechenlands aus der Euro-Zone. Ein solcher würde EZB-Ratsmitglied Klaas Knot zufolge zu einem Zusammenbruch des Währungsraums führen. "Einen unfreiwilligen Austritt zu ermöglichen würde zu einem Vertrauensverlust führen", sagte der niederländische Notenbankchef. Dies würde einer Einladung an Spekulanten gleichkommen.

Knot antwortete damit im niederländischen Fernsehen auf die Frage, ob man das hochverschuldete Griechenland lieber aus der Euro-Zone ausschließen sollte. Die Währung selbst würde den Zusammenbruch überstehen, sagte Knot weiter: Die einzelnen europäischen Volkswirtschaften seien in den vergangenen Jahren so verzahnt worden, dass es nicht mehr möglich sei, den Euro abzuschaffen.

Die EU-Kommission zeigte sich zuversichtlich, dass Griechenland im März die nächste Kredittranche internationaler Geldgeber von fünf Milliarden Euro erhält. Eine Verzögerung sei aber nicht ausgeschlossen, falls die Sparvorgaben von der Regierung nicht eingehalten werden, sagte ein Sprecher der EU-Behörde am Donnerstag in Brüssel. "Wir werden sehr hart bei der Umsetzung sein."

Bei den genannten Zahlen handelt es sich um Milliarden aus dem alten Hilfsprogramm von 110 Milliarden Euro, das aber nicht ausreicht. Athen benötigt aufgrund seiner desolaten Lage ein neues Hilfsprogramm, das bereits grundsätzlich beschlossen ist, mehr als 100 Milliarden Euro umfasst und das alte ablösen soll. Entscheidend ist, ob der geplante Schuldenschnitt, über den seit Monaten verhandelt wird, klappt.

yes/Reuters/dpa-AFX

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1. So, so!
huettenfreak 06.01.2012
Zitat von sysopDie Zuspitzung der*Lage Griechenlands weckt neue Sorgen um die Zukunft des Euro:*Der Zwangsausschluss eines Staates*könnte der Europäischen Zentralbank*zufolge zum Zusammenbruch des Währungsraums führen.*Großinvestor George Soros sieht*gar das globale Finanzsystem in Gefahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,807480,00.html
Das globale Finanzsystem ist in Gefahr! Und was ist die schlechte Nachricht?
2. Nicht so viel Panik
hansausberlin 06.01.2012
Zitat von sysopDie Zuspitzung der*Lage Griechenlands weckt neue Sorgen um die Zukunft des Euro:*Der Zwangsausschluss eines Staates*könnte der Europäischen Zentralbank*zufolge zum Zusammenbruch des Währungsraums führen.*Großinvestor George Soros sieht*gar das globale Finanzsystem in Gefahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,807480,00.html
Wenn Griechenland aus der Eurozone ausscheidet, gefährdet das m.E. nicht den Euro. Ich würde es als gutes Zeichen sehen. Griechenland wird m.E. seine Probleme überhaupt nicht in den Griff bekommen und ein Fass ohne Boden bleiben. Ein Ausschluss ist für alle das beste. Außerdem sollte jedes Land der Eurozone, welches seine Schulden (auch zum Teil) nicht zurückzahlen kann, aus der Eurozone ausscheiden. Solche Länder beschädigen das Ansehen der ganzen anderen Mitglieder und das kann nicht toleriert oder geduldet werden. Außerdem ein Warnschuss an alle, ihre Finanzprobleme mit aller Konsequenz in den Griff zu bekommen.
3.
SysLevel 06.01.2012
Zitat von sysopDie Zuspitzung der*Lage Griechenlands weckt neue Sorgen um die Zukunft des Euro:*Der Zwangsausschluss eines Staates*könnte der Europäischen Zentralbank*zufolge zum Zusammenbruch des Währungsraums führen.*Großinvestor George Soros sieht*gar das globale Finanzsystem in Gefahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,807480,00.html
So, so, Soros. Ausgerechnet! Leute wie er tragen eine nicht unerhebliche Mitschuld an vergangenen und aktuellen Krisen, und profitieren auch noch davon. Warnungen aus jener Ecke sollte man also immer besonders intensiv hinterfragen, vor allem unter dem Aspekt, was für den Rufer herausspringt...
4. .
Olaf 06.01.2012
Zitat von sysopDie Zuspitzung der*Lage Griechenlands weckt neue Sorgen um die Zukunft des Euro:*Der Zwangsausschluss eines Staates*könnte der Europäischen Zentralbank*zufolge zum Zusammenbruch des Währungsraums führen.*Großinvestor George Soros sieht*gar das globale Finanzsystem in Gefahr. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,807480,00.html
Mit anderen Worten: Wir sollen für Griechenland zahlen, egal was die Griechen machen. Ein Großinvestor fordert Sicherheiten für sein Geld. Überrascht eigentlich nicht.
5.
WI-Student 06.01.2012
Zitat von huettenfreakDas globale Finanzsystem ist in Gefahr! Und was ist die schlechte Nachricht?
Gute Frage! Wäre das dann nicht die Chance, ein gerechteres, besseres und nachhaltigeres Finanzsystem zu etablieren, welches ohne Wachtumszwang durch Zinseszins auskommt?
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fotostrecke
Fotostrecke: So funktioniert eine Umschuldung

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 10,858 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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