Schuldenkrise: US-Finanzaufsicht warnt vor Crash in Europa

Dramatische Warnung aus Amerika: Der US-Einlagensicherungsfonds fürchtet die Folgen der europäischen Schuldenkrise - und warnt vor einem Zusammenbruch des internationalen Bankensystems. Das Risiko von Kreditausfällen sei enorm, der Euro-Kurs fällt.

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Händler an der New Yorker Börse: Droht ein zweiter Lehman-Crash?

Washington - Böse Erinnerungen an den Lehman-Crash werden wieder wach: Der Zusammenbruch einer US-Bank war es, der 2008 das weltweite Finanzsystem ins Wanken brachte. Dieses Mal könnten es europäische Banken sein, die die Weltwirtschaft herunterziehen. Davor warnt der US-Einlagensicherungsfonds FDIC.

Im Zuge der Schuldenkrise könnten große Geldhäuser in Europa die Stabilität des gesamten Finanzsystems in Gefahr bringen, sagte FDIC-Chefin Sheila Bair. Sie sei tief besorgt wegen der Kreditqualität einer Reihe von Ländern und des Engagements einiger Banken dort, sagte Bair.

Die hochrangige US-Expertin bringt mit ihrer Aussage neuen Zündstoff in die Diskussion um dringend benötigte Griechenland-Hilfen. Ausgerechnet jetzt, wo es vor allem um die Frage geht, ob Banken an einem zweiten Rettungspaket beteiligt werden.

Inzwischen zeichnet sich ab, dass erst im September eine Lösung gefunden wird. Euro-Kurs sackt ab

Der Kurs des Euro Chart zeigen sackte am Donnerstag entsprechend ab - auf rund 1,40 Dollar. Auch die großen Börsenindizes standen unter Druck. Der Dax Chart zeigen lag am Nachmittag knapp ein Prozent im Minus bei rund 7063 Punkten.

Doch wie groß ist die Gefahr eines Crashs in Europa wirklich? Ist die Schuldenkrise tatsächlich mit der Lehman-Pleite vergleichbar? Hochrangige Experten sehen tatsächlich Parallelen und warnen seit längerem.

FDIC-Chefin Bair geht zwar auf Details nicht explizit ein, warnt aber vor weiteren Gefahren im europäischen Bankensystem. Es sei beunruhigend, dass europäische Geldhäuser weiterhin ihre eigenen Kapitalanforderungen festsetzen, die auf internen Risikoschätzungen basierten. Dadurch fehlten objektive und strenge Beschränkungen, sagte sie.

Die meisten Aufsichtsbehörden und Politiker in den USA stimmten darin überein, dass die Banken gezwungen werden sollten, mehr Kapital vorzuhalten, fügte sie hinzu. Auf diese Weise könnten sich die Kreditinstitute vor Verlusten schützen und mögliche Erschütterungen im Finanzsystem überstehen. Insgesamt sei das Risiko hoch, dass Banken weitere Schwierigkeiten bekämen.

Deutsche Versicherer dringen auf Ausnahmeregelung

Neben den Banken fürchtet offenbar auch die Versicherungsbranche, in die Schuldenkrise verstrickt zu werden. Finanzinsidern zufolge soll eine Ausnahmeregelung für die deutschen Versicherer im Umgang mit griechischen Staatsanleihen verhindern, dass es zu Notverkäufen der Papiere kommt.

Nach der erneuten Rating-Herabstufung des Schuldenlandes durch Standard & Poor's taugten die Anleihen eigentlich nicht mehr als Deckungsstock zur Absicherung der Ansprüche der Versicherten. Damit verlieren sie für die Versicherer an Bedeutung, und es droht ein Verkauf - was die Kurse weiter sinken ließe. Daher liefen derzeit Gespräche zwischen dem Versichererverband GDV, der Finanzaufsicht BaFin und dem Bundesfinanzministerium mit dem Ziel, die Staatspapiere nicht aus dem Sicherungsvermögen ausbuchen zu müssen, sagten zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen.

Die Kapitalanlagen der deutschen Versicherer von insgesamt 1,2 Billionen Euro bestehen nur zu weniger als 0,5 Prozent aus griechischen Anleihen - das wären weniger als sechs Milliarden Euro. Der Löwenanteil davon entfällt auf die Branchenriesen Allianz Chart zeigen (1,3 Milliarden Euro) und Münchener Rück (1,1 Milliarden).

Die "Financial Times Deutschland" zitierte aus einem Brief von GDV-Geschäftsführer Jörg von Fürstenwerth an die Mitgliedsinstitute, dass die BaFin vor Ablauf der Gespräche die Griechenland-Anleihen im Sicherungsvermögen nicht beanstanden werde. BaFin und GDV wollten sich nicht äußern. Insidern zufolge könnten die Gespräche einige Wochen dauern.

yes/Reuters

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insgesamt 447 Beiträge
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1. Sonderabschreibungen wie bei den zonis zulassen...
Tr1ple 16.06.2011
und die Banken zahlen keine Steuern mehr! Problem solved!
2. Spielgeld?
itchybod 16.06.2011
Mal ganz blöd gefragt. Ist das eigentlich echtes Geld, das da durch die Gegen wandert oder ist das Spielgeld? Amerika ist hochverschuldet in Europa auch irgendwie jedes Land. Die Banken brauchten Notkredite vom Staat. Könnten nicht die Staaten mit zu hohen Schulden Insolvenz anmelden und dann neu anfangen? Wäre das so schlimm?
3. .
DJ Doena 16.06.2011
Deflecting much? Ernsthaft: Wenn der Fall eines so kleinen Landes wie Griechenland es realistisch betrachtet ist, solche katastrophalen Auswirkungen haben soll, was passiert dann erst, wenn sich Demos und Reps nicht endlich mal auf ihren eigenen Haushalt einigen können und die Ratingagenturen irgendwann ernst machen mit der Herabstufung der USA? Oder wird dann Griechenland als Vorwand benutzt à la "die haben uns mit in den Abgrund gezogen!1!einself!!"
4. .
H-Vollmilch 16.06.2011
Das griechische Volk hat mehrmals bekundet das es die Hilfe nicht will. Von mir aus kann Griechenland den Bach runter gehen.
5. ha, ha, ha, die USA sind absolut bankrott
Michael KaiRo 16.06.2011
und wollen jetzt noch den Euro mit runterziehen. O.k., einigen wir uns darauf, dass alle beide Wirtschafträume fertig haben.
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