Schuldenkrise US-Hedgefonds wetten gegen Italien

Europa wird nervös: Italien muss für neue Schulden so hohe Zinsen zahlen wie noch nie seit Einführung des Euro. Auch amerikanische Hedgefonds haben wenig Vertrauen in das Land - sie wetten laut einem Zeitungsbericht massiv gegen die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone.

Finanzminister Tremonti, Regierungschef Berlusconi: Im Fokus der Hedgefonds-Manager
AP

Finanzminister Tremonti, Regierungschef Berlusconi: Im Fokus der Hedgefonds-Manager


New York - Die Manager großer US-Hedgefonds spekulieren offenbar auf eine Ausweitung der Schuldenkrise auf Italien: Sie wetten mit großen Summen auf einen Wertverfall italienischer Staatsanleihen. Im vergangenen Monat haben sie die Leerverkäufe auf die Papiere erheblich ausgeweitet. Das berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf Investoren, die über die Strategie der Fonds informiert wurden.

Demnach gehen die Hedgefonds davon aus, dass sich die Skepsis der Anleger von den bisherigen Euro-Krisenländern Griechenland, Irland und Portugal auf Italien ausweiten wird. Am Freitag erhöhte sich der Druck der Finanzmärkte auf das südeuropäische Land tatsächlich dramatisch: Anleger wollten italienische Staatsanleihen nur noch kaufen, wenn sie dafür die höchste Gefahrenzulage seit Schaffung des Euro kassieren konnten. Die Zinsen auf den Schuldenpapieren näherten sich dabei einem Niveau an, das einige Volkswirte für eine kritische Schwelle halten.

Hedgefonds können aus diesen Gefahrenaufschlägen für neue Schulden Gewinn schlagen, weil dadurch gleichzeitig die Altschulden des Landes an Wert verlieren. Mittels sogenannter Leerverkäufe profitieren die Fonds von den fallenden Kursen. Die Spitzen der EZB und der EU wollen sich laut informierten Kreisen am Montagmorgen zu einem Krisentreffen wegen der Situation Italiens treffen.

fdi



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