Schutzzölle Maschinenbauer kritisieren Handelsschranken

Vor der weltweiten Konkurrenz haben die deutschen Maschinenbauer keine Angst. Dafür macht ihnen die restriktive Handelspolitik der US-Regierung Sorge.

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Der Maschinenbauverband VDMA hat die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert und einen neuen Anlauf für ein Freihandelsabkommen der EU mit den Vereinigten Staaten gefordert. "Der amerikanische Präsident hat mit seiner erratischen Handelspolitik und der Ankündigung vieler Strafzölle zuletzt hohe Wellen geschlagen. Wir sehen dies mit großer Sorge", sagte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker auf der Hannover Messe.

Die Zölle würden auf Basis von rein nationalen Rechtsvorschriften und mit nicht plausiblen Gründen erhoben. Die USA schienen sich dadurch mehr und mehr von der Welthandelsorganisation WTO abzuwenden auf einer aggressiven Durchsetzung von US-Handelsrecht zu beharren.

Für die Maschinenbauer sind die USA der größte Einzelmarkt im Ausland. Die Hersteller konnten 2017 ihre Exporte dorthin um über elf Prozent auf rund 18 Milliarden Euro steigern. Auch im laufenden Jahr soll es weiter bergauf gehen.

"Das größte Risiko für die Industrie ist dieser Tage der zunehmende Nationalismus und damit Protektionismus in vielen Staaten - leider auch in Ländern der EU", sagte Welcker. Deutschland und die EU müssten sich für den Freihandel einsetzen.

Eröffnungsbesuch von Bundeskanzlerin Merkel

"Niemand kann ein Interesse an einer Eskalation von Handelskonflikten haben, bei der am Ende alle Seiten verlieren - die USA, China und Europa." Die EU und die USA sollten versuchen, ein neues, schlankeres Freihandelsabkommen zu vereinbaren. "Der Ort für die Beilegung von Handelsstreitigkeiten ist die WTO und nicht Twitter."

Mit ihrem traditionellen Rundgang hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Montagvormittag die weltgrößte Industrieschau Hannover Messe für Besucher eröffnet. Gemeinsam mit Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto vom diesjährigen Partnerland der Messe schaut sie sich die Industrietechnik von morgen an.

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Hannover Messe: Industrie 4.0 auf dem Vormarsch

Mehr als 5000 Aussteller aus 75 Ländern zeigen neben selbst lernenden Robotern auch Innovationen zu künstlicher Intelligenz und E-Mobilität. Die bis zum 27. April dauernde Hannover Messe - verknüpft mit der Logistik-Messe Cemat - soll den neuesten Stand bei Digitalisierung und Vernetzung von Produktionsabläufen ("Industrie 4.0") abbilden.

Bei der Eröffnungsfeier am Sonntagabend hatten auch Merkel und Peña Nieto für freien Handel geworben. Peña Nieto sagte, dass er trotz der protektionistischen Rhetorik von US-Präsident Donald Trump an ein Freihandelsabkommen mit seinem nördlichen Nachbarn glaube. Merkel betonte die Bedeutung von Investitionen in die Forschung zur künstlichen Intelligenz.

mik/Reuters

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Seite 1
nic 23.04.2018
1.
"Vor der weltweiten Konkurrenz haben die deutschen Maschinenbauer keine Angst." Wundert mich nicht, so billig wie dank Dumpinglöhnen/Gehälter anbieten können.
Beat Adler 23.04.2018
2. Lohnanteil in %
Zitat von nic"Vor der weltweiten Konkurrenz haben die deutschen Maschinenbauer keine Angst." Wundert mich nicht, so billig wie dank Dumpinglöhnen/Gehälter anbieten können.
Wie hoch ist der Lohnanteil in Prozent am Verkaufspreis einer deutschen Werkzeugmaschine?
markus_wienken 23.04.2018
3.
Zitat von nic"Vor der weltweiten Konkurrenz haben die deutschen Maschinenbauer keine Angst." Wundert mich nicht, so billig wie dank Dumpinglöhnen/Gehälter anbieten können.
Dumpinglöhne beim Maschinenbau? Ich denke Sie verwechseln da die Branchen. Mein Schwager und andere Bekannte die dort arbeiten verdienen alle extrem gut, dass selbst ich mit nun wirklich keinem schlechten Gehalt beinahe neidisch werden könnte.
pragmat 23.04.2018
4. Handelsschranken?
Zölle sind Steuern und keine Handelsschranken. Es darf auch weiter frei importiert und exportiert werden. Nur, der Staat schöpft durch Import- und Exportsteuern einen Teil des Mehrwertes der Waren ab. Das geht dann zu Lasten der Produzenten, Kaufleute oder Endverbraucher, je nachdem wer die Steuern trägt. China dagegen hat Handelsschranken, also Beschränkungen des Warenverkehrs durch Quoten und technische Handelshindernisse, was übrigens auch für die EU gilt. Restriktiv wird die Handelspolitik der USA erst, wenn auch dieses Land technische Handelshindernisse erfindet oder Import-Exportquoten einführt. Das ist aber nicht geplant. Interessant wird es nun, wenn die EU einen Freihandel für Sojabohnen mit Mexiko abschließt, wobei Mexiko nicht gerade für den Anbau von Sojabohnen bekannt ist, dagegen die USA. Auf deren Sojabohnen will die EU nun Zölle = Steuern erheben. Die USA wiederum wollen einen Freihandel mit Mexiko. Endergebnis: der Maschinen- und Automobilbau sowie der Handel mit Sojabohnen läuft über Mexiko, dass dann als Lakai der EU die Handelspolitik der USA unterläuft und reich werden möchte. So wird der Handelskrieg geschürt.
curiosus_ 23.04.2018
5. Nicht weit weg von...
Zitat von Beat AdlerWie hoch ist der Lohnanteil in Prozent am Verkaufspreis einer deutschen Werkzeugmaschine?
...100%. Denn was sonst, außer (Brutto-) Löhnen (angefangen von denen die das Eisenerz für den Stahl für die Werkzeugmaschine abbauen, über den derjenigen die die Fabrikhallen gebaut haben bis zu denen die die ganzen Produktionsanlagen aufgebaut und geliefert haben) steckt in den Maschinenkosten? Das einzige was davon abgeht sind die Gewinne der an der Wertschöpfungskette beteiligten. Plus der nicht-lohnabhängigen Steuern.
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