Schwache Investment-Sparte: Europas Schuldenmisere bremst Deutsche Bank
Das größte Geldhaus der Republik spürt die Schuldenkrise: Der Gewinn der Deutschen Bank ging im dritten Quartal deutlich zurück, vor allem die Investment-Sparte schwächelt. Allerdings fällt der Einbruch insgesamt nicht so stark aus wie befürchtet.
Hamburg - Spurlos geht die Euro-Krise nicht an der Deutschen Bank vorbei: Der Gewinn nach Steuern von Deutschlands größtem Geldhaus ging im dritten Quartal auf 777 Millionen Euro zurück. Im zweiten Quartal hatte er noch bei 1,2 Milliarden Euro gelegen, das entspricht einem Rückgang von rund 35 Prozent.
Grund für den Rückgang ist das derzeit schwache Investmentbanking. Investoren halten sich derzeit zurück, auch Übernahmen und Börsengänge sind rar. Entsprechend wenig ist auf diesem Gebiet derzeit für die Deutsche Bank zu holen. Die Investment-Sparte verdiente im Quartal nur 70 Millionen Euro, vor einem Jahr waren es 1,1 Milliarden.
Experten hatten deswegen sogar mit einem noch stärkeren Gewinnrückgang gerechnet - und zeigten sich nun positiv überrascht. Ein Händler bezeichnete die Zahlen der Deutschen Bank in einem ersten Kommentar gar als "exzellent".
Der Deutsche-Bank-Chef bewertet das eigene Ergebnis vorsichtig. "Im dritten Quartal war das operative Umfeld so schwierig wie seit dem Jahresende 2008 nicht mehr", sagte Josef Ackermann. "Gründe waren der sich verschlechternde makroökonomische Ausblick sowie die erheblichen Turbulenzen am Finanzmarkt. Zwangsläufig war auch unser Geschäft von diesem Umfeld betroffen."
Deutsche Bank will Griechenland-Abschreibungen aus eigener Kraft stemmen
Bereits zu Monatsbeginn hatte Ackermann seine ehrgeizigen Ziele angesichts des enttäuschenden Investmentgeschäfts kassiert. Der geplante Vorsteuer-Jahresgewinn von zehn Milliarden Euro sei in diesem Jahr nicht zu schaffen, sagte er seinerzeit. Insgesamt verdiente das Geldhaus in den ersten neun Monaten 6,3 Milliarden Euro.
Angesichts der Marktturbulenzen und des schwächelnden Investmentbankings deutete die Deutsche Bank weitere Stellenstreichungen an. "Wir passen unseren Personalbestand bereits an und werden das fortsetzen, wenn das Umfeld so bleibt, wie es derzeit ist", sagte Finanzvorstand Stefan Krause. Bereits zu Monatsbeginn hatte die Bank angekündigt, im Investmentbanking 500 Stellen zu streichen.
Durch die Euro-Krise muss sich die Deutsche Bank vielleicht bald neues Geld am Markt besorgen. Die EU-Kommission will Europas Banken dazu zwingen, ihr Kapital aufzustocken und sich so gegen eine mögliche Pleite Griechenlands zu wappnen. Ackermann sieht sein Unternehmen dafür gut gerüstet. Das Institut habe seine Kapital- und Refinanzierungsressourcen so gestärkt, dass es für die Herausforderungen "besser denn je" vorbereitet sei, heißt es im Quartalsbericht.
Tatsächlich ist die Deutsche Bank für einen möglichen Schuldenschnitt offenbar gut gerüstet. Griechische Staatspapiere stehen derzeit mit 46 Prozent des Nominalwerts in den Büchern, wie aus einer Analystenpräsentation des Instituts hervorgeht. Damit würde die Bank bei einem entsprechenden Schuldenschnitt kaum Verluste verbuchen.
ssu/dpa/Reuters
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