Schwache Konjunktur Krise stürzt Zehntausende Firmen in die Pleite

Immer mehr Unternehmen bekommen die Folgen der Wirtschaftskrise zu spüren. Laut einer neuen Studie sind 2009 in Europa mehr als 230.000 Firmen zusammengebrochen. Vor allem Mittelständler sind betroffen - und mit ihnen weit mehr als eine Million Arbeitnehmer.

Der letzte Quelle-Katalog: Das Unternehmen meldete 2009 Insolvenz an
dpa

Der letzte Quelle-Katalog: Das Unternehmen meldete 2009 Insolvenz an


Düsseldorf - Erst bricht die Nachfrage ein, dann kommt die Pleite: Die schwere Wirtschaftskrise hat im vergangenen Jahr zahlreiche Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit getrieben. Nach Angaben der Wirtschaftsauskunftsdatei Creditreform von diesem Mittwoch gingen 2009 in Europa 236.000 Firmen pleite, 26 Prozent mehr als 2008.

Die meisten Firmenzusammenbrüche gab es in Frankreich mit 55.800 Insolvenzen (plus 12,2 Prozent), Deutschland mit 34.300 Insolvenzen (plus 16,0 Prozent) und Großbritannien mit 20.300 Insolvenzen (plus 24,8 Prozent). Europaweit waren 1,7 Millionen Arbeitnehmer von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen.

Prominente deutsche Fälle waren etwa der einst größte deutsche Versandhändler Quelle, der Porzellanhersteller Rosenthal und die Unterwäschefirma Schiesser.

Einen besonders starken Anstieg der Firmeninsolvenzen verzeichneten die mittel- und osteuropäischen Staaten. Die Zahl stieg von 35.400 im Jahr 2008 auf 51.000 im vergangenen Jahr und nahm damit um 44 Prozent zu.

Den stärksten Anstieg in der Zahl der Insolvenzen verzeichnete aber Spanien: Dort gingen 4900 Unternehmen pleite, beinahe doppelt so viele wie 2008. In Irland waren es gut 80 Prozent mehr, in den Niederlanden und in Dänemark immerhin über die Hälfte mehr.

In Westeuropa gingen insgesamt 185.000 Firmen pleite, 22 Prozent mehr als 2008. Hier werde die Zahl der Firmenpleiten in diesem Jahr trotz der Konjunkturerholung auf 200.000 bis 210.000 steigen, prognostizierte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Mittwoch.

Lage verschärft sich durch Forderungsausfälle

"Es gibt derzeit keinen Silberstreif am Horizont", betonte Rödl. Die Finanzierungssituation der Betriebe sei prekär und die Geldbeschaffung schwierig. Die Wirtschaftskrise habe in den Bilanzen der Unternehmen tiefe Spuren hinterlassen. Durch die schlechte Ertragslage hätten viele Betriebe zudem keine Kapitalrücklagen bilden können. Darüber hinaus verschärfe sich die Lage durch immer mehr Forderungsausfälle. Europäische Firmen müssen im Schnitt fast zwei Monate warten, bis ihre Rechnungen bezahlt werden.

Auch Industriebetriebe kommen in Existenznot. 2009 kam jede neunte insolvente Firma aus dem Verarbeitenden Gewerbe. 2008 war es noch jede zehnte.

In diesem Jahr werden laut Creditreform auch immer mehr Mittelständler in den Sog der Pleitewelle geraten. Kamen 2009 knapp die Hälfte aller Insolvenzfälle aus dem Mittelstand, könnte der Anteil in diesem Jahr auf über 80 Prozent steigen. Ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent reiche nicht aus, um weitere Firmenzusammenbrüche in Europa zu vermeiden. Erst 2011 könnte sich die Lage entspannen, sagte Rödl.

Mehr Verbraucherinsolvenzen

Auch die Verbraucher kamen nicht ungeschoren durch die Krise. In Westeuropa meldeten sich im vergangenen Jahr 361.000 Menschen zahlungsunfähig - 12,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders düster war die Lage in Frankreich und Großbritannien mit einer Zunahme von jeweils mehr als einem Viertel. Schlusslicht ist dabei Großbritannien: "2009 meldeten drei von 100 erwachsenen Briten ihren wirtschaftlichen Zusammenbruch."

Auch in Deutschland dürfte sich die Lage 2010 mit dem erwarteten Anstieg der Arbeitslosigkeit verschärfen. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Verbraucherinsolvenzen mit 127.500 Betroffenen gegenüber 2008 nahezu stabil geblieben. Vor allem das Kurzarbeitergeld habe dazu beigetragen, dass die Entwicklung relativ moderat ausgefallen sei.

Die Lage in Deutschland verschlechtert sich zudem durch die miese Konsumstimmung. Marktforscher der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erwarten für das laufende Jahr keine Erholung. Der private Verbrauch werde 2010 stagnieren, teilten die Konsumforscher am Mittwoch in Nürnberg mit.

Die Angst vor Arbeitslosigkeit verändere das Konsumverhalten der Menschen deutlich. Drohende Arbeitslosigkeit führe zu "Vorsichtssparen".

fro/dpa/AFP/Reuters



Forum - Soll der Staat mit Geldgeschenken den Konsum fördern?
insgesamt 509 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wudi 15.08.2009
1.
Zitat von sysopDie außergewöhnliche Wirtschaftskrise forderte außergewöhnliche Maßnahmen. Aber war die Abwrackprämie wirklich eine so gute Idee? Soll der Staat überhaupt mir Geldgeschenken den Konsum fördern? Diskutieren Sie mit!
Abwrackpraemie? Schwachsinn. Hier wurde ein "Problem" nur verschoben. Was in diesem Jahr durch die Praemie mehr produziert wurde fehlt im naechsten Jahr. Der Autokauf wurde nur vorverlegt. Auch wurden meist Kleinwagen umgesetzt, oft auslaendische Produkte. Mercedes, BMW, Audi und Porsche half diese Praemie wenig. Man sollte mal gegenrechnen, Mehrproduktion in Deutschland und Verlust der Gebrauchtwagenhaendler und Werkstaetten. Das Ganze war ein Flop.
kaffeepause 15.08.2009
2.
Zitat von sysopDie außergewöhnliche Wirtschaftskrise forderte außergewöhnliche Maßnahmen. Aber war die Abwrackprämie wirklich eine so gute Idee? Soll der Staat überhaupt mir Geldgeschenken den Konsum fördern? Diskutieren Sie mit!
(tze) Die Abwarckprämie war sehr medienwirksam, gab dem "Normalverbraucher" das Gefühl von der Krise profitieren zu können und hat den endgültigen Kollaps lediglich wahlopportunistisch verzögert. Da sich die Bundesregierung zwischen Marktwirtschaft und Sozialstaat nicht entscheiden kann und die Wirtschaft den Sozialstaat präferiert, um nicht die dort dringend notwendigen Strukturänderungen und entsprechende Verluste in Kauf nehmen zu müssen, nötigt der Staat dem Steuerzahler die Subventionierung der Wirtschaft auf: Der Arbeitsmarkt wird über Hartz IV und die ARGEN kaputtsubventioniert. Jobvermittlungen, moderner Menschenhandel, und Incassounternehmen sind boomende "Wirtschaftszweige" Billiger werden Arbeitskräfte dadurch nicht wirklich, nur bei dem der arbeitet kommt dadurch weniger Geld an und Differenzen gehen zu Lasten der "Staatskasse", also des gemeinen Steuerzahlers. Wie hoch ist die steuerliche Belastung durch die Lebenshaltungskosten mittlerweile? Und wieso wird die "Wirtschaft" nicht längst angemessen besteuert? Der Binnenmarkt wird sich niemals erholen, wenn der Staat weiterhin wahlpolitisch kosmetisch exportorientierte Industriezweige unterstützt und den Großteil der Menschen, die in diesem Lande leben und arbeiten, wirtschafts- und sozialpolitisch langsam aber sicher unters Existenzminimum zwingt. Was nutzt das nette neue Auto, wenn man ein Jahr nach dem Kauf arbeitslos wird, weil der Arbeitgeber Lohnkosten sparen und lieber ARGE unterstütze Kräfte haben möchte. Und man sich den Unterhalt des Autos dann nicht mehr leisten kann, weil man mit dem neuen Vollzeitjob nicht mal das Existenzminimum sichern kann und zusätzlich staatliche Unterstützung benötigt? Der Staat ist dazu verpflichtet die politischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass man von Arbeit leben kann, er ist nicht dazu da, Geldgeschenke zu machen. Meinetwegen können die ARGEN mit allen Schmarotzern, die davon profitieren, abgeschafft werden. Und ich meine jetzt nicht die sog. "Kundschaft".
hdwinkel 15.08.2009
3. Ökologischer und wirtschaftlicher Unsinn
Zitat von sysopDie außergewöhnliche Wirtschaftskrise forderte außergewöhnliche Maßnahmen. Aber war die Abwrackprämie wirklich eine so gute Idee? Soll der Staat überhaupt mir Geldgeschenken den Konsum fördern? Diskutieren Sie mit!
Mit der Förderung des Absatzes von Altautos schießt sich die Autoindustrie immer mehr ins Abseits. Neue Mobilitätskonzepte? Fehlanzeige! Dabei hätte grade das ein Zukunftsmarkt für die Autobauer sein können. Ökologisch ist das ohnehin Unsinn: http://www.heise.de/tp/blogs/2/143470
descartes101, 15.08.2009
4.
Zitat von sysopDie außergewöhnliche Wirtschaftskrise forderte außergewöhnliche Maßnahmen. Aber war die Abwrackprämie wirklich eine so gute Idee? Soll der Staat überhaupt mir Geldgeschenken den Konsum fördern? Diskutieren Sie mit!
Wenn der Staat Milliarden von Steuergeld in Form von sog. 'Rettungspaketen' Banken und Konzernen wie Puderzucker in den Hintern bläst, dann ist das ein Geschenk. Wenn die Bürger Geld vom Staat erhalten, dann nennt man das eine Steuerrückzahlung. Das nur, um die SpOn-Terminologie geradezurücken. Sie sollten nicht alles kritiklos übernehmen, was da in Berlin gesabbelt wird.
loser, 15.08.2009
5.
Zitat von wudiAbwrackpraemie? Schwachsinn. Hier wurde ein "Problem" nur verschoben. Was in diesem Jahr durch die Praemie mehr produziert wurde fehlt im naechsten Jahr. Der Autokauf wurde nur vorverlegt. Auch wurden meist Kleinwagen umgesetzt, oft auslaendische Produkte. Mercedes, BMW, Audi und Porsche half diese Praemie wenig. Man sollte mal gegenrechnen, Mehrproduktion in Deutschland und Verlust der Gebrauchtwagenhaendler und Werkstaetten. Das Ganze war ein Flop.
Sind dieses Jahr nicht Wahlen ? Was kümmert einen Politiker die Zukunft, wenn Er/Sie dieses Jahr gewählt werden möchte. Geschenke gibt's immer nur vor den Wahlen; und danach gibt's dann "trocken Brot" für die Allgemeinheit. Gruss
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.