Schwache Zahlen Griechenland-Krise halbiert Commerzbank-Gewinn

Der griechische Schuldenschnitt hat der Commerzbank das Geschäftsjahr 2011 vermasselt. Der Gewinn brach im Vergleich zum Vorjahr um 55 Prozent ein. Ärgerlich für die Steuerzahler: Obwohl die Bank im Plus blieb, erhält der deutsche Staat für seine Hilfen erneut keine Zinsen.

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt:
DPA

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt:


Frankfurt am Main - Die Griechenland-Krise zehrt kräftig an den Gewinnen der deutschen Finanzindustrie. Mit der Commerzbank und der Allianz meldeten am Donnerstag gleich zwei Schwergewichte der Branche schwache Zahlen.

Wie die Commerzbank Chart zeigen am Donnerstag mitteilte, sank der Überschuss im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 55,4 Prozent auf 638 Millionen Euro. Für die deutschen Steuerzahler hat die Bank sogar noch betrüblichere Zahlen parat: Weil die Bank nach deutschem Bilanzrecht (HGB) sogar Verluste schreibt, zahlt sie erneut keine Zinsen auf die Staatshilfen, mit denen der Bund das Institut vor drei Jahren vor dem Zusammenbruch bewahrt hat. Damit entgehen dem Fiskus Zinszahlungen in Höhe von rund 170 Millionen Euro für die verbliebenen 1,9 Milliarden Euro Stille Einlage. Den Großteil der Staatshilfen von mehr als 18 Milliarden Euro hatte die Bank bereits getilgt.

Hauptgrund für das schwache Ergebnis war der ausgehandelte Schuldenschnitt für Griechenland. Er belastete die Bilanz mit rund 2,3 Milliarden Euro. Die privaten Gläubiger hatten sich in der Nacht zu Dienstag bereiterklärt, Griechenland Schulden in Höhe von 107 Milliarden Euro zu erlassen und die übrigen Staatsanleihen in neue Papiere mit niedrigerer Verzinsung und längerer Laufzeit umzutauschen. Für die Commerzbank waren deshalb alleine im vierten Quartal 2011 noch einmal Abschreibungen von 700 Millionen Euro nötig.

Insgesamt hat die Bank ihren Bestand an griechischen Staatsanleihen um rund 74 Prozent abgeschrieben. Das ließ auch die gute Entwicklung im Kerngeschäft in den Hintergrund treten. Ursprünglich hatte Vorstandschef Martin Blessing eine deutliche Gewinnsteigerung angekündigt. Angesichts der Schuldenkrise musste er dieses Ziel aber im Laufe des Jahres aufgeben.

Allianz-Gewinn bricht auf 2,5 Milliarden Euro ein

Auch dem Versicherungskonzern Allianz Chart zeigen, der an der Commerzbank beteiligt ist, vermasselte die Euro-Schuldenkrise den Gewinn. Der Überschuss sank um fast die Hälfte auf rund 2,5 Milliarden Euro. Im Jahr 2010 waren es noch fünf Milliarden Euro gewesen. Insbesondere Wertberichtigungen von Aktien und griechischen Staatsanleihen in Höhe von insgesamt 1,9 Milliarden Euro zehrten am Gewinn des Münchner Konzerns.

Commerzbank-Chef Martin Blessing rechnet für 2012 mit einer kontinuierlichen Erhöhung des operativen Gewinns, nennt aber keine konkreten Zahlen. "Die mit der europäischen Staatsschuldenkrise einhergehende hohe Unsicherheit wird uns jedoch weiterhin vor Herausforderungen stellen", sagte der Banker.

Einen Erfolg kann Blessing aber schon vermelden: Sein Unternehmen wird die von der europäischen Bankenaufsicht (EBA) festgestellte Kapitallücke von 5,3 Milliarden Euro wohl rechtzeitig bis zur Jahresmitte schließen können. Wie das Finanzinstitut mitteilte, seien mittlerweile nur noch 1,8 Milliarden Euro nötig.

Mit einer Kapitalerhöhung will die Bank ihr Eigenkapital um mehr als eine Milliarde Euro aufstocken. Sie kündigte am Donnerstag an, sogenannte Hybridpapiere in neue Aktien umzutauschen. Die Umtauschaktion betrifft auch den deutschen Staat, der mit 25 Prozent größter Aktionär der Bank ist und sich an der Kapitalerhöhung beteiligen will um diesen Anteil konstant zu halten.

stk/dpa/Reuters7AFP

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Seite 1
redwed11 23.02.2012
1. Macht ja nichts
Zitat von sysopDPADer griechische Schuldenschnitt hat der Commerzbank das Geschäftsjahr 2011 vermasselt. Der Gewinn brach im Vergleich zum Vorjahr um 55 Prozent ein. Ärgerlich für die Steuerzahler: Obwohl die Bank im Plus blieb, erhält der deutsche Staat für seine Hilfen erneut keine Zinszahlungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,817051,00.html
Macht ja nichts, wenn die Bank Minus macht. Wichtig ist doch, dass die Banker ihre Boni erhalten. Denn wovon soll dieses asoziale Gewerbe sonst den Koks bezahlen, der für diese Leute unbedingt erforderlich ist. Wir Steuerzahler machen das doch gern. Schließlich haben wir es hier mit den "Masters of Univers" zu tun.
derknecht 23.02.2012
2.
Find es schon lustig zu schreiben, dass der Gewinn der Bank "nur" noch 600 Millionen beträgt, aber da sie Verlust machen müssen sie keine Zinsen zahlen!?! Muss zugeben vom Bilanzrecht hab ich keine Ahnung. Aber schön zu sehen wie man sich als quasi als Entwerfer solcher Gesetze (Man hat es bei Ackermann gesehen welcher den Entwurf für Bankenspezifische Gesetze entworfen hat) seinen Gewinn als Verlust abschreiben kann. Wenn ein Staat im laufenden Jahr Minus macht, muss er dann die Zinsen auch nicht an die Banken zurückzahlen? Tja so erkennt man wer die eigentlichen Herrscher sind.... Und auch die Chefs von SPON und Co. Sieht man ja in der Art und Weise der Berichterstattung....
marc0815 23.02.2012
3. schön oder schlechtgerechnet?
hat die Bank also ausreichendc Boni ausgezahlt, Rückstellungen gebildet und Scheinverluste abgeschrieben damit der Steuerzahler auch keinen Cent auf die Milliardenhilfen Zinsen erhält. Wo gibt es eigentlich sonst Kreditverträge, bei dem man keine Zinsen zahlen muss, wenn man keine Gewinne macht? Ich werde mal bei meiner Bank anfragen ob ich auch so einen Vertrag bekomme... Bin auf die Antwort gespannt.
laird_dave 23.02.2012
4.
Zitat von marc0815hat die Bank also ausreichendc Boni ausgezahlt, Rückstellungen gebildet und Scheinverluste abgeschrieben damit der Steuerzahler auch keinen Cent auf die Milliardenhilfen Zinsen erhält. Wo gibt es eigentlich sonst Kreditverträge, bei dem man keine Zinsen zahlen muss, wenn man keine Gewinne macht? Ich werde mal bei meiner Bank anfragen ob ich auch so einen Vertrag bekomme... Bin auf die Antwort gespannt.
Blödsinn. Die Bank hat genau _0_ Euro Boni ausgezahlt. Die Abschreibungen auf nicht realisierte Verluste sind VOM GESETZGEBER VORGESCHRIEBEN. Rückstellungen belasten das Ergebnis nicht. Bilanz gelesen? HGB gelesen? IFRS-Regelungen gelesen? Alles verstanden? Nein? Dann besser nicht posten. Das ist in der Geschäftskundenfinanzierung durchaus üblich. Wenn Sie gut genug sind und damit als Vertragspartner interessant dann können Sie solche Geschäfte machen. Yeah, mein erster Post und gleich so ein Quatsch vor der Nase.... btw, disclaimer: Ich arbeite für die Commerzbank und ich arbeite gern hier. Mir geht dieses ständige "Banken sind böse" ohne Ahnung davon zu haben tierisch auf den Sack. Man verzeihe mir also den ggf. etwas ungehaltenen Tonfall.
Ferdi 23.02.2012
5.
die unfähigkeit sämtlicher zuständiger behörden wasserdichte gesetze, regulierungsvorschriften oder auch nur konditionen für stille einlagen zu beschließen ist unfassbar. dass sie natürlich immer "verluste" schreiben um keine zinsen zu zahlen wäre doch jedem mittelmäßigen schulabgänger aufgefallen. man sollte alle zuständigen beamten sofort entlassen (bei vorsätzlicher veruntreung von staatsgeldern bestimmt möglich) und hilfen grundsätzlich nur als kapitalerhöhung zahlen - also die banken übernehmen. haften muss der staat ja sowieso. das ist doch seit jahren jedem klar. von wegen hier läuft die verwaltung besser als in griechenland, da funktioniert ja garnichts! die misswirtschaft von politik und finanzwirtschaft geschieht völlig offen und niemand versucht auch nur ernsthaft was zu ändern, das macht einen schon hilflos. es bräuchte nur einen minister der durchgreift und nägel mit köpfen macht.
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