Schweiz: Bankdaten-Dieb soll 18 Monate ins Gefängnis

Julius Bär in Zürich: Datendieb wurde im Sommer 2012 verhaftet Zur Großansicht
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Julius Bär in Zürich: Datendieb wurde im Sommer 2012 verhaftet

Ein mutmaßlicher Datendieb aus Deutschland muss in der Schweiz mit einer harten Strafe rechnen. Dem IT-Techniker drohen drei Jahre Haft, die Hälfte soll zur Bewährung ausgesetzt werden. Er hatte rund 2700 Datensätze der Privatbank Julius Bär an deutsche Steuerbehörden verkauft.

Zürich - Ein Computer-Spezialist soll in der Schweiz zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden. Der Mann hatte laut Anklage Kundendaten der Privatbank Julius Bär gestohlen und an deutsche Steuerbehörden verkauft. Die Bundesanwaltschaft fordert eine Gefängnisstrafe von drei Jahren, die zur Hälfte zur Bewährung ausgesetzt werden soll, wie die Schweizer Nachrichtenagentur sda am Dienstag berichtete.

Der aus Deutschland stammende Mann ist geständig und mit dem Strafmaß einverstanden. Sein Fall wird deshalb in einem abgekürzten Verfahren behandelt, bei dem es im Wesentlichen darum geht, dass das Bundesstrafgericht das zwischen dem Angeklagten und der Bundesanwaltschaft ausgehandelte Strafmaß genehmigt. Der Prozess soll am 22. August an einem einzigen Tag über die Bühne gehen.

Der Mann, der im Sommer 2012 nach einer Anzeige der Bank Bär verhaftet wurde, gab nach Angaben der Bundesanwaltschaft zu, gestohlene Daten von rund 2700 aus Deutschland stammenden reichen Bär-Kunden über einen Mittelsmann für 1,1 Millionen Euro an deutsche Steuerbehörden verkauft zu haben. Den größten Teil des Geldes soll er dazu verwandt haben, Steuerschulden in Deutschland zu begleichen. 200.000 Euro habe er in die Schweiz mitgenommen und 220.000 Euro soll er seinem Mittelsmann, einem pensionierten deutscher Steuerfahnder, überlassen haben. Bei der Bank Bär war er als Leiharbeiter tätig. Er soll auch versucht haben, den niederländischen Behörden Bär-Kundendaten zu verkaufen.

Der in der Schweiz lebende Mann, dem neben der Verletzung des Schweizer Bankgeheimnisses auch Geldwäsche und Wirtschaftsspionage vorgeworfen wird, rückte bereits am 1. März freiwillig ins Gefängnis ein und hat bereits sechs Monate abgesessen. Ein Verfahren gegen seine Frau wurde eingestellt. Gegen den deutschen Ex-Steuerfahnder ermitteln die Schweizer weiter.

cte/Reuters

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insgesamt 56 Beiträge
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1.
c.PAF 13.08.2013
Zitat von sysopREUTERSEin mutmaßlicher Datendieb aus Deutschland muss in der Schweiz mit einer harten Strafe rechnen. Der IT-Techniker drohen drei Jahre Haft, die Hälfte soll zur Bewährung ausgesetzt werden. Er hatte rund 2700 Datensätze der Privatbank Julius Bär an deutsche Steuerbehörden verkauft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/schweiz-bankdaten-dieb-soll-18-monate-ins-gefaengnis-a-916445.html
Datendieb? Hatte denn die Bank die Daten im Anschluß nicht mehr? Oder ist er "nur" ein Datenkopierer? Das Kopieren dürfte aber auch eher der nicht relevante Teil sein, strafrechlich relevant ist wohl eher der Verkauf...
2. Clever gemacht, Herr Finanzminister!
zbv10 13.08.2013
Man suche einen Menschen, der reichlich Schulden beim deutschen Fiskus hat und zudem noch bei einem Schweizer Geldinstitut arbeitet (heute eine Arbeit von Sekunden für einen guten Datenschnüffler). Dann setze man den Steuerschuldner unter Druck, damit er seine Steuerschulden begleicht, ansonsten käme es zur Zwangsvollstreckung. Außer...
3. Datendiebstahl nicht gleich Datendiebstahl
m a x l i 13.08.2013
Zitat von sysopREUTERSEin mutmaßlicher Datendieb aus Deutschland muss in der Schweiz mit einer harten Strafe rechnen. Der IT-Techniker drohen drei Jahre Haft, die Hälfte soll zur Bewährung ausgesetzt werden. Er hatte rund 2700 Datensätze der Privatbank Julius Bär an deutsche Steuerbehörden verkauft. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/schweiz-bankdaten-dieb-soll-18-monate-ins-gefaengnis-a-916445.html
Merke: Wer Datendiebstahl begeht, muss unterscheiden können: Die Privat-emails von François, Wladimir und Angela mitlesen, um diese erpressbar zu machen, ist o.k. Daten von reichen Bankkunden weitergeben, wodurch möglicherweise reiche Steuerbetrüger auffliegen könnten, wird hart bestraft.
4. Paranoia
alwalis 13.08.2013
Ich befürchte, dass das alles schon bekannt war, noch bevor die Daten-CD verkauft wurde. Wie kann es sein, dass in dem welt-umspannenden Datenstaubsauger nichts davon hängen geblieben sein soll? Die Frage wäre dann: wer hat es gewusst und warum hat man die Leute machen lassen? Nachdem es zu den Veröffentlichungen bez. Prism und Co. kam, ging mir das zuallererst durch den Kopf. Man stelle sich vor, wie erpressbar diese Steuerflüchtlinge wären, die ja oft auch einflussreiche Posten besetzen. Ist das schon Paranoia, so zu denken?
5.
Trondesson 13.08.2013
Zitat von zbv10Man suche einen Menschen, der reichlich Schulden beim deutschen Fiskus hat und zudem noch bei einem Schweizer Geldinstitut arbeitet (heute eine Arbeit von Sekunden für einen guten Datenschnüffler). Dann setze man den Steuerschuldner unter Druck, damit er seine Steuerschulden begleicht, ansonsten käme es zur Zwangsvollstreckung. Außer...
Hätte er die Daten nicht verkauft sondern den Behörden einfach übergeben, wäre das glaubhaft.
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