Franken-Kurs Schweizer Banken parken Rekordsumme bei Nationalbank

Die Einlagen der Schweizer Banken sind bei der Nationalbank SNB binnen einer Woche stark gestiegen. Die Entwicklung weist darauf hin, dass die Nationalbank am Devisenmarkt aktiv ist - um den Franken gegenüber dem Euro zu schwächen.

Fassade der Schweizerischen Nationalbank in Bern: Eingriff am Devisenmarkt?
DPA

Fassade der Schweizerischen Nationalbank in Bern: Eingriff am Devisenmarkt?


Eigentlich hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Januar ihren bisherigen Mindestkurs von 1,20 Franken zum Euro aufgegeben und damit eine stärkere Aufwertung des Schweizer Franken zugelassen. Prinzipiell verteidigt die SNB damit keine Kursuntergrenzen mehr. Nun aber gibt es Hinweise, dass die Notenbank wieder in den Devisenmarkt eingegriffen haben könnte: Die Giroguthaben der Banken bei der Notenbank beliefen sich in der vergangenen Woche bis zum Freitag auf 385,9 Milliarden Franken, wie die SNB mitteilte. Das bedeutet einen Anstieg von 1,9 Milliarden Franken gegenüber der Vorwoche.

Die Entwicklung der sogenannten Sichteinlagen ist ein Hinweis darauf, ob die Nationalbank am Devisenmarkt aktiv ist, um den Franken gegenüber dem Euro zu schwächen: Die Zentralbank kauft Euro und schreibt den Banken den entsprechenden Franken-Betrag auf deren Girokonten bei der SNB gut. Ein Sprecher wollte laut Nachrichtenagentur Reuters nicht Stellung dazu nehmen, ob die Notenbank am Devisenmarkt interveniert hat.

Notenbankchef Thomas Jordan und seine beiden Direktoriumskollegen haben allerdings wiederholt gesagt, dass sie auch nach der Abkehr von der mehr als drei Jahre lang geltenden Euro-Kursuntergrenze eingreifen wollen, falls wieder eine Geldwelle auf die Schweiz zurollen sollte. Die Gemeinschaftswährung war in der vergangenen Woche im Sog des schwelenden Griechenland-Schuldenstreits bis auf Kurse knapp über 1,02 Franken abgesackt. Das ist der tiefste Stand seit Aufhebung des Franken-Mindestkurses zum Euro. Aktuell werden für einen Euro 1,0375 Franken bezahlt.

"Einiges deutet darauf hin, dass sich die SNB nun veranlasst sah, diesem Trend entgegenzuwirken", berichtet die "Neue Zürcher Zeitung" ("NZZ"). Dabei dürfte die Nationalbank aber in eher kleinerem Umfang interveniert haben, schreibt die Zeitung.

Die Notenbank stemmt sich seit Januar mit Strafzinsen gegen den Geldfluss in die Währung Franken. Eine Aufwertung des Franken ist schädlich für die exportorientierte Industrie des Landes. Einlagen bei der Zentralbank werden aktuell mit einer Gebühr von 0,75 Prozent belastet.

bos/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.