Verhinderte Importe Schweiz brummt BMW Millionenstrafe auf

BMW soll bewusst den Schweizer Markt abgeschottet haben, um Käufe mit dem starken Franken zu verhindern. Mit dieser Argumentation verhängt die Wettbewerbskommission des Landes eine Strafe von 130 Millionen Euro gegen den Autobauer. Der Konzern will sich wehren - und ist "relativ empört".

BMW-Produktion (in China): "Zahlreiche Beschwerden von Endkunden"
DPA

BMW-Produktion (in China): "Zahlreiche Beschwerden von Endkunden"


Bern/München - Von München ist es nicht weit in die Schweiz. Dennoch soll der Münchner Autobauer BMW den Schweizer Markt abgeschottet haben. Mit dieser Begründung verhängte die Wettbewerbskommission (Weko) in Bern jetzt eine Buße in Höhe von umgerechnet rund 130 Millionen Euro.

BMW Chart zeigen habe Händlern im Euro-Raum durch eine Klausel verboten, Neuwagen an Kunden aus der Schweiz zu verkaufen, teilte die Weko mit. So hätten Schweizer Konsumenten die Stärke des Franken gegenüber dem Euro nicht nutzen können. Der Schweizer Franken hat in jüngster Zeit gegenüber dem Euro stark an Wert gewonnen und so Käufe in der Euro-Eone attraktiver gemacht.

"Aufgrund der Vertragsklausel konnten die Konsumenten in der Schweiz nicht von den beträchtlichen Wechselkursvorteilen profitieren. Wegen des Wertes der betroffenen Güter wären diese Vorteile für den einzelnen Konsumenten bedeutend gewesen", argumentierte die Weko. Die Abschottung des Schweizer Marktes habe zudem zu einem geringeren Wettbewerbsdruck auf die Preise geführt. Die Kartellbehörde erhielt nach eigenen Angaben in der zweiten Jahreshälfte 2010 "zahlreiche Beschwerden von Endkunden".

BMW will die Buße nicht bezahlen und gegen den Bescheid Beschwerde beim Schweizer Bundesverwaltungsgericht, einlegen. "Wir weisen die Vorwürfe der Weko zurück. Wir sind relativ empört", sagte eine Sprecherin. BMW sehe keinen Verstoß gegen das Schweizer Wettbewerbsrecht.

"Wir verkaufen jederzeit Fahrzeuge auch an Schweizer Kunden", sagte die Sprecherin. Im vergangenen Jahr habe der Konzern rund 500 Autos der Marken BMW und Mini direkt in die Schweiz importiert und weitere 1070 über Tageszulassungen. Das entspreche der Größenordnung von Direktimporten bei anderen Herstellern. Die Argumentation der Behörde, dass es Preisunterschiede gegeben habe, sei nicht haltbar, weil nur Listenpreise verglichen würden.

dab/Reuters/dapd



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tim-quasineutral 24.05.2012
1. Stimmen die Zahlen?
Stimmen die Zulassungszahlen? BMW hat in die Schweiz also ca. 1.500 Autos geliefert? Mehr setzt BMW dort nicht ab? Alle anderen BMWs sind dann von anderen Händlern importiert?
Stelzi 24.05.2012
2. Man darf davon ausgehen, dass BMW schuldig ist
Nicht nur weil sich so etwas recht einfach überprüfen liesse, sondern vor allem weil derlei Schindluder von vielen Firmen aller Branchen getrieben wird - vorallem auch von schweizer Konzernen, die ihre Produkte in der Schweiz zuweilen für bis zu 100% höhere Preise (Währungs- und MwSt-bereinigt) verticken als im Ausland. Und um Re-Importe zu verhindern, werden die Partner im Ausland mit Vertragsklauseln dazu gezwungen, Verkäufe in die Schweiz zu unterlassen. Auch da gab es schon Ermittlungen, Urteile und Strafen. Wieso sollte BMW die Kuh nicht auf dieselbe Weise melken wollen? Es wird halt zu einer Verhandlung kommen und dann wird die Wahrheit schon ans Licht kommen.
Niamey 24.05.2012
3. Hahaha....
Zitat von sysopDPABMW soll bewusst den Schweizer Markt abgeschottet haben, um Käufe mit dem starken Franken zu verhindern. Mit dieser Argumentation verhängt die Wettbewerbskommission des Landes eine Strafe von 130 Millionen Euro gegen den Autobauer. Der Konzern will sich wehren - und ist "relativ empört". http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,834958,00.html
Das gab es schon immer und überall. Wer erinnert sich an Grauimporte? In Mexiko werden VW, Audi, BMW etc. zu Traumpreisen verkauft. Und es sind teilweise importierte Autos die so auch in Deutschland fahren dürften. Natürlich werden die Werke bei entsprechenden Ansinnen immer behaupten das ginge nicht weil das Bremslicht heller ist, oder angeblich der Motor eine andere Spezifikation hat. Aber lasst die Schweizer nur zahlen. Die haben eine wesentlich höhere Kaufkraft als alle anderen. Wenn die für ein BigMac Menu 15 Sfr zahlen können, dann eben auch 55 Tausen SFr für einen 320er BMW!
Oberleerer 24.05.2012
4.
Es ist naheliegend, dass Schweizer auch Schwarzgeld haben, aber wohin damit? Sinnvollerweise kommen die also mit Bargeld zum BMW-Händler nach Deutschland, weil sonst die Gefahr besteht, dass die Kontobewegungen ans Finanzamt gemeldet werden. Als Alternative müßte man mit ca. 50.000SFr nach Tschechien um dort beim Vietnamesen in Euro zu tauschen, aber das trauen sich vermutlich die wenigsten :)
spiekla 24.05.2012
5. Ich verstehe die Schweizer Behörde nicht,
den Schweizer BWM Händlern den Schutz durch BMW zu entziehen und die Schweizer zu den Süddeutschen Händlern zu treiben. Wenn das auch in anderen Branchen durchgezogen wird, macht der Schweizer Einzelhandel noch weniger Umsatz. Und bei Lebensmitteln und anderen kofferraumkompatiblen Produkten wird auch noch in die Schweiz zoll- und MwSt. frei importiert. Insofern darf Deutschland sich darüber freuen: Mehr Umsatz für unseren Handel und MwSt. an den Staat.
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