Nach Verhaftungswelle Schweizer Behörden prüfen saudische Konten

Bis zu 300 Milliarden Dollar saudi-arabischer Kunden sollen auf Bankkonten in der Schweiz lagern. Nach zahlreichen Verhaftungen unter der Elite des Golfstaats nehmen Schweizer Behörden die Depots nun unter die Lupe.

Bankenviertel von Zürich (Archivbild)
REUTERS

Bankenviertel von Zürich (Archivbild)


Nach der Verhaftungswelle in Saudi-Arabien haben die Schweizer Finanzbehörden angekündigt, Bankkonten von saudi-arabischen Bürgern zu überprüfen. Finanzinstitute hätten Verdachtsfälle an die zuständige Meldestelle für Geldwäsche (MROS) weitergeleitet, teilte die Bundesanwaltschaft in Bern mit.

"Zurzeit werden, wie dies standardmäßig geschieht, eingehende Informationen geprüft", sagte eine Sprecherin. Zudem stehe die Bundesanwaltschaft in Kontakt mit anderen Behörden. Bislang habe sie jedoch weder Strafverfahren eröffnet, noch Vermögenswerte blockiert.

Zuvor hatte die "Financial Times" berichtet, Banken hätten verdächtige Aktivitäten auf Konten von saudi-arabischen Kunden gemeldet. Hintergrund ist die Verhaftung von mehr als 200 Angehörigen der saudischen Elite Anfang November - darunter elf Prinzen, Minister und schwerreiche Geschäftsleute. Ihnen werden Geldwäsche, Bestechung, Erpressung und Bestechlichkeit vorgeworfen.

Befohlen wurde der Schritt von Kronprinz Mohammed bin Salman, der damit offenbar seine Macht sichern will. Er möchte Vermögenswerte in Höhe von 800 Milliarden US-Dollar, die dem Staat wegen Korruption entgangen seien, zurückholen. Gemäß Schätzungen liegen 180 bis 300 Milliarden aus Saudi-Arabien auf Schweizer Bankkonten.

Die saudi-arabischen Behörden haben bislang offenbar nicht versucht, Zugriff auf die Konten und Kundendaten zu erhalten. Das Bundesamt für Justiz habe bislang kein Rechtshilfeersuchen aus Saudi-Arabien erhalten, sagte ein Sprecher.

Saudi-Arabien ist ein wichtiger Markt für Schweizer Banken wie UBS Chart zeigen und Credit Suisse Chart zeigen. Ein UBS-Sprecher wollte sich zu Kundenbeziehungen nicht äußern. Ein Crédit-Suisse-Sprecher sagte, die jüngsten Entwicklungen in Saudi-Arabien hätten bislang keine Auswirkungen auf das Geschäft. Das Institut werde die Situation jedoch weiterhin genau beobachten.

dab/Reuter/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.