Diktatoren als Sammelmotive Schweizer empört über Hitler und Mussolini auf Kaffeerahm

Eine Tochterfirma der Schweizer Supermarktkette Migros hat Kaffeesahneverpackungen mit Hitler- und Mussolini-Porträts vertrieben - was für einigen Ärger sorgte. Der verantwortliche Versand findet die Aufregung übertrieben.

Migros-Filiale (Archivbild): "Kontrollen für Produkte drastisch verschärfen"
REUTERS

Migros-Filiale (Archivbild): "Kontrollen für Produkte drastisch verschärfen"


Bern - Die Schweizer Firma Elsa hat Kaffeerahmpackungen mit Abbildungen der Diktatoren Adolf Hitler und Benito Mussolini vertrieben. Die Empörung darüber ist groß. Elsa entschuldigte sich am Mittwoch und sprach von einer "unverzeihlichen Fehlleistung".

Die Motive hätten niemals ausgeliefert werden dürfen, sagte ein Sprecher der Supermarktkette Migros, zu der Elsa gehört, laut Schweizer Nachrichtenagentur sda. Die Motive seien ohne nähere Begutachtung übernommen worden. "In Zukunft werden wir unsere Kontrollen für diese Produkte drastisch verschärfen", versprach der Sprecher. Die Ware sei ausschließlich an Gastronomiebetriebe verkauft worden. Es sei alles unternommen worden, um die Produkte sofort zurückzuziehen, erklärte das Unternehmen.

Das Hitler-Konterfei auf dem Kaffeerahm hatte ein Leser-Reporter des Schweizer Portals "20 Minuten" in einem Snack Stop entdeckt. "Ich finde das geschmacklos", sagte er der Nachrichtenseite.

Die Firma, die die Motive ausgewählt hatte, fand die Kritik übertrieben. Die Bilder gehörten zu einer Fotoreihe, die seit zwei Jahren für Sammler auf dem Markt sei, wird der Geschäftsführer der Karo-Versand GmbH zitiert. Er verstehe nicht, warum es jetzt zu einem solchen Medienrummel komme. Zwar sei schlimm, was unter Hitler geschehen sei, doch könne dieser Teil der Geschichte nicht ignoriert werden.

Migros bezeichnete diese Äußerungen als inakzeptabel. "Wir distanzieren uns in aller Form von der Karo-Versand GmbH und brechen die Geschäftsbeziehungen per sofort ab", teilte das Unternehmen am Nachmittag mit.

Erst vor rund zwei Wochen hatte Migros mit einer Verpackungspanne für Schlagzeilen gesorgt. Wegen eines Übersetzungsfehlers hatte die Supermarktkette "Butter zum Braten von Schweizern" in den Regalen.

bos/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
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gefaehrlicheshalbwissen 22.10.2014
1. Zigarren-Bandarolen
sie haben nicht Hitler als solches auf die becher gedruckt, sondern im zuge der "cigar-bands" line eine cigarren-bandarole mit hitler darauf. da wird fuer mich dann ein eher "unueberlegtes" motiv daraus.
brain1965 22.10.2014
2. Irre
Aber mich erheitert die Vorstellung, dass irgendwelche Nazis jetzt Kaffeesahnedeckelchen hinterherlaufen...
mottasvizzera 22.10.2014
3. Das war doch vom Karo Versand so gewollt ...
... und die Migros Tochter hat einfach nicht sorgfältig kontrolliert.... Diese Aludeckel werden in der Schweiz von gewissen Leuten gesammelt - einzuordnen wie Briefmarkensammler und jetzt haben sie mit dem Presserummel und anschließendem Rückzug das Ziel erreicht : Sammel-Raritäten - eine Win-Win-Situation für den Hersteller Karo Versand. Es gibt wichtigere Probleme auf dieser Welt ! - denn hier geht es nicht um Faschismus sondern um billigen Kommerz !
hessianboar 22.10.2014
4. Empört?
Das sollten die Schweizer lieber ob ihrer Geschichte sein. Reiche Juden liessen sie während des Dritten Reichs in ihr Land, die Armen wurden abgewiesen. Und überhaupt: ein paar Kilometer weiter unten (Italien) habe ich in einem Laden Bierflaschen fotografiert. Die standen direkt beieinander. Motive: Hitler, Mussolini, Bob Marley. Nebeneinander. Noch Fragen?
tomy1983 23.10.2014
5. Hessianboar
Als deutscher sollte man zurückhaltender sein, anderen Menschen falsches Verhalten im WWII vorzuwerfen...
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