Franken-Freigabe Schweizer Industrie auf Schrumpfkurs

Der starke Franken macht der Schweizer Industrie schwer zu schaffen. Der sogenannte Einkaufsmanagerindex ist im Januar drastisch eingebrochen. Der aktuelle Wert deutet auf eine schrumpfende Produktion hin.

Bank Credit Suisse: Weniger Einnahmen für Schweizer Firmen
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Bank Credit Suisse: Weniger Einnahmen für Schweizer Firmen


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Zürich - Die Stimmung in der Schweizer Industrie hat sich nach der Aufgabe des Franken-Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank (SNB) deutlich verschlechtert. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe sank im Januar um 5,4 Punkte auf 48,2 Punkte ein. Ein Wert über 50 Punkte deutet auf Wachstum hin. Ein derartiger Einbruch innerhalb eines Monats ist äußerst selten - es war das größte Minus seit der Finanzkrise.

Die Rahmenbedingungen der Schweizer Unternehmen hatten sich im vergangenen Monat allerdings schlagartig geändert: Die SNB hatte am 15. Januar ihren bisherigen Mindestkurs von 1,20 Franken zum Euro aufgegeben - und damit eine stärkere Aufwertung des Schweizer Franken zugelassen. Seitdem liegt der Eurokurs nur noch knapp über einem Franken.

Ein starker Franken macht es Schweizer Exportunternehmen schwerer, ihre Waren im Ausland zu verkaufen. Zudem wird Urlaub in der Schweiz für ausländische Touristen teurer, worunter der große Tourismussektor leidet.

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses hat die meisten Firmen offenbar kalt erwischt. Drei Viertel waren am 15. Januar nicht gegen eine Aufwertung der Währung abgesichert, wie aus dem Einkaufsmanagerindex hervorgeht. Nun werden die Lager verkleinert und bei den Vorprodukten wird die Beschaffung zurückgefahren. Erste Firmen denken auch an einen Personalabbau.

Laut einer Hochrechnung der Bank Credit Suisse dürften Schweizer Unternehmen bei einem Eurokurs in der Nähe von einem Franken rund 31 Milliarden Franken im Jahr weniger einnehmen. Dieses Minus lässt sich teilweise ausgleichen, weil auch Rohstoffe und Vorprodukte aus dem Ausland für Schweizer billiger werden. Unter dem Strich bleiben nach Schätzungen der Credit-Suisse-Experten aber rund 18 Milliarden Franken, die den Firmen in der Kasse fehlen.

Zusammengefasst: Viele Schweizer Industrieunternehmen waren auf die Aufwertung des Franken-Wechselkurses nicht vorbereitet. Nun fürchten sie schlechtere Geschäfte. Der Einkaufsmanagerindex ist deutlich gesunken.

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stk/dpa Reuters



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insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
hevopi 02.02.2015
1. Es ist eben
nicht mehr so leicht, Schwarzgelder und Steuerfluchtgelder zu verwalten. Die Schweiz war doch immer ein Geldbunker für Kriminelle, vielleicht ändert sich ja doch ein wenig, was natürlich Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation hat. Das Argument der gestiegenen Urlaubskosten ist sicher richtig, aber die Industrie der Schweiz hatte noch nie eine große Bedeutung.
KJB 02.02.2015
2. Industrie Bedeutungslos?
Also die Schweizer Industrie ist sicherlich nicht Bedeutungslos sondern hat sich vielmehr auf Hochtechnologie spezialisiert wie z.b. die Entwicklung und Herstellung von hochmodernen Röntgengeräten oder Spezialteile für die Automobilindustrie. Die Schweiz als reinen Dienstleistungssektor abzustempeln zeugt schon von Unwissenheit.
gracie 02.02.2015
3.
Zitat von hevopinicht mehr so leicht, Schwarzgelder und Steuerfluchtgelder zu verwalten. Die Schweiz war doch immer ein Geldbunker für Kriminelle, vielleicht ändert sich ja doch ein wenig, was natürlich Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation hat. Das Argument der gestiegenen Urlaubskosten ist sicher richtig, aber die Industrie der Schweiz hatte noch nie eine große Bedeutung.
Noch einmal für die die es immer noch nicht verstanden haben. Die Schweiz ist schon lange kein Steuerparadies mehr, viel interessanter sind andere Standorte die man in ruhe lässt. Einige befinden sich sogar mitten in der EU. Die Schweiz ist das innovativste Land der Welt und bei weitem viel offener als Deutschalnd es ist. Mit ausnahme von Orten wie Hamburg, München und sonstiges. Dieses winzige Land hat sehr viel mehr zu bieten als Uhren und Schokolade. Bitte nachschauen. Also bitte mit dieser völlig überholten Leier endlich aufhören. Aussderm, wer kann der bunkert. Ausnahmslos. Schwingt da nicht irgendwie Neid mit ?
hans.beimler 02.02.2015
4. Schönes Beispiel dafür,
was Deutschland bevorstünde, wenn wir den Euro verlassen würden. Auch zeigt es, warum wir solche Staaten wie Griechenland unbedingt im Euro halten wollen. Es ist fast unbezahlbar, wenn die eigene Währung unter ihren eigentlichen Wert gedrückt wird, da brummt die Wirtschaft! Schäuble hat bestimmt Tränen gelacht, als die Schweiz ihre Euro-Bindung aufgehoben hat. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, ich bin gegen den Euro in der jetzigen Form, weil einziger Nutznießer Deutschland ist. Macht uns nicht gerade beliebt im Ausland. Aber wenn die anderen Euro-Mitglieder einfach zu dämlich sind, was soll's. Griechenland hat das doch schon längst erkannt und stellt immer neue rotzige Forderungen, sie sitzen eben an einem ziemlich langen Hebel.
siegerländer79 02.02.2015
5. Die, die sich freuen können.
Diejenigen, die ihre Euros oder US Dollar umgetauscht in Franken in der Schweiz angelegt hatten, können sich doch auf einen riesigen Gewinn freuen. Vielleicht sollte man etwas an dem Bankgeheimnis ändern. Würde evtl ne Kapitalflucht auslösen, und schwups, der Franken sinkt im Wert und die Wirtschaft ist gerettet.
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