Schweizer Großbank: UBS-Händler verzockte sogar 2,3 Milliarden Dollar

Die Hiobsbotschaften bei der Schweizer Großbank UBS reißen nicht ab: Der Verlust durch einen Skandalhändler liegt nun sogar bei 2,3 Milliarden Dollar. Die Finanzaufsichten der Schweiz und Großbritanniens untersuchen den Fall.

UBS-Sitz in London: Im Umfang von zehn Milliarden Dollar spekuliert? Zur Großansicht
DPA

UBS-Sitz in London: Im Umfang von zehn Milliarden Dollar spekuliert?

Zürich/London - Nach dem großen Schock folgt noch ein kleiner für die UBS: Der inhaftierte Spekulant der Schweizer Großbank hat noch mehr Geld als ursprünglich bekannt verzockt. Der von Händler Kweku Adoboli verursachte Verlust liege bei 2,3 Milliarden Dollar, wie die Bank mitteilte. Bisher war von rund zwei Milliarden die Rede gewesen.

Der Londoner UBS-Händler Adoboli war am Donnerstag in London verhaftet worden. Bereits am Freitag wurde er wegen Verdachts des Betrugs und der Bilanzfälschung dem Haftrichter vorgeführt. Der nächste Gerichtstermin ist für 22. September angesetzt. Der mutmaßliche Täter soll den Milliardenverlust mit nicht genehmigten Transaktionen verursacht haben.

Die Bank erklärte, der Verlust resultiere aus unerlaubten Spekulationen mit Index Futures von S&P 500, Dax und EuroStoxx Chart zeigen im Laufe der vergangenen drei Monate. Man sei dem Händler bereits auf der Spur gewesen, als sich dieser am 14. September offenbart habe, erklärte die UBS Chart zeigen weiter. Kundengeld sei bei der Fehlspekulation nicht verloren gegangen.

Laut UBS sollen jetzt mögliche Fehler in den internen Kontrollsystemen aufgedeckt werden, die dafür gesorgt haben, dass Adobolis Aktivitäten zunächst unentdeckt blieben. Rating-Agenturen haben wegen der mangelhaften Kontrollen bereits angedroht, die Bonität der UBS herabzustufen.

Staatenübergreifende Untersuchung der Finanzaufsichten

Die Finanzaufsichten der Schweiz und Großbritanniens haben inzwischen eine gemeinsame Untersuchung des Falles gestartet. Ziel der zusammen mit der britischen Financial Services Authority (FSA) geplanten Ermittlungen sei es, die genauen Umstände der nicht autorisierten Handelsaktivitäten abzuklären, erklärte die Schweizer Aufsichtsbehörde Finma. Die "Sunday Times" berichtete unter Berufung auf "Insider", Adoboli habe insgesamt im Umfang von sogar zehn Milliarden US-Dollar spekuliert. Sein Konto sei am Freitag geschlossen worden.

Die Finma-Untersuchung könne einiges zutage fördern, sagte die Luzerner Wirtschaftsprofessorin Monika Roth im Schweizer Rundfunk: Denn während die Beschuldigten in einem Strafverfahren die Aussage verweigern können, seien sie bei dieser Untersuchung zur Kooperation verpflichtet. Sollten die Betroffenen dennoch schweigen, könne dies gegen sie verwendet werden, sagte Roth.

yes/dpa-AFX

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insgesamt 3 Beiträge
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1. 2,3 Mrd, das sind doch peanuts.
Flightkit 19.09.2011
Mal sehen, auf was wir Zahlen wir kommen, wenn wir zusammenrechnen, was unsere FRau Merkel und ihr Herr Schäuble mit ihrer Euro-Spekulation verzockt haben werden. Auch da funkioniert die Kontrolle nicht. Bisher keine Partei weit und breit, die sich dem entgegenstemmt. Das sollte wirklich jedem in unserem Land zu denken geben.
2. .
frubi 19.09.2011
Zitat von sysopDie Hiobsbotschaften bei der Schweizer Großbank UBS reißen nicht ab: Der Verlust*durch einen Skandalhändler*liegt nun sogar bei*2,3 Milliarden Dollar. Die Finanzaufsichten der Schweiz und Großbritanniens untersuchen den Fall. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,786997,00.html
Man lässt Kinder mit Rasierklingen spielen und wundert sich dann, wenn die sich schneiden? Und wieso wird dann nur das Kind bestraft und nicht dessen Eltern?
3. Die Märkte sind doch nicht wie erwartet gestiegen
beebo 19.09.2011
Der UBS Händler wird wohl auf steigende Kurse gesetzt haben. Währen die tatsächlich, wie erwartet gestiegen, hätte der Händler richtig gewinn eingefahren, und wohl auch seine Boni in neue Höhen getrieben haben. Schließlich hat er das Gegengeschäft, das setzen auf Fallenden Kurse unterlassen. Damit hat er die Kosten dafür gespart. Ab Juli sind die Märkte dummerweise immer weiter nach unten gekracht. Im August dürfte den gedämmert haben, dass die Kurse wohl 2011 nicht mehr nach oben gehen werden.
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